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Wie der Wenzelsmarkt zu seinem Namen kam

Seit 2009 ist der Bautzener Weihnachtsmarkt nach dem böhmischen König benannt. Ob zu Recht bleibt bis heute umstritten.

© Uwe Soeder

Bautzen. Er trägt ein langes blaues Gewand. Eine prächtige Krone sitzt auf seinem Kopf. In der rechten Hand hält er das Zepter als Zeichen seiner Macht. Mit einem milden Lächeln blickt König Wenzel IV. von seinem Sockel am Bautzener Rathaus hinunter auf die Stände des Bautzener Weihnachtsmarktes. Seit 2009 leiht der böhmische König dem Markt seinen Namen.

Mit der historischen Figur hat das Abbild am Rathaus freilich wenig zu tun. Der lächelnde Alte passt eher in ein Märchen, als in ein Geschichtsbuch. Denn Wenzel galt zwar als geschickter Regent und verhalf Bautzen im späten Mittelalter zu neuer Blüte. Er war aber auch als tyrannischer Herrscher bekannt. So ließ er einen Handwerkeraufstand in der Stadt blutig niederschlagen.

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Bis heute ist die Umbenennung des Weihnachtsmarktes in Wenzelsmarkt deshalb unter den Bautzenern umstritten. Historiker führen freilich auch ins Feld, dass man die negativen Berichte über Wenzel nicht überbewerten dürfe. Viele dieser Aufzeichnungen stammten von politischen Gegnern des Herrschers.

Wie alt ist Bautzens Weihnachtsmarkt?

Dass Wenzel überhaupt zum Namenspatron des Weihnachtsmarktes wurde, hat mit einer zweiten ebenfalls umstrittenen Frage zu tun - mit der nach dem Alter des Bautzener Marktes. Immerhin wirbt die Stadt mit dem Slogan „ältester Weihnachtsmarkt Deutschlands“.

Dabei beruft sich Bautzen auf verschiedene Chroniken. Demnach soll Wenzel der Stadt im Jahr 1384 das Recht zur Abhaltung eines freien Fleischmarktes verliehen haben, der vom Michaelistag bis Weihnachten dauerte. Folgt man dieser Annahme, so wäre der Bautzener Markt ein halbes Jahrhundert älter als der Dresdner Striezelmarkt.

Das Problem dabei: Während im Dresdner Stadtarchiv eine Urkunde von 1434 das Marktrecht nachweist, existiert eine solche Urkunde für Bautzen nicht. Die Jahreszahl 1384 wurde erst in späteren Aufzeichnungen erwähnt.

Ein weiteres Argumente der Kritiker lautet: Der Bautzener Markt war ein reiner Fleischmarkt. Ihm fehlt der weihnachtliche Charakter, der zum Beispiel beim Dresdner Striezelmarkt nachgewiesen werden kann. Außerdem wurden die Bautzener Märkte nicht durchgehen abgehalten. Mitte des 19. Jahrhunderts bricht die Tradition ab.

Institut bestätigt Rekord

Doch unabhängig von allen Einwänden hat sich Bautzen seine Sonderstellung beurkunden lassen: Jahr 2015 bestätigte das Rekord-Institut für Deutschland der Stadt: Der Wenzelsmarkt ist „Deutschlands ältester in einer Chronik genannter Weihnachtsmarkt“.

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Der Wenzelsmarkt Bautzen hat vom 1. bis zum 23. Dezember 2017 geöffnet.

Öffnungszeiten der Händler: Montag bis Donnerstag von 11 bis 19 Uhr, Freitag bis Sonntag von 11 bis 20 Uhr.

Öffnungszeiten Gastronomie: Sonntag bis Mittwoch bon 11 bis 20 Uhr, Donnerstag bis Sonnabend von 11 bis 22 Uhr.