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Wie die Stadtbahn Löbtau verändert

© K. Bolavec/BVC Media

Viele freuen sich auf die neue Zentralhaltestelle. Dafür sind aber gute Nerven notwendig. Nicht nur während des Baus.

Von Annechristin Bonß

Die einen können es kaum abwarten. Die anderen sehen mit Sorgen der Veränderung entgegen. Ende 2019 soll sie fertig sein, die neue Zentralhaltestelle am Anfang der Kesselsdorfer Straße. Die ist eine von Dresdens meistfrequentierten Haltestellen. 39 000 Aus-, Um- und Einsteiger sind hier täglich unterwegs. Künftig haben Autos keinen Platz mehr. Zwischen Tharandter und Gröbelstraße halten nur noch die Bahnen und Busse. So kommen Fußgänger und Fahrgäste nicht nur sicherer über die Straße. Der Bau ist auch wichtiger Teil im Projekt Stadtbahn 2020 – dem ehrgeizigen Vorhaben von Stadt und Dresdner Verkehrsbetrieben (DVB). Von Löbtau bis Strehlen und perspektivisch bis nach Blasewitz sollen die Bahnen rollen und die Busse irgendwann ersetzen.

Noch teilen sich Autos, Bahnen und Fußgänger die Kesselsdorfer Straße. Die Stelle soll sich in den kommenden zwei Jahren verändern. © Sven Ellger

Doch bis dahin ist viel Geduld notwendig. Das spüren Dresdens Straßenbauamtschef Reinhard Koettnitz und DVB-Verkehrsplaner Andreas Hoppe, als sie am Dienstagabend in Löbtau über den aktuellen Stand informieren. Über 200 Anwohner sind gekommen. Der Andrang ist so groß, dass kurzfristig der Raum gewechselt werden muss. Dabei ist es lange nicht die erste Info-Veranstaltung dieser Art. Knapp 20 Jahre werden zwischen den ersten Ideen und der Fertigstellung liegen. Die Bauzeit selbst macht in dieser Rechnung nur zwei Jahre aus – eine kurze Zeit. Jetzt hat der Bau begonnen. Im Herbst 2019 soll er fertig sein. Zwei Jahre noch, die Koettnitz mit dem „Biss in den sauren Apfel“ umschreibt.

Denn wer baut, kann nicht gleichzeitig Bahnen und Busse wie gewohnt fahren lassen. 2019 kommen Fahrgäste nicht mehr mit der Bahn von Gorbitz in die Innenstadt. An der Kesselsdorfer Straße ist während der Bauzeit Schluss. Sie müssen mit Ersatzbussen, Ersatzlinien und zusätzlichen Umsteigestationen leben. Die machen auch den Planern der DVB Sorgen. Unter anderem ist vorgesehen, in der Freiberger Straße einen Gleiswechsel zu bauen. Hier würden die Zweirichtungsbahnen fahren, also Fahrzeuge, die an beiden Enden einen Führerstand haben. Davon gibt es 13 Stück im Besitz der DVB. Nicht viele, wenn gleichzeitig in Radebeul ebenfalls ein Gleiswechsel während der Bauzeit notwendig ist. Auch die Busse der Linie 61 können dann nicht mehr an gewohnter Stelle halten. Sie fahren ebenfalls eine Umleitung.

Autofahrer müssen sich langfristig auf die neue Situation einstellen – eigentlich für immer. Schon bald können sie nicht mehr von der Kesselsdorfer Straße in die Tharandter Straße oder in Richtung Nossener Brücke fahren. Schon an der Julius-Valteich-Straße in Gorbitz soll der erste Schwung der Fahrzeuge von der Kesselsdorfer abgeleitet werden. Die Hauptalternative für die, die weiterfahren, soll die Wernerstraße sein. Eine neue Ampel regelt den dann stärkeren Abbiegeverkehr. Auf dem Weg zur Weißeritz ist eine weitere Ampel geplant. Immerhin queren viele Fußgänger die Wernerstraße. Die sollen auch bei mehr Verkehr sicher über die Straße kommen. Ein Problem stellt noch die Kreuzung zur Lübecker Straße dar. Hier ist die Verkehrssituation schon jetzt unübersichtlich. Patienten vieler Arztpraxen sind unterwegs. Dazu quert ein Hauptfahrradweg die Stelle. Bisher soll es aber keine Ampel geben. Das kritisieren viele der Anwohner. Sie fürchten, dass die Stelle zum Staupunkt wird. Doch Koettnitz verspricht, dies nochmals zu prüfen.

Ebenfalls Sorgen machen sich die Bewohner anderer Nachbarstraßen. Die knapp 5 000 Fahrzeuge pro Richtung und Tag am Anfangsstück der Kesselsdorfer Straße müssen irgendwohin ausweichen. Koettnitz rechnet auch auf der Reisewitzer Straße mit mehr Verkehr.

Auf der Poststraße könnten künftig ebenfalls mehr Autos fahren. Die sei zwar nicht als Ausweichstrecke vorgesehen, sagt er. Ausschließen kann Koettnitz aber nicht, dass sich die Autofahrer einen neuen Weg auch hier entlang suchen. Ebenfalls mehr Verkehr könnte es auf der Clara-Zetkin-Straße geben. Das gefällt den Anwohnern dort nicht. Doch allen können es die Planer nicht recht machen.

Dennoch sind sie zuversichtlich, dass die neue Zentralhaltestelle zügig gebaut wird. Klagen gegen das Vorhaben, so wie an der Oskarstraße, gibt es keine. Ein Baustopp wie in Strehlen ist also unwahrscheinlich. Das Wetter muss mitspielen. Und beim Bau darf es keine Überraschungen geben. Schon manchmal wurden Leitungen gefunden, die vorher niemand kannte. Ohne das sei der Zeitplan zu halten, hofft Koettnitz.