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Wie Corona Tschechiens Leben ändert

Im Land gilt eine Ausgangssperre. Das führt zu vielen Einschränkungen - aber auch Solidarität. Ein Problem hat die Region Liberec noch.

Von Petra Laurin
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Tschechiens Ministerpräsident geht mit Beispiel voran: Andrej Babis trägt Mundschutz.
Tschechiens Ministerpräsident geht mit Beispiel voran: Andrej Babis trägt Mundschutz. © Roman Vondrous/CTK/dpa

Bis 24. März gilt in Tschechien eine Ausgangssperre. Öffentliche Orte sollen gemieden und der Kontakt mit anderen Personen auf das erforderliche Maß beschränkt werden. Eine Lage, die manche nicht tatenlos hinnehmen, sondern Schutzmasken nähen oder Einkäufe für Senioren übernehmen. "Für diese Solidarität sind wir sehr dankbar", sagt der Sprecher der Region Liberec (Reichenberg), Filip Trdla.

In der Region sind inzwischen fünf Werkstätten entstanden, die Schutzmasken aus Nanomaterial nähen. Über 8.000 Masken konnten schon produziert werden. Rund 2.400 Masken lieferten die freiwilligen Helfer. Die Liberecer Chemiefabrik Severochema stellte in der vergangenen Woche 36.000 Liter Desinfektionsmittel her. 

Raus dürfen die Tschechen nur noch für ihre Wege von und zur Arbeitsstelle, zu Familienangehörigen oder nahen Verwandten, die eine Hilfe brauchen, um ihrer Geschäftstätigkeit nachzugehen und um sich mit lebensnotwendigen Gütern zu versorgen. Bei Kontakt mit anderen Personen in öffentlichen Bereichen muss ein Abstand von zwei Metern eingehalten werden. Spaziergänge in die Natur oder Parks sind zwar erlaubt, aber nur für einzelne Personen oder Menschen aus einem Haushalt. Eine Genehmigung ist nicht erforderlich. Die Polizei kontrolliert das. Auch, ob die Menschen eine Schutzmaske tragen.

"Ein großes Problem haben wir mit denen, die hier nicht ihren ständigen Wohnsitz haben, sondern ein Wochenendhaus besitzen und in unseren Erholungsgebieten die Zeit der Quarantäne oder Sondermaßnahmen verbringen wollen", sagt Bezirkshauptmann Martin Puta. In seiner Region müssen sich Leute, die unter Quarantäne stehen, bei der hygienischen Station registrieren. Manche Berggemeinden wie Korenov (Würzelsdorf) haben vorsichtshalber ihre Parkplätze dichtgemacht. Auch die Orte Harrachov (Harrachosdorf) oder Krompach appellieren an die Wochenendbesucher, auf die Fahrt in die Grenzregion zu verzichten.

Weitere Verbote für Pendler

Die Region Liberec hat bis jetzt sieben bestätigte Corona-Fälle, getestet wurden aber nur 259 Menschen und 3.290 Personen befinden sich in Quarantäne. Der jüngste Fall stammt aus der Umgebung von Ceska Lipa (Böhmisch Leipa). Die Kreisbehörde ist im Moment überlastet, täglich bekommt sie 300 Anfragen. "Die Leute wollen wissen, wie sie sich unter der Quarantäne verhalten sollen, was für sie der Notstand bedeutet, wo sie Schutzmittel bekommen", sagt der Sprecher. Die Fragen werden von den zuständigen Fachabteilungen beantwortet. Viele Betriebe in der Liberecer Industrie, Zone- Zulieferanten der Automobilindustrie haben ihre Produktion gestoppt oder planen es.

Die tschechische Regierung hat Senioren ab 70 Jahren empfohlen, nach Möglichkeit zu Hause zu bleiben. Das öffentlich-rechtliche tschechische Fernsehen startet nun ein neues Programm für diese Zielgruppe. Außerdem gelten in den Lebensmittelläden, Apotheken und Drogerien ab Donnerstag Sonderöffnungszeiten für Menschen ab 65 Jahren - und zwar von 7 bis 9 Uhr. Damit soll der Kontakt zu jüngeren Menschen vermieden werden. Senioren gelten als besonders gefährdete Risikogruppe in der Coronavirus-Pandemie. "Es kann für sie nur riskant sein", sagt der Jablonecer Abgeordnete Petr Beitl, der sich beim Roten Kreuz als Helfer engagiert. "Sie sollen lieber einen Spaziergang machen und die Einkäufe den Freiwilligen überlassen."

Auch für Grenzpendler gelten seit dem 19. März erweiterte Verbote: Sie dürfen außerhalb ihrer Wohnung Familienangehörige nicht mehr besuchen, keine Behördengänge erledigen und keine Spaziergänge machen. "Seit dem 21. März brauchen Pendler, die über die Grenze fahren, ein spezielles Dokument, indem die Polizei die Häufigkeit und Regelmäßigkeit der Reisen prüfen", sagt Kreissprecher Filip Trdla.

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