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Wie verregnet war der Sommer in Dresden wirklich?

Zu kühl, zu trüb, zu nass: Über diesen Sommer ist viel gemeckert worden. Zu recht oder sind wir einfach nur verwöhnt? Eine Analyse.

Spannung liegt im Juli in der Dresdner Luft: Immer wieder entladen sich die feuchtwarmen Luftmassen über der Stadt und bringen Gewitter und Starkregen.
Spannung liegt im Juli in der Dresdner Luft: Immer wieder entladen sich die feuchtwarmen Luftmassen über der Stadt und bringen Gewitter und Starkregen. © René Meinig

Dresden. Was ist nur mit diesem Sommer los gewesen? Für Meteorologen ist die „warme“ Jahreszeit seit gut zwei Wochen vorüber, für viele daheimgebliebene Urlauber dagegen schon seit Juli. Tatsächlich hat es das Thermometer zwischen Juni und August so selten über die 30-Grad-Marke geschafft wie in keinem anderen Jahr seit 2011. Aber ist das wirklich so ungewöhnlich oder sind wir einfach nur verwöhnt? Das Dresdner Umweltamt hat diesen Sommer genauer untersucht.

Der Sommer 2021: Der Deutsche Wetterdienst hatte im Sommer gut damit zu tun, Unwetterwarnungen herauszugeben. Immer wieder sind Gewitter und Starkregen über Dresden hinweggezogen. "Die gemessene Niederschlagsmenge bestätigt den Eindruck eines verregneten Sommers", so das Umweltamt. Mit einer Gesamtniederschlagssumme von 360 Millimetern sei er der zweitregenreichste Sommer seit 1961 gewesen. Nur 1987 fiel mit 373 Millimetern noch mehr Regen. Zur Einordnung: Ein Millimeter entspricht einem Liter Regen pro Quadratmeter.

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Los ging es schon zum Sommerstart. Verglichen mit dem Juni-Mittelwert der letzten 30 Jahre regnete es diesmal doppelt so viel. Ein heftiges Starkregenereignis, das sich in der Nacht vom 29. zum 30. Juni ereignete, habe entscheidend zu den hohen Regenmengen beigetragen, schätzt das Umweltamt ein. "In dieser Nacht gab es in Dresden auch Schäden, vor allem verursacht durch Rückstau." In Cossebaude gingen in kürzester Zeit 68 Millimeter auf die Erde nieder. An der Station Dresden-Klotzsche wurden 56 Millimeter gemessen.

Auch im Juli regnete es überdurchschnittlich viel - plus 52 Prozent. "Verursacht wurden die immer wiederkehrenden und teils heftigen Niederschläge durch eine anhaltende Trogwetterlage über Mitteleuropa. Besonders prägte sich diese Situation um den 13. bis 17. Juli aus." Das sich nur langsam verlagernde Tiefdruckgebiet Bernd habe dafür gesorgt, dass genau über Deutschland die aus Norden heranströmende Kaltluft auf sehr feuchte, warme Luftmassen aus dem Mittelmeerraum traf. "An dieser Luftmassengrenze bildeten sich immer wieder starke und vor allem anhaltende Niederschläge." Anfangs gingen die Regenmengen vor allem im Westen Deutschlands nieder. Mit Verlagerung des Tiefs nach Osten dann aber auch über Ostsachsen. "Dresden blieb zum Glück verschont, im Gegensatz zum Landkreis Sächsische Schweiz - Osterzgebirge."

Mit einer Monatssumme von 104 Millimetern regnete es im August "nur" 30 Prozent mehr, verglichen mit den Jahren 1991 bis 2020.

Fazit: Was den Regen angeht, so dürfen die Dresdner zurecht über diesen Sommer meckern. Er war viel zu nass. Das Umweltamt gewinnt dem verregneten Sommer trotzdem etwas Gutes ab: "Insgesamt hat sich die Gewässersituation im Dresdner Stadtgebiet in Folge der feuchten Sommerwitterung entspannt", so die Einschätzung. Die Grundwasserstände seien im Vergleich zu den Vorjahren etwas angestiegen. "Doch auch wenn es an den kleinen Oberflächengewässern schon viel besser aussieht, sind die Auswirkungen der Trockenheit der vergangenen drei Jahre noch nicht überwunden. Nach wie vor gibt es in Dresden Bäche und Teiche, die kein Wasser führen und die tieferen Bodenschichten sind nach wie vor zu trocken."

Der Sommer 2021: Was macht einen Sommer aus? Neben Sonnenschein erwarten viele Dresdner sommerliche Temperaturen. Meteorologen sprechen von einem Sommertag, wenn es zwischen 25 und 29 Grad warm ist. Tatsächlich gab es mit 37 Sommertagen sogar einen mehr als im langjährigen Mittel. Wer ins Freibad geht und sich sonnen möchte, der mag es jedoch gern heiß. Und hier unterscheidet sich dieser Sommer deutlich von den vorherigen. An nur vier Tagen konnte das Thermometer an der Klotzscher Messstation die 30-Grad-Marke knacken. So wenige gab es zuletzt vor zehn Jahren.

Hoch Waltraud ließ zum Sommerbeginn die Temperaturen steigen. Anfang Juni konnten die ersten Sommertage gezählt werden. Auch die folgenden Tage blieb es durchgängig warm bis sehr warm. Mit 17 Sommertagen wurde sogar die zweithöchste Anzahl an Sommertagen seit 1961 für einen Juni erzielt. Mit Hoch Yona stellte sich die wärmste Periode zwischen dem 17. und 21. Juni ein. An diesen vier Tagen wurde die 30-Grad-Marke überschritten. Dies sollten allerdings die einzigen vier heißen Tage des Sommers bleiben.

Der Juni war der schönste Sommermonat. zum Leid vieler Dresdner begannen die Ferien deutlich später.
Der Juni war der schönste Sommermonat. zum Leid vieler Dresdner begannen die Ferien deutlich später. © René Meinig

Der Juli glänzte zwar nicht mit besonders vielen warmen Tagen, lag aber im Rahmen der üblichen Temperaturen für diesen Monat. "Allerdings wurde kein einziger heißer Tag an der Station Dresden Klotzsche verzeichnet", so das Umweltamt.

"Der August enttäuschte die Sonnen- und Sommerliebhaber. Eine sich kaum ändernde Wetterlage mit einströmender polarer Kaltluft nach Mitteleuropa sorgte für sehr unbeständiges, kühles und vor allem in der zweiten Monatshälfte regnerisches Wetter."

So war der August 2021 mit durchschnittlich 17 Grad genau 2,1 Grad kälter als im Mittel der letzten 30 Jahre. "Es war zwar bei Weitem nicht der kälteste August – den gab es im Jahr 1987 mit einer Durchschnittstemperatur von 16 Grad – allerdings wurde die zweitgeringste Anzahl an Sommertagen registriert." Nur fünfmal war es 25 Grad und wärmer. Normal wären 13. Und nicht ein einziges Mal stieg das Thermometer über 30 Grad. "Kein Wunder, denn die Sonne schien ein Viertel weniger gegenüber der sonst üblichen Zeit."

Fazit: Mit knapp 19 Grad Durchschnittstemperatur konnte der Sommer 2021 keinen Hitzerekord erzielen. Allerdings liegt er immer noch im oberen Drittel der warmen Sommer, so das Umweltamt. "Zum Vergleich: Das Temperaturmittel der Sommer in den Jahren 1991 bis 2020 beträgt 18,6 Grad Celsius." Das macht deutlich, dass die Dresdner in den vergangenen Jahren mit heißen und vor allem sehr vielen trockenen Tagen verwöhnt wurden.

Noch ist das Jahr nicht vorbei und niemand weiß, wie warm oder kalt die Herbstmonate und der Dezember werden. Betrachtet man sich jedoch die Jahresmitteltemperaturen seit 1961, so muss man feststellen, dass es auch in Dresden tendenziell wärmer wird. So warme Jahre wie 2019, 2018, 2015, 2014, 2007 und 2000 hat es seit Beginn der Aufzeichnungen in Klotzsche nicht gegeben. Letztes Jahr ist das zweite Mal in Folge eine Jahresmitteltemperatur von rund elf Grad gemessen worden. Ein Wert, den es Klotzsche vor 2019 so nicht gab. Die Station misst, mit einigen Unterbrechungen, seit 1934.

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