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Wichtigster Zeuge fehlt vor Gericht

Drei Jugendliche sollen in Waldheim in der Unterkunft für Asylbewerber gezündelt haben. Der Prozess ist geplatzt.

© André Braun

Döbeln. Pünktlich finden sich die drei Angeklagten im Amtsgericht in Döbeln ein. Auch zwei von drei Zeugen sind da. „Doch der wichtigste Zeuge, der sowohl Hauptbe- als auch Hauptentlastungszeuge für die Angeklagten sein könnte, ist leider nicht erschienen“, sagte Marion Zöllner, vorsitzende Richterin des Jugendschöffengerichts, am Mittwoch.

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Die drei jungen Deutschen müssen sich wegen des Versuchs der schweren Brandstiftung verantworten. Sie sollen am Abend des 4. April 2017 in einer Wohnung im Erdgeschoss an der Hauptstraße 1 in Waldheim versucht haben, durch ein offen stehendes Fenster eine Gardine anzuzünden. Weil zeitgleich ein Auto vorbeifuhr, unterbrachen sie die Aktion, entfernten sich zunächst vom Tatort. Später kehrten die bis dato Unbekannten dahin zurück, zündelten erneut. Ihr Ziel sei gewesen, die Unterkunft in Brand zu stecken. In den bunten Häusern leben Flüchtlinge. Deshalb hatte sich das Operative Abwehrzentrum der Polizei eingeschaltet, und mit einem Zeugenaufruf nach drei Männern gesucht, die am Tatort beobachtet wurden.

Ob es sich dabei um die drei angeklagten Waldheimer handelte, sollte nun eigentlich das Jugendschöffengericht klären. Das stand am Mittwochfrüh gleich vor mehreren Herausforderungen, wie Richterin Marion Zöllner erläuterte: „Selbst wenn der Zeuge erschienen wäre, hätten wir das Problem gehabt, dass sich der Dolmetscher für Dari in der Nacht krankgemeldet hat und nicht erscheinen kann.“ Dari ist die Amtssprache in Afghanistan. Es sei schwierig geworden, kurzfristig einen Ersatz zu finden.

Für einen der Angeklagten bedeutet die Vertagung des Prozesses auch, dass er sich einen neuen Pflichtverteidiger suchen muss. Ihm war Rechtsanwältin Kristin Böhme zur Seite gestellt worden. „Sie verabschiedet sich aber zum Ende der Woche in den Mutterschutz“, so Marion Zöllner. Nun habe der Angeklagte eine Woche Zeit, sich einen neuen Rechtsbeistand zu suchen. „Frau Böhme wird entpflichtet“, erläuterte Zöllner das weitere Vorgehen.

Zudem werde geschaut, wo der Hauptzeuge abgeblieben ist. Wichtig sei er vor allem deshalb, weil er wohl das Geschehen von Beginn an beobachtet hat. Dies gehe zumindest aus seiner Vernehmung bei der Polizei hervor. Das Verfahren wird ausgesetzt und neu terminiert. (DA/sol)