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Deutschland & Welt

Es ist halt Winter im Winter

Die Prognosen sahen fürs kommende Wochenende eigentlich schon den Fastfrühling vor. Doch jetzt kommt es ganz anders.

Straßenbahn mit Schneepflug. Heftige Schneefälle brachten den Leipziger Nahverkehr zum Erliegen. Nicht nur verschneite Gleise mussten beräumt werden.
Straßenbahn mit Schneepflug. Heftige Schneefälle brachten den Leipziger Nahverkehr zum Erliegen. Nicht nur verschneite Gleise mussten beräumt werden. © dpa

Nach dem Schnee ist vor dem Frost. Der kommt nun. Das hatten die Wettermodelle zwar vorausgesehen. Nur sollte der Frost am kommenden Wochenende schon wieder enden. Das waren die Prognosen, als der Schneesturm gerade begonnen hatte. Daraus wird nichts. Der Frost ist gekommen, um zu bleiben. Bis Sonntag. Aber nicht der kommende, sondern der übernächste, sagt ARD-Meteorologe Sven Plöger im Wetterbriefing zum Unwetter.

Eine Änderung in Richtung warme Zeiten ist jedoch auch dann noch nicht in Sicht, aber weiter reichen die Berechnungen der Wettermodelle einfach nicht. Extremwetter-Forscher Frank Böttcher hat eine Begründung: Von sich blockierenden Wetterlagen ist da die Rede. Eine Chance auf Veränderung habe anfangs der Unwetterphase noch bestanden, aber dieses System zwischen Hochs über Skandinavien und Tiefs südlich von uns habe sich enorm stabilisiert. „Die wichtigste Frage lautet daher: Wie kommen wir aus dieser Wetterlage wieder raus?“ Eine Störung durch andere Hochs im Osten wäre dazu in der Lage, die Wettermodelle allerdings sehen dies derzeit nicht, sagt Böttcher.

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Das Schöne an der klirrenden Kälte jedoch ist: Teiche und Seen frieren in diesen Tagen nun zu. Doch das bedeute zunächst bis zum Wochenende Lebensgefahr beim Betreten. Bei unter minus zehn Grad friere ein See etwa pro Nacht einen Zentimeter dicker zu. Eis mit einer Stärke von etwa zehn bis zwölf Zentimetern würde aber erst verlässlich tragen. Und auf noch etwas ganz anderes freut sich Extremwetter-Forscher Frank Böttcher: „Wir werden schöne Bilder vom Eis an der Ostsee zu sehen bekommen. Wir werden Eis auf den Flüssen sehen. Auch etwas, was wir hier lange nicht gesehen haben.“

Vereiste Mole. Starker Ostwind und tiefe Temperaturen sorgen für dicke Eispanzer auf den Steinen der Mole im Ostseebad Warnemünde.
Vereiste Mole. Starker Ostwind und tiefe Temperaturen sorgen für dicke Eispanzer auf den Steinen der Mole im Ostseebad Warnemünde. © dpa

Der Sturm wird der Baumeister für die bizarren Gebilde aus Eisschollen am Strand sein. Doch dieser Sturm drückt erst einmal mächtig Wasser in die Buchten. Sturmhochwasser bedroht die gesamten westlichen Ostsee-Küstenabschnitte. Und noch etwas bekommt die Küste von Nord- und Ostsee nun zu spüren: Lokale Effekte von Meer und eisiger Luft werden nun auch dort viel Schnee bringen.

Diese eisige Zeit bei uns wie an der Küste hat die Arktis geschickt, oder genauer, die hohe Atmosphäre darüber, erklärt ARD-Wetterexperte Sven Plöger. Der Polarwirbel mit sehr kalter Luft befindet sich dort in Höhen über 15 Kilometern. Und dieser wird gestört. „Ab und zu erwärmt sich dort in der Stratosphäre die Temperatur sehr schnell. Um 30, 40 Grad.“ Genau wäre das zwar noch nicht verstanden. Aber bekannt sei, dass sich dies über Tage hinweg dann als mäßige Erwärmung nach unten durchsetzen könne. „Die warme Luft verdrängt die kalte, dort liegende Polarluft. Die weicht aus. Und klar, am Nordpol bleibt ihr nur der Südkurs.“ Wo sich dann solche Kälteausbrüche breitmachen, ist eher Zufall. „Diesmal sind wir damit dran.“

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Weder neu, noch krasser als in den Zeiten davor ist das. Das gab es immer mal, das kommt auch wieder, selbst in Zeiten der Klimaveränderung. Denn kurzzeitig kaltes Wetter hat nichts mit Jahrzehnten wärmeren Klimas zu tun. „Wir haben jetzt Winter im Winter“, sagt Sven Plöger. Wir seien den Winter so nicht mehr gewöhnt durch die vielen warmen Phasen in den letzten Jahren, ein psychologischer Effekt wäre dies. „Wir sind immer überraschter. Das hat sehr viel mit dem zuletzt Erlebten zu tun.“

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