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Whisky-Träume aus Löbauer Bier

Die Bergquellbrauerei und die Kirschauer Spirituosenmanufaktur arbeiten zusammen an einem besonderen Produkt.

© SZ/Uwe Soeder

Von Katja Schäfer

Löbau/Kirschau. Ein besonderer Schnaps macht den Anfang: Wenn Martin Wagner Mitte des Monats erstmals seine eigenen Brennanlagen zur Produktion nutzt, füllt er Bier in die Kessel – unter anderem aus Löbau. Heraus kommt am Ende ein Bierbrand. Er wird das erste Produkt sein, dass die Sächsische Spirituosenmanufaktur an ihrem Firmensitz in Kirschau brennt. Bisher nutzte Inhaber Martin Wagner dafür die Technik im Oberguriger Bierbrauhaus. Jetzt hat er selbst zwei Brennanlagen. Sie wurden in den vergangenen Tagen in einer alten Halle auf dem Gelände der ehemaligen Vegro-Brache in Kirschau installiert. Die eigenen Brennanlagen ermöglichen dem Unternehmer eine Steigerung der Produktion um etwa 50 Prozent. An vier bis fünf Tagen pro Woche sollen sie künftig laufen. „In den nächsten zwei Jahren werde ich enorm viel produzieren“, sagt Martin Wagner. Grund dafür ist ein besonderes Projekt. In Zusammenarbeit mit der Löbauer Bergquellbrauerei stellt er einen eigenen Whisky her; voraussichtlich 25 000 Liter pro Jahr. „Damit bin ich der größte Whisky-Produzent in Sachsen“, sagt Martin Wagner. Steffen Dittmar, Chef der Löbauer Bergquellbrauerei, ergänzt: „Wir liefern den Rohstoff dafür.“

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Der Verkauf beginnt allerdings frühestens in fünf Jahren. Denn diese Spirituose muss nach der Herstellung lange lagern. Fans des Löbauer Gerstensaftes freuen sich dennoch schon darauf. Das wird aus den Facebook-Kommentaren deutlich, als Dittmar das Vorhaben auf seiner Seite ankündigte. So schreibt Matthias Schwarzbach: „Ich bin echt gespannt auf das Ergebnis – in einigen Jahren.“ Udo Hübner meint: „Coole Idee: Whisky aus der Oberlausitz.“ Unternehmer Martin Wagner hat sich für die Whisky-Produktion spezielle Fässer angeschafft und eine weitere Halle an einem anderen Standort saniert. Da er die anfallende Arbeit nicht mehr allein bewältigen kann, beschäftigt der Kirschauer jetzt eine Mitarbeiterin. Sie übernimmt die Büroarbeit, aber auch andere Aufgaben.

Die Halle, in der die Brennanlagen der Spirituosenmanufaktur jetzt stehen, ist nur gemietet. Sie dient lediglich als Übergangsquartier. Direkt daneben hat Martin Wagner 1 800 Quadratmeter Land gekauft. Darauf will er einen Neubau errichten. Allerdings erst, wenn die einstige Vegro-Brache besser erschlossen ist. Die Stadt Schirgiswalde-Kirschau beginnt gerade damit, eine neue Straße zu bauen. Derzeit erfolgt die Inbetriebnahme der neuen Brennanlagen, in denen bald auch das Bier aus Löbau verarbeitet wird. Unter strenger Kontrolle. Vier, fünf Zollbeamte sind dazu mehrere Stunden lang vor Ort. Danach bekommt Martin Wagner alle notwendigen Papiere ausgehändigt. „Mitte April kann ich dann hoffentlich mit der Produktion beginnen“, sagt der Kirschauer. Mit der Herstellung von Spirituosen fing er 2014 an. Nachdem die ersten Produkte lange genug gereift waren, startete er vor reichlich zwei Jahren den Verkauf.

Weil das Geschäft schneller Fahrt aufnimmt als gedacht, investierte Martin Wagner eher als ursprünglich geplant in eigene Anlagen. Seit Jahresbeginn hat er eine alte Halle im Erdgeschoss eines mehrstöckigen Gebäudes etwas abseits der Kirschauer Friesestraße saniert. Mit jeder Menge Eigenleistungen. Einst diente das Gebäude als Kesselhaus, später als Werkstatt für die benachbarten Textilfabriken. Zuletzt stand es leer. Nachdem innen der alte Putz abgehackt war, wurden die Wände im unteren Bereich neu verputzt. Auch der Fußboden ist erneuert worden. Da es weder Wasser- und Abwasser- noch Stromanschluss gab, musste Wagner auch dafür sorgen. Außerdem hat er neben dem Gebäude zwei Gastanks aufgestellt, mit deren Inhalt die Brennanlagen beheizt werden. Letztere sind der Blickfang in der Halle. In ihren glänzenden Kupfer- und Edelstahlteilen spiegeln sich die Ziegelwände. Die größere, die für den Rohbrand genutzt wird, fasst 600 Liter; die kleinere für den Feinbrand 200 Liter. „Das sind meines Wissens nach aktuell die modernsten Anlagen im Osten Deutschlands“, ist Wagner stolz. Sie wurden speziell für seine Bedürfnisse angefertigt. Über die Kosten hält er sich bedeckt.

Ein Brennvorgang dauert vier bis fünf Stunden. Die ganze Zeit über ist Martin Wagner dabei vor Ort, prüft Temperaturen, nimmt Einstellungen an den Anlagen vor, überwacht den Prozess. Ohnehin setzt der Mann, der gelernter Brauer und Mälzer ist, nach dem Wechsel in die Spirituosenbranche auf Handarbeit. Die Rohstoffe kommen überwiegend aus der Region, zum Beispiel von Streuobstwiesen, die der 35-Jährige selbst bewirtschaftet, oder von Bauern. Doch nicht nur Obst verarbeitet der Unternehmer zu Schnaps, sondern zum Beispiel auch Brot, Espresso oder jetzt eben Bier. Über 40 Sorten Brände, Geiste und Liköre umfasst das Sortiment. Sie werden in knapp 100 Gaststätten ausgeschenkt und in vielen Läden sowie übers Internet vertrieben. Das meistverkaufte Produkt ist derzeit der Ebereschen-Likör. Mit ihm hat Wagner jetzt einen Preis gewonnen. Beim Craft Spirit Awards – einem Wettbewerb, zu dem kleine Handwerksbetriebe aus aller Welt ihre Spirituosen einreichen – bekam er dafür eine Silbermedaille und außerdem für seinen Brotbrand eine Bronzemedaille.