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Das bringt ein nasses Wochenende für Dresden

Bis zum Sonntag soll es kräftig regnen. Reicht das Wasser der Natur, um sich von der Sommer-Dürre zu erholen?

Vor allem am Sonnabend wird es sehr nass in Dresden.
Vor allem am Sonnabend wird es sehr nass in Dresden. © dpa/Robert Michael

Dresden. Regen hat am Freitagmorgen eingesetzt. Und er wird anhalten. Bis zum Sonntagabend sind in der Summe bis zu 40 Liter Wasser pro Quadratmeter möglich. Das wäre so viel Niederschlag, wie im Juni zusammenkam und mehr als doppelt so viel wie im kompletten Juli. Was heißt das für die Pegel der Flüsse und wird der Regen reichen, damit sich die Natur erholen kann?

Wie viel Regen soll in den nächsten Tagen fallen?

Der Großteil des Regens soll am Sonnabend fallen. Der Deutsche Wetterdienst rechnet mit bis zu 30 Litern Wasser pro Quadratmeter innerhalb von 24 Stunden. Damit werden möglicherweise die Kriterien für eine Dauerregen-Warnung erreicht, allerdings noch nicht im unwetterartigen Bereich. Grund ist ein Tiefdruckgebiet, dass sich in der Nacht zum Sonnabend von Tschechien her nähert und tagsüber westwärts über Sachsen zieht. 

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Droht der Elbe Hochwasser?

Der Pegel der Elbe in Dresden lag am Freitagmittag bei 74 Zentimetern, also deutlich weniger als normal. Der Regen, der auch im tschechischen Einzugsgebiet der Elbe fällt, wird den Fluss in den nächsten Tagen aber anschwellen lassen. Das sächsische Landeshochwasserzentrum rechnet am Samstagabend mit einem Pegel von 81 Zentimetern, am Sonntagabend mit rund 1,10 Meter und am Montagmorgen mit 1,22 Meter. Hochwasser ist das aber noch lange nicht. Im Gegenteil, der normale Wasserstand liegt bei 1,65 Meter. Die erste Hochwasser-Warnstufe wird erst bei vier Metern überschritten.

Wie viel Regen fehlt dieses Jahr?

Dass es die Elbe mit dem angekündigten Dauerregen gerade einmal auf Normalniveau schafft, zeigt, wie wenig Regen in den vergangenen Monaten gefallen ist. Im April waren es an der Klotzscher Messstation des Deutschen Wetterdienstes nur fünf Prozent der üblichen Menge, im Mai und Juni etwa 66 Prozent und im Juli lediglich 20 Prozent. Im September kamen bis zum Freitagmorgen erst 21 Prozent zusammen. Nur der August lag mit 120 Litern Regen pro Quadratmeter über der normalen Menge, immer verglichen mit dem langjährigen Durchschnitt von 1981 bis 2010.

Was heißt das für die Natur?

Vor einer Woche waren zwei Drittel der Dresdner Bäche ausgetrocknet. Vor allem aber leiden die Bäume. Ende 2019 hatte das Amt für Stadtgrün 1.200 Altbäume in kritischem Zustand erfasst. Die Hälfte von ihnen wird dieses Jahr nicht überleben, prognostizierte Jörg Lange, Abteilungsleiter im Amt für Stadtgrün, vor wenigen Wochen. Dazu kommen 150 Jungbäume, die eingehen werden.

Auch Schädlinge haben es leichter: Aufgrund des warmen und trockenen Wetters in den letzten Monaten wird sich der Eichenprozessionsspinner auch in diesem Jahr wieder in Dresden ausbreiten. In diesem Jahr gab es bereits unter anderem Befälle mit dem Insekt auf einer Eiche an einem Feldrand in Schönborn und an zahlreichen Eichenbäumen auf einem Grundstück an der Stauffenbergallee. Wer am Stamm oder in Astgabeln von Eichen diese Nester des gefährlichen Insektes sieht, sollte unbedingt Abstand halten. Denn eine Berührung der bis zu 50 Zentimeter großen Gespinste und der Brennhaare der Larven kann zu starken Hautausschlägen und allergischen Reaktionen führen, so das Dresdner Gesundheitsamt.

Reicht der Regen aus, damit sich die Natur erholen kann?

Enttäuschung am Freitagnachmittag beim Bühlauer Revierförster Thomas Stelzig. "20 Liter Regen waren vorausgesagt, gefallen sind in der Dresdner Heide gerade mal fünf. Jetzt kommt schon wieder die Sonne raus", sagt er. Im Waldboden herrscht ein Wasserdefizit von rund 350 Litern pro Quadratmeter. Um das auszugleichen, müsste es jede Woche 50 Liter regnen. "Aber Starkregen ist auch kontraproduktiv, weil der  oberirdisch wegläuft und nicht in die Tiefe zu den Wurzeln der Bäume gelangt", sagt der Forstexperte. 

Er hofft, dass es am Wochenende länger und durchdringend regnet, nur unter diesen Bedingungen sei auch der Borkenkäfer nicht mehr so aktiv wie bisher.  Tausende Festmeter Fichte mussten allein im Bühlauer Revier gefällt werden, weil sie befallen waren. "Auch ein schneereicher Winter, in dem regelmäßig etwas wegtaut, würde uns helfen", sagt Stelzig. Alte Buchen und Eichen  werfen aufgrund der Trockenheit jetzt bereits die Blätter ab, Eicheln fallen einen Monat eher als normal zu Boden. 

Was bedeutet das Wetter für die Pilz-Saison?

"Die Pilzsaison ist dieses Jahr bisher regional und saisonal durchschnittlich", so Falk Hofer vom Landesumwelt. Bisher gab es zeitweise viele und große Steinpilze, aber auch Boviste und Schirmpilze. Der Experte erklärt, wie sehr sich Dürrephasen auf das Wachstum auswirken. Viele Pilzarten würden nur bei einer ausreichenden Feuchtigkeit im Boden ihre Fruchtkörper entwickeln, die man dann als Pilze wahrnehme. Das Pilzmycel, das unterirdische Pilzgeflecht im Boden, könne zwar auch längere Trockenphasen überdauern. Bei extremer und langer Trockenheit, oder wenn ganze Waldbereiche absterben, sterbe es aber ab. Denn Pilze und Bäume lebten in einer Symbiose und benötigten sich gegenseitig, so Hofer.

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