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Wie alt ist der Altmarktkeller wirklich?

Aus der Traditionsgaststätte wird jetzt das Dresdner Bierhaus. Gespeist wird hier schon seit 1956.

© SZ-Archiv/Ina Henninger

Von Nora Domschke

Dresden. Wenn es um die Geschichte ihrer Stadt geht, lassen sich die Dresdner nichts vormachen. Vor allem dann nicht, wenn sie selbst genau wissen, dass es anders war. So geschehen im Falle des Altmarktkellers im Herzen Dresdens. Der Wirt hatte kürzlich geladen, um sein neues Bierhauskonzept und das renovierte Kellergewölbe zu präsentieren. Dabei gab er an, dass im „Haus am Altmarkt“, zu dem der Keller gehört, erstmals 1979 ein Restaurant eröffnete. Damit lag Betreiber Heiko Meyer allerdings nicht richtig.

Denn ausgeschenkt wurde in der Kellergaststätte zum ersten Mal am 1. Juni 1956. In diesem Jahr öffnete das neu gebaute „Haus am Altmarkt“ seine Türen, pünktlich zur 750-Jahr-Feier Dresdens. Diesen Termin nutzten gleich mehrere Gastronomen, um mit ihren neuen Gaststätten an den Start zu gehen. Der Altmarktkeller machte Anfang Juni im „Haus am Altmarkt“ den Anfang. Im Dezember folgten dort das Tagescafé, die Bar und das Konzertcafé, schreibt Manfred Wille in seinem 2008 erschienenen Buch „Dresdner Gastlichkeit – von den Anfängen bis zur Gegenwart“. Darin schildert er die Entwicklung des Gastgewerbes seit 1830. Demnach wurden im Sommer 1956 auch die Mokkastube und der Schnellimbiss im Neubau des Cafés Prag, im Dezember dann das Tanzcafé für die Dresdner geöffnet.

Rund um den Altmarkt hatten die Weltkriegsbomben elf Jahre zuvor alle historischen Gebäude zerstört, rekonstruiert wurde später nur die Kreuzkirche. Beim Neuaufbau der anderen umliegenden Quartiere orientierten sich die Stadtplaner damals an den sogenannten 16 Grundsätzen des Städtebaus – angelehnt an die barocke Architektur der Elbestadt. Von Anfang bis Mitte der 1950er-Jahre waren diese Grundsätze in der DDR das Leitbild beim Wiederaufbau zerstörter Städte.

Dresden spielte dabei eine entscheidende Rolle: Hier verfassten der Architekt Kurt W. Leucht und der Gartenarchitekt Johannes Bronder das Werk „Planungsgrundlagen, Planungsergebnisse für den Neuaufbau der Stadt Dresden“. Es war die erste Arbeit zum Wiederaufbau einer zerstörten deutschen Stadt. Im „Haus am Altmarkt“ wurde diese Architektur für die Dresdner erlebbar, ob im gediegenen Café im Erdgeschoss oder im rustikalen Kellergewölbe.