SZ + Pirna
Merken

Der Wald im Nationalpark bleibt gesperrt

Die Gefahr brechender Bäume und loser Äste im Wald des Nationalparks ist längst nicht gebannt. Eine Wanderin berichtet von ihrer Angst im Sturm.

Von Heike Sabel
 4 Min.
Teilen
Folgen
Die Sperrung ist nicht zu übersehen und wird noch eine Weile bleiben. Wer weitergeht, riskiert sein Leben.
Die Sperrung ist nicht zu übersehen und wird noch eine Weile bleiben. Wer weitergeht, riskiert sein Leben. © Marko Förster

Am Tag vier nach dem Sturm ist der Wald des Nationalparks immer noch eine Black Box. Während der Wind sich gelegt hat, droht von den Bäumen immer noch Gefahr. Und das wird noch eine Weile so bleiben. Auch wenn in ein paar Tagen alle Rettungswege freigeschnitten sind, können in den Baumkronen hängende Äste oder Baumspitzen unvermittelt auf die Wege stürzen.

Diese Gefahr wird immer wieder unterschätzt. Am Wochenende war der Wald voller Wanderer, die das Klettern über auf dem Weg liegende Bäume noch als Sport ansehen. Ein gefährlicher Sport.

Wie sich die Gefahr anfühlt, davon berichtet eine junge Frau auf der Facebook-Seite des Nationalparks. Auch sie und ihre Freunde hatten die Warnungen nicht ernst genug genommen:

"Zehn Minuten vorher - und wir wären tot gewesen"

Wir bildeten uns ein, Donnerstagfrüh die kürzeste Route zum hinteren Raubschloss zu laufen, da laut Deutschem Wetterdienst der Sturm ab 11 Uhr richtig loslegen sollte, sodass wir bis dahin wieder raus aus dem Wald sind. Selbst das war von uns unerfahrenen Küstenkindern sehr naiv und dämlich. Gerade in dem Bereich ist der Wald sehr geschädigt. Ich war das letzte Mal vor fünf Jahren dort und habe mich erschrocken, wie tot der Wald ist.

Da wir aber nur noch 300 Meter weit weg vom Felsen waren, wollten wir nicht umdrehen, obwohl wir es schon krachen hörten. Wir sind fix rauf auf den Berg und plötzlich kam eine Böe nach der anderen. Unten krachte und knallte es überall. Die toten Fichten fielen reihenweise um. Wie dämlich wir waren, das zu unterschätzen. Als wir vom Berg runter waren, wurde der Weg längs von zwei dicken Fichten versperrt. Zehn Minuten vorher an der Stelle und wir wären tot gewesen. Panisch kletterten wir über die Bäume und haben versucht, schnell aber konzentriert aus dem schlimmen Teil rauszukommen.

Ich habe noch nie so viele Bäume auf einmal stürzen sehen. Es war wirklich wie im Horrorfilm. Und wir waren früh, bevor der Sturm kam. Das kleinste Lüftchen scheint ausreichend zu sein. Es kamen uns genug Leute entgegen, die auch dorthin wollten, ernsthaft und mehrfach haben wir sie gebeten, es sein zu lassen. Nie wieder gehe ich bei Sturmansage in einen Wald.

Facebook-Nutzerin Lysann Konopka auf der Seite des Nationalparkes.

Wanderwege werden als Letztes freigeschnitten

Im Nationalpark wurde am Montag mit dem Freischneiden begonnen. Zuvor war es auch für Mitarbeiter zu gefährlich, und noch immer müssen die Waldarbeiter besonders aufpassen. Zuerst werden die öffentlichen Straßen und Gebäude, dann die Rettungswege und zuletzt die Wanderwege freigeschnitten. Sobald alle Rettungswege wieder passierbar sind, kann die allgemeine Sperrung aufgehoben werden. Wanderwege sind aber weiterhin stark eingeschränkt.

Die erste Schadensbilanz des Nationalparks geht von vielen sogar unpassierbaren Wanderwegen aus. Vor dem Sturm waren nach intensivem Aufarbeiten nur noch knapp 13 Kilometer von über 400 Kilometern markierter Wanderwege unpassierbar. Das hat sich binnen weniger stürmischer Stunden grundlegend geändert.

Das Klettern über umgestürzte Bäume scheint für manche Wanderer ein besonders Abenteuer. Schon ein paar Meter weiter kann ein Baum auf sie stürzen.
Das Klettern über umgestürzte Bäume scheint für manche Wanderer ein besonders Abenteuer. Schon ein paar Meter weiter kann ein Baum auf sie stürzen. © Mike Jäger

"Glücklicherweise sind seit Mitte August mehrere Forstmaschinen in den einzelnen Nationalparkteilen tätig, sodass die Beräumung der Wanderwege zeitnah angegangen werden kann", sagt Nationalparkleiter Ulf Zimmermann. Auch eine andere Spezialmaschine für steiles Gelände, der Schreitharvester, ist wieder für das Aufschneiden schwieriger Wegabschnitte im Einsatz. Der Fortschritt der Arbeiten wird laufend auf der Online-Karte des Wegservice aktualisiert.

Sturmschäden nie ganz vermeidbar

Im Gegensatz zu den Schäden innerhalb des Nationalparks sind zum Beispiel die Steilhänge des Kirnitzschtales, der Tiefe Grund oder der Bereich an der Ziegenrückenstraße weitgehend verschont worden. Hier habe sich die zum Teil harte und sehr teure Pflege bewährt, sagt die Nationalparkverwaltung. Diese Maßnahmen sollen fortgesetzt werden, um bei künftigen Stürmen weniger Schäden zu haben, sagt Zimmermann.

Eine mächtige Buche hat mit ihren ausgerissenen Wurzeln die Befestigungsmauer und einen Teil der Forststraße zerstört. Die Risse ziehen sich bis in die Mitte des Weges. Große schwere Autos können hier momentan nicht fahren.
Eine mächtige Buche hat mit ihren ausgerissenen Wurzeln die Befestigungsmauer und einen Teil der Forststraße zerstört. Die Risse ziehen sich bis in die Mitte des Weges. Große schwere Autos können hier momentan nicht fahren. © Mike Jäger

Ganz sind Sturmschäden nicht vermeidbar. Im Gegensatz zu der Lebensgefahr, der sich Menschen aussetzen, die die Verbote übergehen. Der Nationalpark verbiete das Betreten nicht aus Spaß oder um jemanden zu ärgern. Es gehe um die eigene Sicherheit und den Respekt den Helfern der Rettungsdienste gegenüber. Die Diskussion der vergangenen Tage zeigt, dass Erfahrungen von Menschen mit der Gefahr eher Wirkung zeigen als Appelle.

Übrigens: Das Betreten des Waldes erfolgt grundsätzlich immer auf eigene Gefahr, darauf verweist die Nationalparkverwaltung.