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Extremes Unwetter in Harthas Partnerstadt

In Fröndenberg/Ruhr regnete es am Sonntag teilweise 120 Liter pro Quadratmeter. Feuerwehrleute rückten zu hunderten Einsätzen aus.

Zwei weggespülte Autos liegen in einem Bachlauf: Am Sonntag zog ein Unwetter über Nordrhein-Westfalen, das für zum Teil heftige Schäden gesorgt hat. Betroffen war vor allem Harthas Partnerstadt.
Zwei weggespülte Autos liegen in einem Bachlauf: Am Sonntag zog ein Unwetter über Nordrhein-Westfalen, das für zum Teil heftige Schäden gesorgt hat. Betroffen war vor allem Harthas Partnerstadt. © dpa/Jonas Güttler

Hartha/Fröndenberg. Es sind schockierende Bilder, die in den sozialen Netzwerken zu sehen sind. Straßen sind reißende Flüsse, Wasser dringt in Häuser ein und Autos sind durch die Wassermassen zusammengeschoben. In Hartha Partnerstadt Fröndenberg im Kreis Unna hieß es am Sonntag: Land unter.

Mittlerweile ist das Wasser zwar weg, doch das Chaos auf den Straßen der rund 20.000 Menschen zählenden Stadt bleibt. Nach lokalen Medienberichten waren und sind teilweise noch immer einige Haushalte ohne Strom, betroffen seien vor allem die Innenstadtbereiche und östliche Dörfer. Auch das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe teilte über seine Warn-App NINA mit, dass Teile Fröndenbergs ohne Stromversorgung seien.

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In hunderte Häuser, Geschäfte und Bürokomplexe ist am Sonntag Wasser gelaufen, auch mehrere Lebensmittelgeschäfte seien davon betroffen, wie die Zeitung Hellweger Anzeiger berichtet. Diese seien am Montag geschlossen geblieben.

Hunderte Feuerwehrleute bei 320 Einsätzen in Fröndenberg

Die Rettungsleitstelle des Kreises Unna zählte in ihrer vorläufigen Unwetter-Bilanz bis zum Sonntagabend rund 320 Einsätze in Fröndenberg, weitere 55 in Unna, der Partnerstadt von Döbeln. Knapp 500 Feuerwehrleute waren bis zum Montagmorgen in Fröndenberg im Einsatz. Neben der kompletten Freiwilligen Feuerwehr helfen dort auch Kräfte aus Unna und umliegenden Kommunen sowie vom THW.

Sorgen bereitet den Feuerwehrleuten und der Stadt Fröndenberg am Montagmittag vor allem ein rund 80 mal 60 Meter großer Teich, der als natürliches Regenrückhaltebecken dient. Der Damm drohte porös zu werden, die Stabilität sei in Gefahr, sagte eine Sprecherin.

Nach einem Unwetter mit Starkregen stehen Autos auf einem Parkplatz im Wasser.
Nach einem Unwetter mit Starkregen stehen Autos auf einem Parkplatz im Wasser. © dpa/Kreispolizei Unna
Schlammmassen überziehen den Boden des Neuapostolischen Seniorenzentrums. Am Abend zuvor und in der Nacht zu Montag zog ein Unwetter über Nordrhein-Westfalen, das für zum Teil heftige Schäden gesorgt hat.
Schlammmassen überziehen den Boden des Neuapostolischen Seniorenzentrums. Am Abend zuvor und in der Nacht zu Montag zog ein Unwetter über Nordrhein-Westfalen, das für zum Teil heftige Schäden gesorgt hat. © dpa
Verschlammt ist auch das Wasser im Schwimmbad im Löhnbachtal nach einem schweren Gewitter.
Verschlammt ist auch das Wasser im Schwimmbad im Löhnbachtal nach einem schweren Gewitter. © tnn
Sandsäcke liegen vor dem Neuapostolischen Seniorenzentrum, das in Folge einer regelrechten Schlammlawine evakuiert werden musste und derzeit unbenutzbar ist.
Sandsäcke liegen vor dem Neuapostolischen Seniorenzentrum, das in Folge einer regelrechten Schlammlawine evakuiert werden musste und derzeit unbenutzbar ist. © dpa

Das THW war den ganzen Montag vor Ort und pumpte ihn ab. Ein Wohnviertel unterhalb des Waldstücks am Fischteich musste evakuiert werden. Betroffen waren ersten Schätzungen zufolge 300 bis 500 Menschen.

Im Osten und Zentrum Fröndenbergs stehen auch am Montag viele Straßen und Keller unter Wasser. Einige Strecken seien auch unterspült und deshalb gesperrt worden, so der Hellweger Anzeiger in seinem Bericht. Die Notrufleitungen waren am Sonntag teilweise überlastet. Auch der Bahnverkehr rund um Fröndenberg ist immer noch gestört.

„Einige haben den Arsch voller Tränen“

Ersten Angaben des Landkreises Unna zufolge, wurden durch das Unwetter keine Personen verletzt, die „Sachschäden seien allerdings immens“. Ein Feuerwehrmann berichtet in lokalen Medien von einem „Einsatz, der bis an die Leistungsgrenzen der Kameraden“ gehe.

Auf Anfrage bestätigt auch Harthas Wehrleiter René Greif, dass die Feuerwehrleute in der nordrhein-westfälischen Stadt einen langen, anstrengenden Einsatz haben. „Einige von ihnen haben den Arsch voller Tränen“, sagt Greif, der mit der befreundeten Feuerwehr in Fröndenberg im Kontakt stand. Es sei Hilfe vonseiten der Harthaer Kameraden angeboten worden, spätestens am Dienstag entscheide sich, ob diese vor Ort auch benötigt werde. „Wir sind auf alle Fälle jederzeit bereit dazu“, so Wehrleiter René Greif.

Ähnliche Worte findet auch Hartha Bürgermeister Ronald Kunze (parteilos). Bislang habe er noch keinen persönlichen Kontakt mit der Fröndenberger Bürgermeisterin Sabina Müller (SPD) herstellen können, es sei jedoch ein Rückruf vereinbart, erklärt Kunze. „Wir schauen derzeit sehr aufmerksam nach Fröndenberg und sind mit unseren Gedanken bei allen Betroffenen.“

Seit 1991 Städtepartnerschaft mit Fröndenberg

Solche Schicksalsschläge wünsche man niemandem, sagt der Rathauschef. „Über die Feuerwehr sind wir bereits in Kontakt, wenn anderweitig weitere Hilfe benötigt wird, dann sind wir natürlich auch bereit, unseren Freunden zu helfen.“

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