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Werner trifft wieder

Vor dem Gastspiel bei seinem Ex-Klub VfB Stuttgart beendet der Leipziger seine Torflaute.

© dpa/Hendrik Schmidt

Von Frank Kastner und Jens Marx

Frustriert zog sich Timo Werner das Trikot über den Kopf. Gerade hatte er freistehend den Ball Zenit-Schlussmann Andrej Lunew direkt in die Arme geschossen. Die Szene war bezeichnend für den Nationalspieler von RB Leipzig. Nichts wollte in den vergangenen vier Spielen seit seinem Doppelpack beim 3:1 in Neapel so richtig funktionieren. Erst ein genialer Moment von Naby Keita setzte Werner in Szene. Aus vollem Lauf spitzelte der Schwabe den Ball nach einem herrlichen Steilpass des Guineers gekonnt unter die Querlatte.

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Nun kann Werner am Sonntag bei seinem Heimatverein VfB Stuttgart in der Fußball-Bundesliga befreit aufspielen. „Ich glaube, dass er sehr froh war, dass er wieder eins gemacht hat. Das ist für ihn sicher das Wichtigste“, sagte RB-Trainer Ralph Hasenhüttl nach dem 2:1 in der Europa
League gegen St. Petersburg. Werner war auch am ersten Tor beteiligt. Per Hacke bereitete er das 1:0 durch Bruma vor.

Hasenhüttl ließ Werner bewusst auf dem Rasen, auch wenn „er manchmal ein bisschen unglücklich agiert“. Der 22-Jährige arbeite viel. Es fehle aber an Genauigkeit. Doch plötzlich war sein wertvollster Stürmer wieder da: „Überragend. Da hat er wieder gezeigt, dass er vorm Tor sehr wohl kaltschnäuzig sein kann.“

Besonders im Ländle wissen die Abwehrspieler um die Stärken des gebürtigen Stuttgarters. VfB-Stürmer Mario Gomez, wie Werner ein schwäbisches Eigengewächs, adelte den zehn Jahre jüngeren Konkurrenten schon nach dem 6:0 vor einem halben Jahr im WM-Qualifikationsspiel gegen Norwegen: „Er dominiert die nächsten zehn Jahre in Deutschland im Sturm.“ Mehr noch – Gomez zeigte sich überaus fair, schraubte seine Ansprüche quasi zurück. „Wenn er uns zum Weltmeister-Titel schießt, bin ich glücklich.“

Werner spricht auch voller Hochachtung über den Auswahlkollegen. „Es freut mich immer besonders, gegen Mario spielen zu dürfen. Er war früher mein Vorbild“, sagte er am Freitag. „Es ist kein Konkurrenzkampf, wenn Mario trifft. Es ist das Duell VfB gegen RB, nicht Timo Werner gegen Mario Gomez.“ 14 Jahre spielte Werner für die Schwaben und tritt in der Bundesliga erstmals gegen seinen Ex-Klub an. Lobeshymnen wie beim Auftritt mit der Nationalelf erwartet er nicht. „Ich weiß, dass es nicht so ist. Doch der VfB ist ein besonderer Verein für mich, bei dem ich eine wichtige Zeit verbracht habe. Es sind viele Freunde und meine Familie da.“ (dpa)