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Wie Dresden seine Schätze schützt

Im Ernstfall bringt die Stadtteilwehr Kaitz Material und Werkzeug zur Einsatzstelle, um Kulturgüter zu bergen.

© Eric Münch

Von Alexander Schneider

Arbeiten in Görlitz

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Dresdens Kunstschätze sind jetzt besser vor Katastrophen aller Art geschützt. Hochwasser, Brände und anderes Ungemach – die Experten von 14 Museen und Archiven der Stadt haben sich schon vor drei Jahren zu dem sogenannten Notfallverbund Dresden zusammengeschlossen, um im Ernstfall aus ihren Häusern gemeinsam retten zu können, was noch zu retten ist. Jetzt ist endlich die erforderliche Ausrüstung vorhanden und auch das Einsatzkonzept für den Katastrophenfall steht.

Eine im wahrsten Sinne des Wortes tragende Rolle übernimmt die Dresdner Feuerwehr. In den Hallen des Brand- und Katastrophenschutzamtes in Übigau lagern die eigens beschafften Werkzeuge, Hilfsmittel und Ausrüstungsgegenstände, die für die Bergung der Kulturgüter benötigt werden. Die Logistik, das nötige Material im Ernstfall schnell zur Einsatzstelle zu bringen, übernimmt eine Stadtteilfeuerwehr. Die Männer der Kaitzer Wehr sind darin geschult. Sie bestücken den Container des „Notfallzuges“, wie es die Einsatzlage vorsieht, und fahren die Hilfsmittel direkt vor Ort. Ziel ist es, dass die Archivare, Bibliothekare und Fachleute aus den Museen möglichst schnell mit der Bergung ihrer Schätze loslegen können, sobald die Feuerwehr die Gefahrenstelle freigegeben hat.

„Man muss das Undenkbare denken“, beschrieb Ordnungsbürgermeister Detlef Sittel (CDU) gestern anlässlich der Präsentation des Notfallzuges in Übigau die Aufgabe des Verbundes. Wenn die Planungen vom Abstrakten jedoch konkrete Formen annähmen, zeigten sich allerdings die wahren Herausforderungen. Die Stückliste der Hilfsmittel unterstreicht das: Handschuhe und Wathosen sind darunter, Gummistiefel und Socken, Arbeitsschuhe und Helme. Allerlei Plastikfolien, in denen durchnässte Dokumente Seite für Seite sicher aufbewahrt werden können und möglichst ihre Form behalten, ehe sie fachmännisch gerettet werden. Notstromaggregate gehören ebenfalls dazu, Kisten und Säcke, Halogenstrahler und Stirnleuchten, Sackkarren und Hubwagen, Leitern, Megafone, Kabeltrommeln.

Etwa 26.000 Euro hat die Ausrüstung gekostet. Einen Teil finanzieren die Einrichtungen, mit 40 Prozent fördert der Bund die Ausrüstung. 9.000 Euro haben die Notfallverbünde aus Leipzig und der Oberlausitz beigesteuert. Auch sie profitieren im Ernstfall von dem Material. Für die ehrenamtlichen Feuerwehrleute aus Kaitz heißt das, dass sie ihren Notfallzug auch dorthin transportieren müssen.

Für die Feuerwehr habe die Rettung von Menschenleben Priorität, sagte Sittel. Doch auch, was Sachgüter von besonderem Wert angeht, spiele Dresden in der Champions League. Der Bürgermeister lobt daher, dass es nun neben den Aufgaben der Feuerwehr ein abgestimmtes Konzept zur Rettung dieser Kulturgüter gebe.

Michael John von den Staatlichen Kunstsammlungen, der Vorsitzende des Notfallverbundes, sagte, die Kernaufgabe sei die Vernetzung und der Erfahrungsaustausch von Fachleuten verschiedener Kunst- und Kultureinrichtungen. Deren Mitarbeiter – es sind etwa 50 – wissen, wie sie im Notfall Dokumente, Bilder oder andere Exponate behandeln müssen. Dank des Handlungskonzeptes können sie auch sehr schnell und aufeinander abgestimmt eingesetzt werden. Das Hochwasser im Juni 2013 habe gezeigt, wie gut die Innenstadt inzwischen geschützt sei. „Das ist eine echte Erfolgsgeschichte.“

Johns Stellvertreter Michael Vogel von der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek Dresden sagte: „Wir sind alle füreinander da und bringen unsere Erfahrungen ein.“ Auch andere Einrichtungen seien im Notfallverbund Dresden willkommen. Es sei gut, dass die Informationen im Ernstfall bei der Feuerwehr zusammenlaufen und von dort zentral gesteuert werden. Es ginge um eine schnelle Erstversorgung der Kunstschätze. Die Mitarbeiter des Verbunds seien nun in der Lage, auch dann autark an einer Einsatzstelle weiterzuarbeiten, wenn die Feuerwehr längst zu einem neuen Einsatzort abgerückt ist.

Im nächsten Jahr ist eine gemeinsame Übung des Notfallzugs, der Experten des Verbunds und der Feuerwehr in einer Kultureinrichtung geplant.