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Der ewige Kampf gegen das Schlagloch

Die Männer der Straßenmeisterei sind im Kreis Bautzen ständig im Einsatz, um Winterschäden zu beseitigen. Dieses Jahr haben sie besonders viel zu tun.

Benjamin Semprich (l.) und Marcel Schneider von der Straßenmeisterei Bautzen sind derzeit häufig an Straße zwischen Wilthen und Tautewalde im Einsatz. Die Verfüllung der Schlaglöcher mit Trockenbitumen hält wegen der Temperaturschwankung nur kurz.
Benjamin Semprich (l.) und Marcel Schneider von der Straßenmeisterei Bautzen sind derzeit häufig an Straße zwischen Wilthen und Tautewalde im Einsatz. Die Verfüllung der Schlaglöcher mit Trockenbitumen hält wegen der Temperaturschwankung nur kurz. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Silvio Bittrich hat keine Zweifel: "Dort, wo sich jetzt das Wasser sammelt, haben wir im nächsten Winter ein Schlagloch", sagt der Leiter der Bautzener Straßenmeisterei, während er seine knallorangenes Fahrzeug durch den Landkreis lenkt. Er deutet auf das dunkelgraue Asphaltband vor sich. An dem hätte jeder passionierte Autofahrer seine Freude: Die Straße wirkt neu, gut ausgebaut. Aber der Regen an diesem stürmischen Donnerstag erlaubt dem Straßenmeister einen Blick in die Zukunft.

Spätestens mit Beginn des kommenden Winters wird Silvio Bittrich, Herr über 320 Kilometer Straße und 140 Kilometer Radweg zwischen Königswartha und Sohland, Hochkirch und Göda, an seinen Satz zurückdenken. Dann nämlich werden die zu erwartenden Schäden auf Bundes-, Staats- und Kreisstraßen durch die Straßenmeisterei des Landkreises in langen Listen erfasst. Dass Silvio Bittrich jetzt schon weiß, worauf er dann achten wird, hat einen logischen Grund.

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Arbeiten unter ständiger Gefahr

"Schlaglöcher", erklärt er, "entstehen über eine längere Zeit hinweg und immer in Verbindung mit Frost." Zunächst bilde sich ein feiner Haarriss, fast unsichtbar für das ungeschulte Auge. In diesen laufe Wasser hinein - bis es jene kleinen Pfützen auf dem Belag bildet, die Bittrich die Zukunft voraussagen. Denn das Wasser arbeitet, dehnt sich bei Frost aus. Die Folge: Der Riss wird größer. "Ab einer Breite von rund 0,5 Millimetern können bereits die ersten Bitumteile aus dem Asphalt brechen", fährt Bittrich mit seinen Erklärungen fort. Dann geht alles ganz schnell, und schließlich ist es da: das Schlagloch, der Ärger aller Autofahrer.

An der Dresdner Straße zwischen Wilthen und Tautewalde lenkt Silvio Bittrich den Caddy in eine Haltebucht. Schon von Weitem sieht man Benjamin Semprich und Marcel Schneider in ihrer knalligen Arbeitskleidung mitten auf der Straße werkeln. Neben ihnen, manchmal nur im Abstand von wenigen Zentimetern, fließt der Verkehr. Zu ihren Füßen: ein Loch von gut einem Meter Länge und 50 Zentimetern Breite - eines von vielen in diesem Straßenabschnitt.

Manche Reparatur hält nur kurz

Der vergangene Winter, sagt der Straßenmeister, habe im Gegensatz zu den vorangegangen beiden Jahren erhebliche Schäden an den Straßen angerichtet. Denen versuchen Bittrich und sein 28-köpfiges Team derzeit beizukommen, wann immer die Temperaturen es zulassen. Eine Sisyphusarbeit: "An dieser Stelle haben wir gestern schon geflickt", sagt Bittrich und meint: Das Ausbrennen und Auskehren des Loches genau wie das Verfüllen und Verdichten mit sogenanntem Kaugummi-Asphalt, einer kalten, zäh-schwarzen Masse. Die stoppt den Verfall der Straße - wenigstens solange das Wetter mitspielt. "Wenn das Wasser tagsüber in die Ritzen fließt und in der Nacht gefriert, werden die Splitelemente wieder herausgesprengt", sagt Silvio Bittrich.

Doch selbst auf die Gefahr hin, seine Leute in den kommenden Tagen wieder an exakt diese Stelle schicken zu müssen - Silvio Bittrich kann nicht warten, bis die Temperaturen sich endgültig im zweistelligen Plusbereich einpegeln, denn: "Sonst werden die Löcher durch das ständige Befahren immer größer. Ausbessern müssen wir so lange, bis das Geld da ist, um die Straße neu zu bauen."

Hierher zurückkehren werden die Männer in Orange also so oder so. Spätestens, wenn das Loch mit dem haltbareren Heißbitumen verfüllt werden kann. "Zwischen Januar und Mai ist das Kaltmischgut nur eine Notlösung, um die Verkehrssicherheit aufrechtzuerhalten", erklärt Bittrich und eilt zurück zu seinem Fahrzeug. Er und sein Stellvertreter Mirko Meisner müssen auf ihrer Kontrollfahrt durch den Kreis noch weitere Punkte abarbeiten.

Auch das gehört zum Arbeitsfeld der Straßenmeisterei: Weil eine Trockenmauer in Großdöbschütz nach dem Winter auf die Straße zu rutschen drohte, musste sie entfernt werden - kein einfaches Vorhaben im engen Kurvenbereich.
Auch das gehört zum Arbeitsfeld der Straßenmeisterei: Weil eine Trockenmauer in Großdöbschütz nach dem Winter auf die Straße zu rutschen drohte, musste sie entfernt werden - kein einfaches Vorhaben im engen Kurvenbereich. © SZ/Uwe Soeder

In Großdöbschütz etwa ist zeitgleich schweres Gerät im Einsatz. Dort hat der Winter eine Trockenmauer im Kurvenbereich in Richtung Straße gedrückt. Weil große Steine drohten, auf die Fahrbahn zu fallen, muss die Mauer weg. Auch dafür ist die Straßenmeisterei im Einsatz. Einen weiteren Trupp sieht man an diesem Vormittag an der Autobahnauffahrt Bautzen Ost. Die Männer sammeln Müll. Dessen Beseitigung hat nicht nur optische Gründe: "Neben den Straßen befinden sich Ablaufgräben. Die dürfen sich nicht zusetzen", erklärt Bittrich.

Es mangelt an Fahrzeugen und Personal

Denn nicht nur die Straßen - auch viele Details am Wegesrand gehören zum Refugium der Bautzener Straßenmeisterei. Bittrich zählt auf: "Etwa 10.900 Bäume, zehn Kilometer Schutzplanke, zirka 10.000 Straßeneinläufe, 30.000 Verkehrsschilder und Wegweiser und der Tunnel an der Bautzener Westtangente." Ein großer Beritt - für den Personal und Fahrzeuge nie ausreichen, wie Bittrich sagt. Und eine gigantische Organisationsaufgabe obendrein.

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Denn neben dem kleinteiligen Aufgabenfeld und dem unkalkulierbaren Wetter gibt es da noch Bittrichs Telefon, das prinzipiell zu jeder Tages und Nachtzeit klingeln kann. "Wenn die Polizei nachts auf Streife eine Gefahr für die Verkehrssicherheit feststellt, dann meldet sie mir das", sagt Bittrich und fügt hinzu: "Wenn es klingelt, bedeutet das nie gute Nachrichten, sondern immer Probleme."

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