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Widerstand gegen Sprengungen

Großröhrsdorf fürchtet um sein Bad, wenn auf Seeligstädter Flur gesprengt wird. Jetzt gibt es Gutachten.

© Steffen Unger

Von Ingolf Reinsch und Reiner Hanke

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Großröhrsdorf. Zu den geplanten Sprengungen in einem früheren Raketenbunker zwischen Großröhrsdorf und Seeligstadt in der Massenei liegen neue Erkenntnisse vor. Aller Wahrscheinlichkeit nach sollen sie keine nennenswerten Auswirkungen auf die Umwelt haben. Darauf deuteten wohl schon Ergebnisse von Lärmschutzmessungen hin, die Ende vergangenen Jahres vorgelegt wurden.

Jetzt liegt eine Stellungnahme des Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) zu eventuellen Bodenerschütterungen vor. „Im Ergebnis der durch das LfULG durchgeführten Erschütterungsmessungen konnten an den verschiedenen Messpunkten im Massenei-Bad Großröhrsdorf während dreier Sprengversuche mit steigender Ladungsmenge in dem circa 400 Meter entfernten Bunker keine durch die Sprengungen verursachten Schwingungseinwirkungen festgestellt werden“, sagte Gernot Schweitzer, Pressesprecher des Landratsamtes.

Messwerte unterhalb der Nachweisgrenze

Alle im Massenei-Bad ermittelten Messwerte lagen an der unteren Nachweisgrenze des Messsystems. Die vor und während der Explosionen aufgezeichneten Werte der Schwinggeschwindigkeiten würden sich nicht voneinander unterscheiden. Durch die Sprengungen würden demnach keine Erschütterungen im Bad-Areal verursacht, erklärt der Sprecher. So gesehen – aus immissionsschutzrechtlicher Sicht, wie es im Fachdeutsch heißt – könnte das Vorhaben genehmigt werden. Damit wäre es ein Stück weiter.

Sprengmeister Andreas Wichor will dafür mit einem Geschäftspartner eine Firma gründen, die in einem ehemaligen Raketenbunker Sprengungen durchführt. Potenzielle Kunden wären zum einen Firmen, die mit neuen Materialien arbeiten. Zum anderen könnten Mitarbeiter des Kampfmittelbeseitigungsdienstes dort ihre praktische Ausbildung erhalten. Das Unternehmen will dafür das ehemalige Armeegelände kaufen und einen Großteil des zehn Hektar großen Areals für die Wiederaufforstung freigeben. Die Firma selbst würde nur den Bunker und etwa zwei Hektar drumherum behalten, sagte Andreas Wichor im November der SZ. Noch-Eigentümer ist die Firma Aicher aus Bischofswerda. In der Stadt Großröhrsdorf sieht man das Vorhaben kritisch, vor allem wegen des Erlebnisbades in der Nachbarschaft. Im November wurden erneut Probesprengungen durchgeführt. Darauf hatte die Stadt gedrängt. Mitarbeiter des Kreisumweltamtes ermittelten die Lärmwerte, die laut Landratsamt „weit davon entfernt waren, auch nur in die Nähe eines Grenzwertes zu gelangen“. Das Landesamt gab der Kreisbehörde Unterstützung, indem es die Erdschwingungen ermittelte. Die Messungen sollen den Verantwortlichen in Großröhrsdorf Gewissheit geben, dass durch die Sprengungen keine Schäden am Bad entstehen.

Stadt will Vorhaben mit allen Mitteln verhindern

Die bleiben distanziert. Die Großröhrsdorfer Bürgermeisterin Kerstin Ternes bestätigt, das Landratsamt habe der Stadt jetzt den Vorbescheid zu der geplanten Nutzungsänderung auf dem Gelände nahe des Bades gesendet. Also zu dem geplanten Sprenglabor. Grundlage für diesen Vorbescheid der Bauaufsicht zur Baugenehmigung sind die Gutachten, erklärt Gernot Schweitzer. Dieser Vorbescheid diene dazu, schon vor dem eigentlichen Bauantrag bestimmte Fragen zu klären. Der eigentliche Bauantrag zur Nutzungsänderung liege dem Landratsamt aber noch nicht vor.

Großröhrsdorf sei als Nachbar natürlich an dem Verfahren zu beteiligen, so Kerstin Ternes. „Zurzeit wird dieser Vorbescheid von der uns vertretenden Anwaltskanzlei rechtlich geprüft“, sagt die Bürgermeisterin. Um Fristen zu wahren, habe die Stadt gegen den Bescheid erst einmal Widerspruch eingelegt. „Wir lehnen dieses Vorhaben nach wie vor entschieden ab und verweisen auf das nahegelegene Massenei-Bad mit seinen Erholungsfunktionen und das ringsum vorhandene Landschaftsschutzgebiet.“ Die Stadt wolle weiterhin mit allen rechtlich möglichen Mitteln gegen die geplante Umsetzung dieses Vorhabens und damit gegen Sprengversuche in dem früheren Raketenbunker wehren.

Sie sehe dieses Projekt nach wie vor skeptisch, lässt die Bürgermeisterin wissen und verweist auch auf ein Insolvenzverfahren. Das wurde im September des Vorjahres über das Vermögen des Sprengmeisters, „Geschäftszweig Bohr- und Sprengtechnik“ eröffnet. Nachzulesen in den Bekanntmachungen des Amtsgerichts Dresden.

Über die Baugenehmigung entscheidet letztlich die Bauaufsicht der Kreisbehörde.