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Wie Dipps die Straßen sicherer machen will

SZ-Leser haben Orte benannt, wo der Blitzer eingesetzt werden soll. Was die Stadt noch vorhat.

© Egbert Kamprath

Von Franz Herz

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Dippoldiswalde. Die Karte vom Dippser Stadtgebiet hat in den vergangenen Tagen Punkte bekommen. Die Sächsische Zeitung hatte Anfang Februar die Leser nach Stellen gefragt, an denen die Stadtverwaltung mit ihrem neuen mobilen Messgerät die Einhaltung der Geschwindigkeit überwachen sollte. Sie nannten per E-Mail und auf Facebook über 20 Punkte. Die SZ legte diese Vorschläge Marcel Hänchen vor. Er ist Leiter des Ordnungsamtes in Dippoldiswalde und damit auch für das Verkehrsamt zuständig. Die SZ wollte wissen, wie die Stadt vorgeht, um Gefahren durch zu schnelles Fahren zu minimieren.

Was Dipps gegen Raser-Gefahr macht

Ansatz 1: Gefahrenstellen ermitteln
Die Stadt hat nicht nur den neuen Blitzer, sondern auch ein Verkehrszählgerät. Das registriert, welche Art von Auto wie schnell fährt. Damit lässt sich vorher schon die Verkehrsbelastung an einer Stelle feststellen. Dabei zeigt sich, ob der Einsatz des Blitzers überhaupt notwendig ist. Das Verkehrszählgerät ist im Einsatz billiger, weil zum Auf- und Abbau zwar Personal erforderlich ist, aber nicht für den Betrieb. Beispielsweise war dieses Gerät einmal auf der Bergstraße in Seifersdorf im Einsatz. „Es hat an einem Tag rund 1250 Fahrzeuge registriert. 95Prozent haben sich an die vorgeschriebene Geschwindigkeit gehalten, oft sogar deutlich unterschritten“, so Hänchen.

Ansatz 2: Hilfe zur Selbstkontrolle
Außerdem besitzt die Stadt eine Anzeigetafel, die den Autofahrern signalisiert, wie schnell sie fahren, und ein Zeichen dazu gibt. Ein grüner Smiley leuchtet, wenn der Autofahrer im Limit bleibt, wenn nicht, zieht das Gesicht seine Mundwinkel nach unten. In Elend hing sie schon und in der Kernstadt an der Dr. Friedrichs-Straße und der Nikolai-Ostrowski-Straße.

Ansatz 3: Den Blitzer einsetzen
Ernst wird es, wenn die Stadt ihre Messkamera aufstellt. Wer dann zu schnell ist, bekommt Post mit einem Verwarnungs- oder sogar Bußgeld. Hänchen versichert aber, dass sein oberstes Ziel ist, für Ordnung auf den Straßen zu sorgen, nicht Autofahrern das Geld aus der Tasche zu ziehen. „Dabei haben wir vor allem schutzbedürftige Menschen im Blick.“ Eine Reihe der vorgeschlagenen Blitzerstandorte sind seinen Mitarbeitern schon lange vertraut. Er nennt die Beispiele an der Förderschule in Reinholdshain oder vor dem Kindergarten Sonnenschein, vor der Kita in Seifersdorf, am Fußgängerüberweg auf der Rabenauer Straße oder die 40er-Zone in Hennersdorf. „Dort haben wir schon in der Vergangenheit stichprobenartig kontrolliert. Das werden wir fortsetzen“, sagt Hänchen, weil es um Kindereinrichtungen, Schulwege oder gefährdete Fußgänger geht. Mehrere SZ-Leser haben den Einsatz des Blitzers in Wohngebieten vorgeschlagen, beispielsweise im Mühlfeld in Paulsdorf. Dort gilt eine verkehrsberuhigte Zone, wo den Autos eigentlich Schrittverkehr vorgeschrieben ist. Aber daran halten sich nicht alle. „Auf das Problem hat uns immer wieder der Ortsvorsteher aufmerksam gemacht. Wir werden das auch in Zukunft berücksichtigen“, so der Ordnungsamtsleiter. In der gesamten Innenstadt gilt Tempo 20, weil dort viele Fußgänger unterwegs sind, Schulwege verlaufen und Gassen oft sehr eng sind. „Hier hatten wir immer wieder Anliegerbeschwerden und werden auch kontrollieren“, sagt Hänchen. Er nennt als Beispiel die Strecke zwischen Polizeirevier und Rathaus, wo mancher Fahrer mehr als das eigentlich erlaubte Tempo 20 fährt.

Im Neubaugebiet auf der Alexander-Puschkin-Straße in Dippoldiswalde hat eine Anwohnerin den Blitzereinsatz vorgeschlagen. Hier fand schon eine Verkehrszählung statt. Die hat ergeben, dass Einzelne das Limit von 30 Stundenkilometer überschritten. In diesem Gebiet geht es um die Anwohner, aber auch Schüler aus dem Gymnasium, Besucher des Sportparks oder Menschen, die im Betreuten Wohnen leben. „Hier sind Kontrollen vorgesehen“, verspricht Hänchen.

Ansatz 4: Tempo 30 vor mehreren Kitas
Das Ordnungsamt überprüft auch die Situation vor verschiedenen Kitas wie in der Reichstädter Straße, der Glashütter Straße oder in Hennersdorf. Die neue Straßenverkehrsordnung lässt dort die Einrichtung von Tempo 30 zu, was früher nicht möglich war. Zu einer solchen 30er-Zone gehört dann natürlich ihre Überwachung.

Ansatz 5: Kontrollen an der B170
Unter den Vorschlägen finden sich drei Stellen an der B170. Der Abschnitt in Oberhäslich von der Ortsmitte in Richtung Dippoldiswalde war bisher schon manchmal Standort eines Blitzers und wird es wohl bleiben. Anders sieht es an der Kellerkurve in Obercarsdorf aus, die ebenfalls vorgeschlagen ist. Das war einmal ein Unfallschwerpunkt bis 2015. Aber dort wurden die Verkehrszeichen umgesetzt und neue aufgestellt. Seitdem gibt es nach Aussage der Polizei dort keine Unfälle mehr, die auf überhöhte Geschwindigkeit in dieser Doppelkurve schließen lassen. Die Strecke von Naundorf nach Obercarsdorf wird überprüft, verspricht Hänchen. Hier gilt Tempo 60 auf der Bundesstraße. Aber Anwohner berichten von höheren Geschwindigkeiten und von Problemen für Kinder, die Straße sicher zu überqueren. „Auch auf anderen Abschnitten ist die B170 ein Schwerpunkt. So finden auch in der Kernstadt oder in Tal Naundorf dort immer wieder Geschwindigkeitskontrollen statt.“

Ansatz 6: Mit der Polizei kooperieren
Hänchen hat sich mit der Polizei getroffen, um die Zusammenarbeit bei Verkehrskontrollen abzusprechen. Deren Beamte haben mehr Rechte. Sie dürfen Temposünder anhalten, was städtischen Ordnungshütern nicht erlaubt ist. In Vorbereitung ist eine Aktion der Stadtverwaltung und der Polizei zum Schuljahresbeginn.

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