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Wie die Aktion Zivilcourage Kinder selbstbewusster macht

Der Pirnaer Verein weitet sein Angebot auf Kitas und Grundschulen aus. Denn Anfragen zeigen: Auch die Jüngeren brauchen Hilfe.

© Daniel Schäfer

Von Thomas Möckel

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Pirna. Der Verein „Aktion Zivilcourage“, der seit mittlerweile 20 Jahren existiert, ist längst den Kinderschuhen entwachsen. Die Zahl der Mitarbeiter steigt stetig, Aufgaben nehmen zu, die Truppe ist inzwischen weit über die Kreisgrenzen hinaus aktiv. Standen bisher Jugendliche und junge Erwachsene im Fokus, widmet sich der Verein nun einer neuen, jüngeren Zielgruppe: Mit dem Projekt „Couragierte Kinder“ gehen die Mitarbeiter verstärkt in Kindertagesstätten und Grundschulen. Die SZ stellt die Eckpunkte des Programms vor, das Kinder in ihrem Selbstbewusstsein stärken möchte und ihnen Wege aufzeigt, Konflikte gewaltfrei zu lösen.

Warum bietet die Zivilcourage jetzt Projekte für Jüngere an?

Normalerweise setzt die Aktion Zivilcourage mit ihrer Arbeit bei Schülern ab der siebten Klasse an. Inzwischen gibt es aber großes Interesse von Kitas und Grundschulen, die speziell auf sie zugeschnittene Programme nachfragen. „Das zeigt uns, dass der Bedarf steigt, schon bei jüngeren Kindern die Sozialkompetenz zu stärken“, sagt Projektleiterin Claudia Weichelt. Aus entwicklungspsychologischer Sicht sei dies auch der beste Zeitpunkt, diese Fähigkeiten zu schulen – nämlich dann, wenn Kinder zum ersten Mal mit anderen in einer Gruppe zusammenkommen.

„Je zeitiger man anfängt, desto besser prägt es sich ein“, sagt AZ-Geschäftsführer Sebastian Reißig. Und weil die Projekte langfristig angelegt seien, könne man dafür sorgen, dass manch kritische Situation erst gar nicht entsteht. Das Programm ist jetzt soweit gediehen, dass der Verein damit in die Öffentlichkeitsarbeit geht. Erreichen will die Zivilcourage damit Erzieher und Lehrer bis zur sechsten Klasse, Kinder zwischen drei und zwölf Jahren sowie die Eltern der teilnehmenden Kinder.

Welche Inhalte werden bei dem Training vermittelt?


Das Projekt „Couragierte Kinder“ dient zum einen der Prävention, kann zum anderen aber auch in bereits bestehende Konflikte eingreifen und versuchen, diese zu lösen. Das Training für Kinder umfasst drei Grundlagen. Zum ersten soll das Einfühlungsvermögen der Kinder besser ausgeprägt werden. „Wir fangen bei den Jüngeren mit ganz unterschwelligen Gefühlslagen an“, sagt Claudia Weichelt. Beispielsweise gehen die Kinder der Frage nach: „Wie fühle ich mich, wenn ich ständig geärgert werde?“ Dann zeigen die Experten Möglichkeiten, wie Angestautes herausbrechen kann, ohne dass die Situation gleich brenzlig wird. Das Ziel: Die Kinder lernen ihre eigenen Gefühle kennen, können sie ausdrücken und jene anderer Menschen feinfühliger wahrnehmen.

Zum zweiten stärken die Kurse das Selbstbewusstsein. Kinder lernen, auf ihr Bauchgefühl zu hören und sich zu äußern, wenn ihnen etwas missfällt oder sie wahrnehmen, dass andere ungerecht behandelt werden. Zum dritten sollen die Steppkes selbstständiger werden. Dabei üben die Spezialisten mit den Kindern verschiedene Handlungsmöglichkeiten und zeigen ihnen, wie man einen Streit oder einen Konflikt gewaltfrei löst.

Wie werden Eltern und Pädagogen mit einbezogen?

In speziellen Kursen bietet der Verein Eltern – vor allem jenen, die bei der Erziehung ihrer Kinder auf sich allein gestellt sind – die Gelegenheit, sich untereinander auszutauschen. Zugleich vermittelt die Zivilcourage Grundsätze, wie man Kinder positiv erzieht. Die Kurse sind begleitende zu den Kindertrainings konzipiert. Für Pädagogen gibt es ebenso ein begleitendes Programm, beispielsweise erfahren sie etwas über Gruppendynamik und wie man deeskalierend auf Menschen einwirkt.

Wie laufen die Trainingsprogramme für die Kinder ab?

Um die Kurse können sich Kinder selbst bemühen, beispielsweise dann, wenn sie ständig gehänselt oder geärgert werden. Aber auch Lehrer können sich melden, wenn zum Beispiel das Klassenklima mies ist, weil einer immer aus der Reihe tanzt, die Lehrer das Problem aber nicht selbst in den Griff bekommen. „Egal, wer sich an uns wendet, wir behandeln alles anonym“, sagt Claudia Weichelt. Danach analysieren die Projektbetreuer zunächst die Knackpunkte. „Wir können sicher keine Sofort-Komplettlösung bieten“, ergänzt Sebastian Reißig. Aber die Trainer können sich über einen gewissen Zeitraum mehrfach und wiederholt mit einer Schulklasse oder Kita-Gruppe beschäftigen.

Die Prämisse: Niemand, der als Störer oder Unruhestifter gilt, wird bloß- oder an den Pranger gestellt. Gibt es beispielsweise so einen Fall, der ein ganzes Klassengefüge ins Wanken bringt, verfolgen die Projekt-Betreuer den Ansatz, die ganze Klasse zu stärken statt nur den einen Störer zu erziehen. „Wir gehen ganz unvoreingenommen an die Sachen ran, da öffnen sich die Kinder mehr“, sagt Claudia Weichelt. Ihr Grundsatz: den Kindern auf Augenhöhe begegnen, nicht als Lehrer-Autorität.

Wer kümmert sich bei der Zivilcourage um das neue Angebot?

Von Pirna aus betreuen drei das Angebot: Claudia Weichelt leitet das Projekt, Natalia Krasowska kümmert sich vor allem um Kitas, Elisa Moser widmet sich den Schulen bis einschließlich sechste Klasse. Zusätzlich holen sie sich kundige Partner ins Boot, beispielsweise die Universität Erlangen.

Infos im Internet