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Deutschland & Welt

Wie das Coronavirus die Welt verändert

Wo breitet es sich am rasantesten aus? Wo sind die Gegenmaßnahmen am härtesten und die Folgen am dramatischsten? Und: Wo gibt es Hoffnung?

USA, Los Angeles: Ein Jogger läuft an einem Wandbild mit der Aufschrift "Stay Home - Life is beautiful" ("Bleib zu Hause, das Leben ist schön") vorbei.
USA, Los Angeles: Ein Jogger läuft an einem Wandbild mit der Aufschrift "Stay Home - Life is beautiful" ("Bleib zu Hause, das Leben ist schön") vorbei. © Marcio Jose Sanchez/AP/dpa

New York/London. Shoppen im Einkaufszentrum, Essen gehen im Restaurant, mit dem Flugzeug verreisen: Wovon man in Europa derzeit nur träumen kann, ist in Wuhan, dem Ursprungsort der Corona-Pandemie, wieder Realität. Von der chinesischen Metropole hat sich das Virus innerhalb von drei Monaten in mehr als 180 Länder ausgebreitet. Hier ein Blick auf die Lage in einigen von ihnen.

USA

In den USA sterben täglich mehr als Tausend Menschen an der Lungenkrankheit Covid-19, aber für den besonders betroffenen Bundesstaat New York gibt es einen Hoffnungsschimmer. Zwar erreichte die Zahl der Todesopfer an einem Tag einen neuen Höchststand. Die Krankenhäuser nahmen aber zuletzt weniger neue Corona-Patienten auf. Die strengen Ausgangsbeschränkungen in der Stadt, die niemals schläft, scheinen Wirkung zu zeigen, werden aber bis mindestens Ende des Monats beibehalten.

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Und die Millionenmetropole New York City greift zu drastischen Maßnahmen, um das erschreckende Ausmaß der Krise zu bewältigen: Falls nötig, würde man "mit "vorübergehenden Bestattungen" beginnen. Dies wird wahrscheinlich durch die Nutzung eines New Yorker Parks geschehen (ja, Sie haben das richtig gelesen)", erklärte der Vorsitzende des Gesundheitsausschusses des Stadtrats, Mark Levine.

USA, New York: Ein Arzt des Ärzteteams des Elmhurst Hospital Center atmet auf, nachdem er im New Yorker Stadtteil Queens die Notaufnahme verlassen hat.
USA, New York: Ein Arzt des Ärzteteams des Elmhurst Hospital Center atmet auf, nachdem er im New Yorker Stadtteil Queens die Notaufnahme verlassen hat. © Mary Altaffer/AP/dpa

Nach Ansicht von Präsident Donald Trump geht der Kampf gegen das Virus in den USA diese Woche in eine "entscheidende und schwierige Phase". Vergangene Woche hatte das Weiße Haus mit Blick auf ein Modell gewarnt, dass es trotz Maßnahmen zur Eindämmung zwischen 100.000 und 240.000 Tote in den USA durch das Coronavirus geben könnte. Die aktuelle Prognose des Instituts IHME der Universität Washington in Seattle erwartet nun im Mittel rund 80.000 Tote bis August. In Trumps Corona-Taskforce keimt angesichts der Zahlen aus New York Hoffnung auf. "Das ist die Art von guten Zeichen, nach denen man sucht", sagte der Virologe Anthony Fauci. Entwarnung gab er nicht.

Großbritannien:

In Europa hat das Virus den ersten Regierungschef erwischt. Der britische Premierminister Boris Johnson liegt auf der Intensivstation. Er soll bei Bewusstsein sein und musste bislang nicht an ein Beatmungsgerät angeschlossen werden. Der ehrgeizige Außenminister Dominic Raab vertritt ihn nun und leitet auch die täglichen Corona-Krisensitzungen des "Kriegskabinetts", an dem die wichtigen politischen Entscheider teilnehmen.

Die Erkrankung Johnsons macht das Krisenmanagement nicht gerade einfacher. Die Regierung steht vor massiven Herausforderungen. Der vor allem über Steuern finanzierte staatliche Gesundheitsdienst NHS (National Health Service) ist seit Jahren chronisch unterfinanziert und marode. Krankenschwestern berichten, dass sie bei der Behandlung von Corona-Patienten die Luft anhalten, weil sie keine Masken haben.

Großbritannien, London: Ein Mann sonnt sich in Regents Park zwei Tage nach der Ankündigung von Ausgangsbeschränkungen gegen die Ausbreitung des Coronavirus.
Großbritannien, London: Ein Mann sonnt sich in Regents Park zwei Tage nach der Ankündigung von Ausgangsbeschränkungen gegen die Ausbreitung des Coronavirus. © Oliver Weiken/dpa

Ganz nebenbei steht die britische Regierung auch noch vor einer anderen Herausforderung, die mit Corona nichts zu tun hat. Der Brexit muss geregelt werden. Nächste Woche soll der Fahrplan für die weiteren Verhandlungen über die Partnerschaft zwischen der Europäischen Union und Großbritannien nach dem Austritt des Vereinigten Königreichs verhandelt werden. In den letzten Wochen lag das Thema auf Eis. Das wiederum hatte viel mit Corona zu tun: Auch der EU-Chefunterhändler Michel Barnier hatte sich mit dem Coronavirus infiziert und auch sein britischer Kollege David Frost begab sich in Quarantäne.

China:

Die guten Nachrichten in Sachen Corona kommen derzeit vor allem aus China. Schon seit Wochen werden dort kaum noch neue Infektionen gemeldet. Am Dienstag war zum ersten Mal seit den Anfängen der Krise kein Todesfall mehr zu beklagen. Nach offiziellen Angaben sind 3.331 Menschen durch die Lungenkrankheit Covid-19 ums Leben gekommen - weit weniger als inzwischen in Italien oder Spanien. Die tatsächlichen Zahlen dürften allerdings deutlich höher liegen, da die Art der Erhebung immer wieder geändert worden ist und viele Fälle nicht in der offiziellen Statistik auftauchen.

China, Wuhan: Das mit einem Mobiltelefon aufgenommene Foto zeigt geheilte Patienten, die dem medizinischen Personal zum Abschied winken, bevor sie das Leishenshan-Krankenhaus verlassen.
China, Wuhan: Das mit einem Mobiltelefon aufgenommene Foto zeigt geheilte Patienten, die dem medizinischen Personal zum Abschied winken, bevor sie das Leishenshan-Krankenhaus verlassen. © Gao Xiang/XinHua/dpa

Als symbolischer Akt für die Verbesserung der Lage sollten am Dienstag mehr als zweieinhalb Monate nach der Abriegelung von Wuhan die letzten Beschränkungen der Bewegungsfreiheit für die elf Millionen Bewohner fallen. Von hier hat sich die Pandemie weltweit ausgebreitet. Am Mittwoch wird auch der Flugverkehr wieder aufgenommen. Autos dürfen die Stadt wieder verlassen und die Menschen mit dem Zug reisen - vorausgesetzt, sie sind gesund und hatten jüngst keinen Kontakt zu Infizierten.

Türkei:

Kontaktverbot in Gefängnissen? Angesichts der Platzverhältnisse in den meisten Haftanstalten weltweit undenkbar. In der Türkei ist nun im Gespräch, Gefangene vorzeitig aus den überfüllten Gefängnissen zu entlassen. Am Dienstag diskutierte das Parlament über einen Gesetzentwurf, der die Strafe von bis zu 90.000 Insassen beispielsweise in Hausarrest umwandeln würde. Anwälte und Menschenrechtler kritisieren das aber scharf, weil wegen Terrorvorwürfen inhaftierte Menschen von der Regelung ausgenommen wären. Unter ihnen sind viele Regierungskritiker und Journalisten.

Der Hotspot der Corona-Krise in der Türkei ist Istanbul, wo rund 16 Millionen Einwohner dicht an dicht miteinander leben. Vergangene Woche wurden zu einem Zeitpunkt mal 60 Prozent aller Fälle hier gemeldet. Im berühmten touristischen Zentrum wirkt die Stadt nach allmählich gesteigerten Virusabwehrmaßnahmen jetzt wie eine Geisterstadt.

Türkei, Istanbul: Hasan Tok (r), Imam der Eyup-Sultan-Moschee und Metin Cakar, ebenfalls Imam, halten ein Gebet ab. Nach dem fünften und letzten Gebetsaufruf des Tages wurden die Imame in der Türkei gebeten, ein zusätzliches Gebet zu sprechen, in dem sie
Türkei, Istanbul: Hasan Tok (r), Imam der Eyup-Sultan-Moschee und Metin Cakar, ebenfalls Imam, halten ein Gebet ab. Nach dem fünften und letzten Gebetsaufruf des Tages wurden die Imame in der Türkei gebeten, ein zusätzliches Gebet zu sprechen, in dem sie © Emrah Gurel/AP/dpa

Ausgangssperren gibt es dennoch bisher nur für Unter-20-Jährige und Über-65-Jährige - also vor allem die, die mehrheitlich nicht arbeiten. Das kommt nicht von ungefähr: In der Türkei trifft die Corona-Krise auf eine bereits schwer angeschlagene Wirtschaft, unter anderem durch eine Währungskrise im Jahr 2018. Jetzt ist die Lira wieder abgerutscht. Und die für das Land so wichtige Tourismusindustrie, für die über Ostern die Saison beginnen sollte, dürfte zumindest bis Spätsommer harte Einbrüche vermelden.

Brasilien:

Wo einst Brasiliens Fußball-Legende Pelé einen Teil seiner mehr als 1.000 Tore für den FC Santos erzielte, hat eine Krankenstation mit knapp 200 Betten den Betrieb aufgenommen. Wie das Portal "G1" berichtete, wurden am Montag zunächst zwei Patienten in das sogenannte HM Camp im Pacaembu-Stadion in São Paulo überwiesen. Bis zum Ende des Tages sollten 100 Personen zur ärztlichen Behandlung aufgenommen werden. Das Angebot richtet sich ausschließlich an Corona-Infizierte aus dem öffentlichen Gesundheitssystem. Die Stadtverwaltung hatte die Krankenstation mit zwei Zelten errichtet.

Ziel ist, die öffentlichen Hospitäler zu entlasten, damit diese sich Patienten mit schweren Krankheitsbildern annehmen können. Die Zahl der Corona-Infizierten in Brasilien lag offiziell zuletzt bei mehr als 11.000 Menschen. Davon sind 486 Menschen im Zusammenhang mit dem Virus bislang gestorben, die meisten davon (275) im Bundesstaat São Paulo. Er ist mit mehr als 40 Millionen Einwohner der bevölkerungsreichste Bundesstaat des Landes.

Brasilien, Sao Paulo: Mitarbeiter des Friedhofs der Vila Formosa, auf dem dutzende offene Gräber zu sehen sind, stehen neben einem geschlossenen Grab, auf das Besucher Blumen legen.
Brasilien, Sao Paulo: Mitarbeiter des Friedhofs der Vila Formosa, auf dem dutzende offene Gräber zu sehen sind, stehen neben einem geschlossenen Grab, auf das Besucher Blumen legen. © Andre Penner/AP/dpa

Während Präsident Jair Bolsonaro das Coronavirus als "kleine Grippe" bezeichnete, hatte der Gouverneur des Bundesstaat São Paulo als erster in Brasilien Ausgangsbeschränkungen verfügt, um die Ausbreitung zu verhindern; am Montag verlängerte er die Maßnahmen. Wie das Instituto Butantan bekanntgab, könnte die Zahl der Toten in dem Bundesstaat in den kommenden Monaten dennoch auf 100.000 steigen.

Saudi-Arabien:

Der Wüstenstaat wird wegen des Ölpreisverfalls besonders hart von der Pandemie getroffen. Trotz eines laufenden Umbaus der Wirtschaft ist das Königreich immer noch sehr abhängig vom Öl. Die Nachfrage ist nun drastisch gesunken, der Preiskrieg mit Russland hat den Ölpreis zusätzlich in den Keller gedrückt. Im März waren die Preise so stark abgestürzt wie seit Jahrzehnten nicht mehr.

Saudi-Arabien, Mekka: Arbeiter desinfizieren den Boden um die Kaaba, das quaderförmige Gebäude in der Großen Moschee.
Saudi-Arabien, Mekka: Arbeiter desinfizieren den Boden um die Kaaba, das quaderförmige Gebäude in der Großen Moschee. © Amr Nabil/AP/dpa

Mit der großen Wallfahrt Hadsch, die dieses Jahr Ende Juli beginnt, bangt Saudi-Arabien um eine weitere sehr wichtige Einnahmequelle. Die Pilger bezahlen normalerweise viel Geld, um mit dem Hadsch eine der fünf Grundpflichten des Islams zu erfüllen. 2019 nahmen fast 2,5 Millionen Menschen teil, darunter 1,8 Millionen aus dem Ausland. Die dicht gedrängten Massen wären eine gefährliche Brutstätte für das Virus. Riad hat bereits an Muslime weltweit appelliert, vorerst keine Vorbereitungen für die Pilgerfahrt nach Mekka zu treffen. Eine endgültige Absage würde Verluste in Milliardenhöhe bedeuten.

Südafrika:

Die Vuvuzela erlebt in Südafrika ihre Renaissance als lärmender Hoffnungsträger. Die lange Plastik-Tröte mit dem durchdringenden Ton - der während der Fußball-WM 2010 als Stadionsound des Kap-Staates weltweit bekannt wurde - ertönt in einigen Stadtteilen von Johannesburg Punkt 19.00 Uhr. Ein paar kräftige Stöße aus der Fan-Trompete werden sowohl als Mutmacher und Zeichen gegen den Corona-Blues wie auch als Dank für die vielen Servicekräfte und medizinischen Helfer verstanden.

Südafrika, Pretoria: Ein Mann liegt unter einer Decke, nachdem er und andere Obdachlose von der Polizei in die Sportanlage Caledonian Stadium gebracht wurden. In Südafrika wurde eine 21-tägige Ausgangssperre eingeführt, in Reaktion gegen die Ausbreitung d
Südafrika, Pretoria: Ein Mann liegt unter einer Decke, nachdem er und andere Obdachlose von der Polizei in die Sportanlage Caledonian Stadium gebracht wurden. In Südafrika wurde eine 21-tägige Ausgangssperre eingeführt, in Reaktion gegen die Ausbreitung d © Jerome Delay/ap/dpa

In Kapstadt setzt sich das Getröte dann zeitversetzt um 20.00 Uhr fort, das in etwa wie eine Mischung aus Autohupe und Nebelhorn klingt. Die Tröte gilt als die moderne Form des Horns der Kudu-Antilope, auf dem einst zu Versammlungen geblasen wurde; heute gilt sie als fester Bestandteil des südafrikanischen Fußballs.

Das Virus, dessen Oberfläche selbst so ausschaut, als sei es gespickt mit einer Vielzahl umgedrehter langstieliger Vuvuzelas, hat auch Südafrika im Griff. Mit 1.749 bestätigten Fällen und 13 Covid-19-Toten ist es das Land mit der höchsten Zahl an Fällen in ganz Afrika. Gleichzeitig führte es bisher aber auch mit rund 50.000 Tests die größte Testreihe des Kontinents durch. (dpa)

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