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Westbesuch: Als Helmut „heimlich“ durch die DDR spazierte

Geschichte. Über Helmut Kohls weithin unbekannte Privatreise in den Osten kann man nunin einem Buch nachlesen.

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Es war der letzte Spieltag in der DDR-Fußballoberliga im Mai 1988 mit der Begegnung Dynamo Dresden gegen FC Carl Zeiss Jena. 13 000 Fans sahen ein 3:1 für Dresden. Mittendrin war ein Gast, der hier noch nie gesehen wurde: Helmut Kohl. Der Kanzler reiste vom 27. bis 29. Mai 1988 privat in die DDR. Die Presse wurde nicht informiert, offizielle Begegnungen gab es nicht.

Details und Umstände des Besuchs recherchierten MDR-Mitarbeiter Jan Schönfelder und Rainer Erices in Archiven und in Gesprächen mit Menschen, die Kohl damals traf. Kohl besuchte mit seiner Frau Hannelore fünf DDR-Städte und wollte sich einen Einblick in den „real existierenden sozialistischen Alltag“ verschaffen. Die Einladung hatte DDR-Staats- und Parteichef Erich Honecker schon bei seinem Bonn-Besuch 1987 ausgesprochen. Am 27. Mai 1988 startete die „Reisegruppe“, bestehend aus Kohl, seiner Frau, seinem Sohn Peter, Regierungssprecher Friedhelm Ost, Wolfgang Bergsdorf aus dem Bundespresseamt, Kohls Fahrer Eckhard Seeber und einem weiteren Chauffeur. In Dresden schlenderte Kohl durch Geschäfte, ging zum Fußball, während die meisten Geheimdienstler in Museen und Galerien warteten. Nach dem von der Stasi abgeschotteten Besuch in der Semper-Oper gab es aber noch ein ungehindertes Bad in der Menge. (ddp)

Das Buch „Westbesuch“ aus dem Verlag Dr. Bussert & Stadeler ist ab heute für 14,90 € erhältlich.