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Wie Ärzte neue Ärzte ködern

Ein neuer Weiterbildungsverbund im Landkreis soll Mediziner anlocken – dabei soll auch Löbaus Insidermesse helfen.

© Rafael Sampedro

Von Anja Beutler

Löbau. Der Stand auf der Insidermesse in Löbau an diesem Sonnabend ist für Ute Taube ein Muss. Die Allgemeinmedizinerin aus Berthelsdorf will dort mit Kollegen um Ärztenachwuchs für den Kreis werben. Aber ist dazu eine Ausbildungsmesse der richtige Ort? „Ja, ist er“, sagt die Vorsitzende der Kreisärztekammer Görlitz und muss selbst lachen. Denn vor einem Jahr war auch sie sehr skeptisch, dass es wirklich etwas bringt, ausgerechnet mit einem Weiterbildungsverbund für Ärzte zu einer Ausbildungsmesse zu gehen. Immerhin sind die klassischen Facharzt-Weiterbildungen ja frühestens nach dem Studium – im Schnitt als nach sechs Jahren – an der Reihe.

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Dennoch war das Interesse am Messestand des Ärzte-Netzes Ostsachsen sehr groß. Gymnasiasten, die Medizin studieren wollen, und auch Azubis aus Gesundheits- und Pflegeberufen, die mit einer Arztausbildung liebäugeln, kamen gezielt vorbei. „Wir wissen aus Studien, dass man nicht früh genug um Mediziner für die Region werben kann“, betont Ute Taube. Denn sind die jungen Medizinstudenten erst einmal zur Facharzt-Weiterbildung in einer Region oder gar Großstadt angekommen, ziehen sie selten noch einmal um. Sie in den Kreis Görlitz zu locken, wird dann schwer. Ein großes Problem, denn im Kreis wird der Ärztemangel so rasch sichtbar wie sonst fast nirgends in Deutschland.

Die Konsequenz daraus ist so logisch wie banal: Die Studenten müssen ihren Facharzt eben gleich im Kreis Görlitz machen. Das geht aber nur, wenn sie hier auch alle Teile dieser ebenfalls noch einmal bis zur sechsjährigen Weiterbildungsphase absolvieren können. Das ist ein Punkt, an dem die Pläne bislang scheiterten. Bislang, denn nun haben sich drei Partner zusammengetan, um diese Lücke zu schließen: die Kreisärztekammer, der Landkreis und die Ärzte-Netz Ostsachsen GbR, in der niedergelassene und stationäre Mediziner organisiert sind. Diese „Dreieinigkeit“ wird Ende des Jahres offiziell einen Weiterbildungsverbund gründen, der dann die Studenten in den Landkreis locken, ihnen Angebote machen und sie auch in ihrer Ausbildungszeit mit jeweils einem Mentor betreuen soll. So könnten beispielsweise angehende Chirurgen ihre Ausbildung über die Kliniken im Kreis so verteilen, dass sie am Ende alle relevanten Pflichtbereiche im Kreis absolvieren – und sich nicht noch anderswo eine zweite Ausbildungsstelle suchen müssen. Erste Vorbereitungen für diese Konstruktion gibt es bereits: Die Messebesuche in Löbau gehören ebenso dazu wie die gezielten Einladungen an Studenten am vergangenen Wochenende für eine Stippvisite in die Oberlausitz.

Ärzte-Netz Ostsachsen

An diesem Netzwerk beteiligen sich niedergelassene und stationär tätige Mediziner.

Den Weiterbildungsverbund mit Namen „Ärzte für Ostsachsen“ gründet das Ärzte-Netz mit dem Kreis und der Kreisärztekammer derzeit. Er soll Studenten für Facharztausbildung und generellen Verbleib gewinnen.

Messestand:

Netzmanager Hans-Joachim Tauch; Poststraße 20

02906 Niesky

www.aerzte-fuer-ostsachsen.de

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Messe Insidertreff

Über 150 Betriebe, Bildungsstätten und Institutionen informieren über berufliche Perspektiven in der Oberlausitz. Insgesamt 235 Berufe und Studienrichtungen werden vorgestellt.

Gesprächstermine sind vorab beim Wunsch-Ausbildungsbetrieb buchbar.

Eine Insider Rallye lädt Besucher zum Entdecken der Aussteller ein. Bei der Last-Minute-Stellenbörse gibt es aktuelle freie Ausbildungsplätze.

Messezeit: 9.30 Uhr bis 16 Uhr

www.insider-goerlitz.de

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Die Bereitschaft von Kliniken und niedergelassenen Ärzten, bei dem Verbund mitzumachen, ist groß, bestätigt Ute Taube: „Den Druck, dass da etwas getan werden muss, spüren wir alle.“ Nun muss sich auch bei der Bereitschaft zur Weiterbildung noch das ein oder andere tun. Wer sich als Arzt weiterbilden will, muss eine Befugnis bei der Landesärztekammer beantragen – da sei noch Luft nach oben, schätzt die Vorsitzende der Kreisärztekammer ein.

Ute Taube und ihre Kollegen wissen, dass es dauern wird, bis die Mühen Früchte tragen. Doch sie setzen auf dauerhafte Lösungen: „Im besten Fall gewinnen alle Seiten dabei“, sagt sie.