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Wie die Prager Straße zur Einkaufsmeile wurde

Dresdner Geschichte kompakt erzählt: Ein neues Buch aus der Edition SZ fasst die Entwicklung der Stadt zusammen.

© Sammlung H. Naumann

Von Claudia Schade

Die feine Gesellschaft ging um 1943 nicht selbst einkaufen. Sie ließ sich ihre Waren aus den zahlreichen Dresdner Kaufhäusern und Geschäften per Boten bringen. Laufburschen erhielten 50 Pfennige die Stunde. Sie wendeten aber auch noch allerlei Tricks an, um die Ware den Herrschaften persönlich überreichen zu können und somit noch ein üppiges Trinkgeld zu erhalten.

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Endlich wieder shoppen
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Alle Geschäfte des KaufParks in Dresden-Nickern haben wieder geöffnet und laden zum Shoppen ein.

So erzählt es Rudolf Warnatsch aus eigener Erfahrung in dem Buch „Dresden. Die Entwicklung von der Steinzeit bis heute“. Darin erfährt der Leser auch, dass der Bau der Prager Straße ein gewollter Akt im 19. Jahrhundert war. Diese Straße hat sich keineswegs über Jahrhunderte gebildet. Dresdens prächtigste Einkaufsmeile verläuft nicht im ursprünglichen Festungsring. Dass in dem feuchten und unwirtlichen Gelände – von Gewässern und Seen durchzogen – überhaupt eine Straße entstand, lag an der Eisenbahn.

Erst als 1848 der Böhmische Bahnhof eröffnete, gab es die Notwendigkeit einer direkten Verbindung zum Altmarkt. Die neue Straße wurde zwischen 1851 und 1853 angelegt. So hatten auch angrenzende Verbindungen von der Bürgerwiese aus einen sinnvollen Anschluss. Und die Prager Straße konnte sich zu dem Mythos entwickeln, der ihr heute noch anhängt: einer Prachtmeile, auf der es alles, was man sich vorstellen konnte, zu kaufen gab: Mode, Schmuck, Luxusartikel, Miederwaren und Delikatessen. Dazu konnte man in zahlreiche Cafés einkehren. Bis zu ihrer Zerstörung 1945 pulsierte auf der Straße das Leben. Dort zeigte man sich, um dem Luxus zu frönen oder neben alltäglichen Besorgungen einen Bummel zu machen.

Diese und viele andere Geschichten sind in dem Buch, das in der Edition SZ erschienen ist, nachzulesen. Mit zahlreichen Bildern und Illustrationen zeigt es die Entwicklung Dresdens im Laufe der Jahrhunderte. Beginnend in der Steinzeit, in der sich die ersten Wegeverbindungen und kleine Siedlungen gebildet haben, bis zum Blick in die Zukunft. Eine Zeitleiste gibt einen Überblick über die wichtigsten Ereignisse der einzelnen Epochen.

„Dresden. Die Entwicklung von der Steinzeit bis heute.“
Vorwort von Alt-Landeskonservator Gerhard Glaser.
Für 19,90 Euro in SZ-Treffpunkten und im regionalen Buchhandel
Online unter www.editionsz.de