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Starkregen, Sturmböen, Hagel

Der Wetterdienst warnt vor heftigem Unwetter. Wie ist die Region Döbeln darauf vorbereitet?

Für die Nacht zum Mittwoch sagt der Wetterdienst ein Unwetter voraus, das 40 bis 50 Liter Regen
Für die Nacht zum Mittwoch sagt der Wetterdienst ein Unwetter voraus, das 40 bis 50 Liter Regen © Photography Alex Forstreuter

Region Döbeln. Der Regenguss war kurz aber heftig. Während in Grimma und Gasebach bei Meißen 30 Liter Wasser pro Quadratmeter fielen, wurden in Döbeln am Sonntag nur 13 Liter gemessen. Aber so glimpflich könnte die Region in den nächsten Tagen nicht davonkommen.

„Ein Tief über Mitteleuropa hat unwetterartigen Starkregen im Gepäck“, sagt Meteorologe Jens Oehmichen vom Deutschen Wetterdienst in Leipzig. Er kündigt für die Nacht von Dienstag zu Mittwoch schwere Gewitter an, bei denen auch Hagel und Sturmböen möglich sind. „40 bis 50 Liter Regen in einer Stunde sind da drin“, meint Oehmichen. Vereinzelt könnten es auch 70 bis 100 Liter werden.

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Durchflusswerte der Flüsse über Mittelwert

Ob das Unwetter den Altkreis Döbeln trifft, kann Oehmichen nicht konkret voraussagen. „Das Niederschlagsgebiet zieht über Sachsen. Man kann keine Region ausschließen“, meint der Meteorologe. Allerdings würden die heftigen Regenfälle etwa zwei bis drei Stunden dauern und nicht wie im Hochwasserjahr 2002 zwei Tage.

Zwar falle auch in den darauffolgenden Tagen immer wieder Regen, aber das seien vergleichsweise nur Schauer. Die werden für Mittwoch und Freitag erwartet. Am Donnerstag bleibe es nach jetzigen Erkenntnissen trocken. Durch diese Pausen könne aufgestautes Wasser immer wieder abfließen.

Das bestätigt Karin Bernhardt, Sprecherin des Sächsischen Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie. Bisher sei alles gut gelaufen, „obwohl es ordentlich geschüttet hat.“ Der Niederschlag habe zum Anstieg der Freiberger Mulde und der Zschopau geführt. Die Durchflusswerte seien am Montag wieder gefallen, lägen aber über dem langjährigen Mittelwert.

Die Niederschlagsvorhersage sei noch unsicher, aber bei Starkregen sei vor allem in kleinen Fließgewässern und an Zuflüssen mit einem schnellen Anstieg des Pegels zu rechnen. Es bestehe durchaus Hochwassergefahr. Von Feldern könne es zu wild abfließendem Wasser kommen, das auch Geröll mitbringt.

„Wir beobachten die Lage und warnen gezielt, wenn wir sie besser einschätzen können“, erklärt Karin Bernhardt. Derzeit sei in den Flüssen noch Platz. Es bestehe die Hoffnung, dass kein starkes Hochwasser kommt, aber mit der Warnstufe 1 und 2 müsse gerechnet werden.

Warnton vor Öffnung des Wehrs

In den Kommunen der Region Döbeln wird bereits langfristig vorgesorgt. In Döbeln werden seit 2009 verschiedene Hochwasserschutzmaßnahmen umgesetzt. So wurden an der Ritterstraße zwischen 2009 und 2011 eine Hochwasserschutzmauer gebaut und in Sörmitz 2013/14 auf der rechten Seite des Mühlgrabens eine Hochwasserschutzmauer und ein Deich errichtet. Das Verteilerwehr an der Freiberger Mulde, das bei Hochwasser den Zufluss in die Flutmulde reguliert, wurde bereits im Jahr 2017 fertiggestellt.

Über das Wehr könnten bis zu 220 Kubikmeter Wasser in die Flutmulde abgeleitet werden. Es öffnet stufenweise ab einem bestimmten Durchfluss der Freiberger Mulde, der direkt am Wehr gemessen wird. Das treffe zu, wenn in etwa das Dreifache des mittleren Durchflusses erreicht wird.

„Der mittlere Durchfluss liegt am Verteilerwehr zwischen 30 und 33 Kubikmeter Wasser pro Sekunde“, sagt die Sprecherin. Bei der ersten Öffnung ertönt ein Warnsignal am Verteilerwehr und entlang der Flutmulde. Personen müssten diese dann unverzüglich verlassen.

Eigentümer müssen selbst vorsorgen

„Der Ausbau der Flutmulde erfolgt seit 2014 und steht kurz vor der Vollendung. Aktuell müssen nur noch die Sohle gepflastert und eine Zufahrtsrampe gebaut werden“, erklärt Katrin Schöne, Leiterin Stabsstelle Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Landestalsperrenverwaltung (LTV) Sachsen.

Das Abflussprofil stehe seit der Fertigstellung der Hochwasserschutz-Wände im vergangenen Jahr und dem Geländeabtrag am Steigerhausplatz vollständig zur Verfügung.

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„Eine absolute Sicherheit gegen Hochwasser gibt es allerdings nicht“, so Katrin Schöne. Daher müsse jeder, der an einem Fluss lebt oder dort Eigentum besitzt, sich seiner Gefährdung bewusst sein und auch selbst vorsorgen.

In den Kommunen der Region Döbeln wird die Wettersituation ebenfalls beobachtet. „Ausschlaggebend ist das Landeshochwasserzentrum Sachsen. Dort kann man die Entwicklung der Flüsse gut beobachten“, sagt Waldheims Bürgermeister Steffen Ernst (FDP). Gleichzeitig nennt er die Warn-App Nina, auf die jeder Bürger Zugriff hat und die verschiedene Gefahrensituationen darstellt.

Lautsprecheranlage auf Rathausturm

„Wir sind auf schwierige Wettersituationen vorbereitet“, erklärt Ernst. Dabei legt er den Pegel der Talsperre Kriebstein zugrunde. Steigt dieser, trete ab der Hochwasserwarnstufe 1 ein Meldedienst, ab Stufe 2 ein Kontrolldienst, ab Stufe 3 der Wachdienst und bei Stufe 4 der Katastrophendienst in Kraft.

Dabei sei geregelt, wer bei den einzelnen Stufen agieren muss und welche Region gewarnt werde. Außerdem gebe es auf dem Rathausturm ein Megafon, mit dem die Bevölkerung über eine Lautsprecheranlage gewarnt werden könnte.

Der Roßweiner Bürgermeister Veit Lindner (parteilos) verweist ebenfalls auf den Hochwasseralarmplan. „Ab der Stufe 2 entscheiden Stadt und Feuerwehr gemeinsam über das weitere Vorgehen, zum Beispiel wann die Sirene eingesetzt und mit Aushängen über die Situation informiert wird“, sagt er. Die Gräben seien beräumt und der Bürgermeister setzt auf den Damm in Otzdorf.

Sandsäcke für den Ernstfall

„Grundsätzlich kann man Überschwemmungen nicht komplett verhindern, schon gar nicht bei unserer topographischen Lage und den wenig versickerungsfähigen Böden“, sagt Ostraus Bürgermeister Dirk Schilling (CDU).

Die Gemeinde sei insofern vorbereitet, als dass die Gräben und Gewässer in einem allgemein guten Zustand gehalten würden. Regelmäßig werden im Herbst die Instandsetzungsarbeiten durchgeführt und mit Blick auf die gegenwärtige Situation seien einige dieser Arbeiten vorgezogen worden.

In der Gemeinde gebe es jedoch 48 Kilometer Bachläufe und zusätzlich mindestens die gleiche Länge Straßenentwässerungsgräben. Für den Ernstfall halte die Gemeinde eine große Zahl bereits gefüllter Sandsäcke bereit.

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Die Einsätze von Feuerwehr und Bauhof erfolgten immer situationsabhängig und die Einsatzbereitschaft sei zu jeder Tages- und Nachtzeit gewährleistet. „Dazu kommt, dass wir im Ernstfall auf die Unterstützung unserer Landwirte und Firmen bauen können. An geeigneter Technik mangelt es im ländlichen Raum jedenfalls nicht und unsere Wehren sind gut aufeinander eingespielt“, meint Schilling.

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