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Kamenz

Wie die Jehmlich-Orgel restauriert wird

Damit das Instrument in St. Just wieder klingt, engagieren sich viele Kamenzer. Jetzt gab es sogar eine Benefiz-Auktion.

Damit das Instrument in St. Just wieder klingt, engagieren sich viele Kamenzer. Jetzt gab es sogar eine Benefiz-Auktion.
Damit das Instrument in St. Just wieder klingt, engagieren sich viele Kamenzer. Jetzt gab es sogar eine Benefiz-Auktion. © Kirche

Kamenz. Am 21. September fand in der Klosterkirche St. Annen eine besondere Benefiz-Kunstauktion mit Orgelspiel und Museumsführung statt. Veranstalter waren das Leipziger Buch- und Kunstantiquariats Ulbricht, Klosterkirche und Sakralmuseum St. Annen sowie die evangelisch-lutherische Kirchgemeinde Kamenz. Versteigert wurden Gemälde, Zeichnungen und Grafiken der „Leipziger Schule“ und andere internationale Künstler, unter anderem Max Klinger, Wolfgang Mattheuer, Werner Tübke, Marc Chagall, Armin Mueller-Stahl und Joseph Beuys.

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Arbeiten dauern bis Dezember an

Zusammen gekommen waren am Sonnabend immerhin ganze 230 Euro. Der Erlös kommt der Sanierung der Jehmlich-Orgel in der St.-Just-Kirche zugute. Seit Mitte Juni laufen bereits die seit langem geplanten Restaurierungsarbeiten an der Jehmlich-Orgel in der St. Just-Kirche. Zwei Orgelbauer der Firma Ekkehart Groß aus Waditz bei Bautzen haben mittlerweile sämtliche Orgelpfeifen sowie das gesamte Innenleben der Orgel ausgebaut und größtenteils mit in die Firma zur Aufarbeitung genommen. Voraussichtlich bis Anfang Dezember werden die Arbeiten dauern.

E-Piano als Interimsinstrument

Bis dahin wird das E-Piano der Hauptkirche St. Marien seinen Einsatz als Interimsinstrument in der St.-Just-Kirche haben. Während die Orgel ausgebaut ist, werden Restauratoren am Gehäuse der Orgel arbeiten und diesem wieder ein ansehnliches „Gesicht“ geben. Etwa 5000 Euro Eigenmittel sind von der Kirchgemeinde durch Spen­den aufzubringen. Ab sofort werden die Ausgangs-Kollekten der Gottesdienste für diesen Zweck gesammelt. Im Rahmen des Tages des Offenen Denkmals am Sonntag, 8. September, der gleichzeitig auch Deutscher Orgeltag war, konnten „ausrangierte“ Orgelpfeifen der Jehmlich-Orgel käuflich erworben werden: Zwei Pfeifenreihen (Register), die spätere Einbauten der Fa. Eule (Bautzen) sind, sind ausgebaut worden und werden keine Verwendung im restaurierten Instrument mehr finden. Die jüngste Kunstauktion half natürlich auch weiter.

Die Orgel der St.-Just-Kirche wurde als Opus 72 im Jahre 1882 von Carl Eduard Jehmlich aus Dresden für das Orgelzimmer im Katholischen Seminar Bautzen erbaut. 1917 mussten die originalen Prospektpfeifen aus Zinn für Kriegs­zwecke abgegeben werden. Im Jahre 1930 wurde die Orgel durch die Firma Eule aufgekauft, umgestaltet, umdis­po­niert (zwei zusätzliche Register ein­gebaut, die jetzt wieder entfernt werden) und 1936 in der St.-Just-Kirche aufgestellt. Dabei bekam sie neue Prospektpfeifen (aus Zink), einen hellen Anstrich und neobarockes Schnitzwerk.

Ein besonderes Kulturdenkmal

Aufgrund des Alters und relativ hohen Erhaltungsgrades wird diese Orgel von Fachleuten als Kulturdenkmal ernst zu nehmender Güte gewertet. Es handelt sich um ein Instrument aus der letzten Bauphase mechanischer Schleifladenorgeln der Werkstatt Jehmlich vor dem Einsetzen der pneumatischen Stilepoche.

Lange Zeit wurde diese Orgel übrigens durch mündliche Überlieferung für ein Instrument des Bautzner Orgelbauers Leopold Kohl gehalten. Erst durch intensive Recherchen im Vorfeld der Restaurierungsarbeiten wurde später bekannt, dass dieses Instrument aus der Werkstatt Jehmlich stammt, bei der es bislang sogar als verschollen galt. (SZ)