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Ein verrückter April löst nicht unser Dürreproblem

Dieses Frühjahr ist mit Hagel, Schnee und Sonne richtig chaotisch. Für diese Zeit ist das eigentlich ganz normales Wetter. Wir staunen trotzdem. Ein Leitartikel.

Auch in diesem April gelten die alten Bauernregeln wieder und die Winterjacke musste noch mal übers T-Shirt.
Auch in diesem April gelten die alten Bauernregeln wieder und die Winterjacke musste noch mal übers T-Shirt. © dpa

Schnee und Regen. Sonne und Wolken. Frost und T-Shirt-Temperaturen. Erst das Gewitter und gleich drauf wieder träumen im Liegestuhl. Das Wetter fährt eben mal Achterbahn. Ostern war es noch bitterkalt dieses Wochenende bringt schon wieder an die 20 Grad. Das ist eben der ganz normale April. Zwar nicht so, wie wir ihn in den letzten Jahren erlebt haben. Aber so, wie er früher mal war, damals in der Kindheit zumindest. Immer ein wenig chaotisch, ziemlich launisch nass und im Wettermix von allem etwas dabei. Erstaunt hat das damals niemanden. Es war halt normal. Doch die Normalität ist inzwischen eine andere geworden. Nur deshalb fällt es so krass auf, wenn der April wie in diesem Jahr mal wieder seine eigentlichen, launischen Eigenheiten zeigt.

Der April ist in den letzten Jahren der sich am auffälligsten verändernde Monat. Die Häufung sehr warmer, lang anhaltend trockener Tage bis Wochen kannte man davor nur aus dem Sommer. Früher waren solche Aprilsommer die Ausnahmen und Extremereignisse. Heute ist das genau umgekehrt. Die Extreme von damals sind die neue Normalität heute.

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Die Außenseiter sind nun solch launische Aprils wie dieser eben. Ein April, in dem die alten Bauernregeln wieder gelten und die Winterjacke noch mal übers T-Shirt muss. Diese Veränderungen sind eine der Folgen im Klimawandel. Der ist trotz Corona da. Corona hat ihn nur medial verdrängt. Er ist eigentlich die noch viel größere Herausforderung. Eine Impfung dagegen, die wird es nämlich nie geben. Da müssen schon andere, langfristige Konzepte her. Auch die werden teuer, sicherlich teurer als der Kampf gegen Corona, weil sie deutlich länger brauchen.

Die Landwirtschaft spürt derzeit am ehesten die Folgen der sich ändernden Witterung. Jahr für Jahr kommen dadurch neue Ernteausfälle. Die Bauern und Förster können sich daher über diesen ungewöhnlich normalen April mal so richtig freuen. Sie bekommen das, was ihre Pflanzen in dieser ersten Vegetationsperiode am wichtigsten brauchen: ausreichend Wasser fürs Wachstum.

Ende März schien noch die Sonne.
Ende März schien noch die Sonne. © dpa-Zentralbild

Dieser eine veränderte Monat mit seinen Folgen ist ein Vorzeichen für noch kommende Veränderungen durch den Klimawandel. Ein launischer April wie dieser jetzt ist freilich nicht so angenehm wie die Aprilsommer der letzten Jahre. Doch er verändert unsere wichtigsten Lebensgrundlagen nachhaltig: den Boden und das Wasser. Seit den 1950er Jahren bringt die neue Normalität im April immer mehr Sonnenstunden zu uns.

Das zeigt eine Analyse des Deutschen Wetterdienstes. 36 Stunden mehr sind es inzwischen. Verglichen wurde der Durchschnitt der zehn Jahre beginnend 1950 und der letzten zehn Jahre jetzt. Acht der zehn sonnenscheinreichsten Aprilmonate Deutschlands gab es seit dem Jahr 2000. So viel Sonne, das lässt die Temperatur nicht kalt. Das Monatsmittel für April ist von 1881 bis 2020 um 1,9 Grad gestiegen. Der April hat sich damit im Laufe der Zeit bei uns stärker erwärmt als die anderen Monate. Und das bei weniger Niederschlägen – anders als in diesem Jahr.

Nach Berechnungen des Landesumweltamtes können die jetzigen 25 Prozent mehr Niederschlag in Sachsen seit Monatsbeginn jedoch allenfalls die aufgestauten Verluste seit Jahresbeginn aufholen. Die seit Jahren vorhanden Defizite bleiben. Ein nasser, kalter April ändert das nicht. Die Dürre im Boden bleibt. Dort lauert schon wieder die nächste Trockenheit, obwohl sich oben auf Äckern und Wegen täglich neue Pfützen bilden. Seit November 2017 fehlen auf jeden einzelnen Quadratmeter in Sachsen 800 Liter Wasser, ein kompletter Jahresniederschlag. Es ist die Folge der Klimaänderungen durch die Erwärmung in der Arktis. Die uns Regen bringenden Tiefs werden im Frühjahr immer häufiger blockiert.

Am 5. April schneit es.
Am 5. April schneit es. © B&S

Unter dem derzeit so schön nass-patschigen Böden auf Wiesen und Wegen wird es ab einem Meter Tiefe schon trockener. Ab zwei Metern, dort wo viele Bäume ihre Wurzeln hinstrecken, herrscht jetzt schon wieder Dürre. Das betrifft vor allem Nord- und Mittelsachsen. Es müsste jetzt monatelang schütten, um die Speicher wieder voll zu bekommen. Das ist nicht in Sicht. Es würde zudem tendenziell als Starkregen ankommen und so auch noch die Flut bringen.

Der Boden ist wie ein Schwamm. Solange der nicht komplett gefüllt ist mit Wasser, läuft unten auch nichts raus. So wird auch die Situation für das Grundwasser außergewöhnlich kritisch. Der Grundwasserspiegel ist niedrig und bleibt es auch. 70 Prozent der sächsischen Messstellen unterschreiten derzeit den mittleren Wert und das um durchschnittlich 41 Zentimeter.

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Mehr noch: Da Bäche und Flüsse in Trockenzeiten, wie sie auf den April öfter folgen, dann weitgehend auf Grundwasser angewiesen sind, werden die Flusspegel in Sachsen abermals stark sinken. Die kurzen Niederschläge so wie im April helfen dagegen nicht viel. Die großen Flüsse sind trotz des Regens und Schnees auch jetzt nur gut halb voll, verglichen mit dem normalen durchschnittlichen Durchfluss im April. Die Elbe hat 45 bis 55 Prozent, die Neiße 55 bis 75 und die Mulde 50 bis 80 Prozent.

Der Aprilsommer fällt zwar in diesem Jahr aus. Unsere grundlegenden Wasserprobleme löst das aber nicht. Ein einziger normal-verrückter Monat macht noch lange kein ganz normales Jahr.

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