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Wie der Gestank aus dem Dorf kommt

Der Betreiber der Schweinemast bittet Einwohner und Stadträte, ihre Investitions-Blockade noch einmal zu überdenken.

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© Klaus-Dieter Brühl

Von Manfred Müller

Stroga. Marten Tigchelaar bleibt dabei: Er will in Stroga investieren. „Wenn ich im Ort bin, merke ich ja selbst, dass es manchmal ziemlich heftig stinkt“, sagt er. „Aber bei der derzeitigen Anlagengröße ist der Einbau einer Abluftreinigung einfach nicht rentabel.“ Die Strogaer Ställe sind für 1800 Sauen ausgelegt, und der aus den Niederlanden stammende Landwirt wollte den Standort erweitern und zugleich modernisieren. Er beantragte im Frühjahr 2015 eine Vergrößerung auf 3880 Mastplätze und zusätzlich 6720 Plätze für die Ferkelaufzucht. Im Zuge der Umbauten wollte Tigchelaar eine moderne Luftwäsche in die Ställe einbauen, mit deren Hilfe die Geruchsbelästigung um zwei Drittel reduziert werden könnte. Strogas Ortschaftsrat fand das zunächst in Ordnung und stimmte den Plänen zu. Auch die Großenhainer Stadtverwaltung stand dem Projekt offen gegenüber. Nicht aber die Dorfbewohner. Vor der Stadtrats-Entscheidung über die Baugenehmigung im Mai 2015 machte Unterschriftenliste die Runde, auf der sich 56 Haushalte gegen die Erweiterung der Mastanlage aussprachen – bei nur 140 Einwohnern eine klare Mehrheit. Mit diesem Votum im Rücken rief die AL-Fraktion im Stadtrat zur namentlichen Abstimmung und fegte damit die Genehmigung vom Tisch. Damit war zwar die Erweiterung vom Tisch, aber da die Strogaer Schweinemast Bestandsschutz genießt, wurde der zeitweise unerträgliche Gestank quasi als Hypothek festgeschrieben.

Marten Tigchelaar Betreiber der Strogaer Schweineställe
Marten Tigchelaar Betreiber der Strogaer Schweineställe © privat

Kompromiss an Haushalte verteilt

Was im allgemeinen Unbehagen unterging: Marten Tigchelaar hatte nach der Stadtratsentscheidung einen Kompromissvorschlag ausgearbeitet und an die Strogaer Haushalte verteilt. Darin wollte er gänzlich auf die Ferkelaufzucht verzichten und dafür die Kapazität auf 5000 Mastschweine erhöhen. Außerdem bot er an, neben der Abluftreinigung eine Biogasanlage zu bauen, in der mittels Gülle-Fermentation die Geruchsbelästigung weiter minimiert werden könnte. Falls die Stadt ihm dabei helfe, ein Grundstück außerhalb des Dorfes zu finden, sei er sogar bereit, neu zu bauen und die Altanlagen komplett abzureißen. Tigchelaar brachte sogar einen Alternativstandort ins Spiel: das Großenhainer Flugplatzgelände.

Für Baubürgermeister Tilo Hönicke ein eher unrealistischer Vorschlag. Allerdings sei die Landwirtschaft vom Gesetz her tatsächlich privilegiert und könne auch außerhalb von Ortschaften Stallanlagen bauen. Großenhains Stadtrat habe sich zwar mit dem Ablehnungsbeschluss festgelegt, aber wenn ein neuer Standort gefunden werde oder das Projekt wesentliche Änderungen erfahre, könne durchaus ein neuer Ratsbeschluss gefasst werden. „Allerdings nur, wenn die Strogaer Bürger das selbst wollen“, schränkt der Bauamts-Chef ein.

Bitte an die Einwohner

Danach sieht es aber momentan nicht aus. Der Leidensdruck im Dorf ist zwar groß – besonders im Sommer, wenn der Güllegestank wie eine Dunstglocke über den Häusern steht. Aber wer einmal gegen die Erweiterung der Schweinemast war, so Tigchelaar, werde seine Meinung auch nicht so schnell ändern. Er könne die Strogaer nur bitten, mit ihm zusammen nach einer Lösung zu suchen. Eine moderne Luftreinigungsanlage sei dabei das A und O. „Ich garantiere, dass es dann im Dorf nicht mehr stinkt“, verspricht der Niederländer, der im mittelsächsischen Pappendorf bereits eine Schweinezucht betreibt. „Die Ablufttechnik ist heute so effektiv, dass ich die Anwohner zu einem Frühstück unter der Anlage einladen könnte.“