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Wie ein junger Vater seine Frau verlor

Die 35-Jährige starb im Schlaf an Herzversagen. Sie konnte ihr Baby nicht mehr stillen. Der Mann blieb allein mit der acht Monate alten Tochter.

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Von Kathrin Krüger-Mlaouhia

Dieser Einsatz im Sommer zählte für die Notfallseelsorgerin Anne-Dore Horschig zu den bisher tragischsten ihres Ehrenamtes. Sie wurde in ein Dorf bei Radeburg gerufen, in dem ein junger Mann nachts den Rettungsdienst holen musste. Seine Frau lag leblos im Bett, die acht Monate alte Tochter weinte vor Hunger. Ihre Mutter konnte sie nicht mehr stillen: Sie starb an Herzversagen. Ohne vorherige Anzeichen. Ohne die leiseste Erklärung. Auch der Notarzt war damals hilflos, die Rettungskräfte überfordert.

„Ich bin sechs oder sieben Stunden bei dem Mann geblieben, er wollte den Tod seiner Frau zu dem Zeitpunkt noch nicht wahrhaben“, erinnert sich Anne-Dore Horschig. Die junge Familie hatte eigentlich vor, am nächsten Tag in den Urlaub zu fahren. Sie hatte auch gerade neue Möbel gekauft. Heiratspläne waren geschmiedet. Und dann das.

„Sie kriegten das ganze Programm“, kommentiert die Notfallseelsorgerin jenen Einsatz. Glücklicherweise kam bald die Verwandtschaft, und Anne-Dore Horschig wurde noch von einem weiteren Seelsorger abgelöst. „Es hat dem jungen Vater sehr geholfen, dass einfach jemand da war“, erinnert sie sich. Denn rasch musste er sich um Formalitäten kümmern: die Beerdigung, das Finanzielle, das bis dahin seine Partnerin erledigt hatte. Auch einen Antrag aufs Sorgerecht musste der ja noch unverheiratete Vater stellen.

Unterstützung für Bestattungskosten

In dieser Situation konnte die Stiftung Lichtblick helfen. Die Kirchenbezirkssozialarbeit der Diakonie stellte einen Antrag auf eine Spende, um die plötzlich nötigen Bestattungskosten abzufedern. „Der junge Mann hat diese Anteilnahme gebraucht und bekommen, und das tat ihm wirklich sehr gut“, erzählt Anne-Dore Horschig.

Auch wenn er diesen Sommer des Jahres 2013 nie vergessen wird, auch wenn jene Nacht sein Leben total auf den Kopf stellte, hat sich der Vater des kleinen Mädchens wieder gefangen. Derzeit wird die Tochter gerade in die Kinderkrippe eingewöhnt, auch mit der Arbeit scheint es aufwärts zu gehen, ist von der Diakonie zu erfahren.

Die Unterstützung der Stiftung hat mit dazu beigetragen, dass der Mann wieder Lebensmut hat und für seine Tochter da sein kann. Weil Notfallseelsorgerin Anne-Dore Horschig das Band von Vater zu Tochter nach jenem schrecklichen Erlebnis ganz eng zu ziehen half, wurde beiden über den Verlust hinweggeholfen. „Die kleine Tochter hat damals sehr viel geweint, sie war natürlich sehr aufgeregt“, erinnert sich Horschig. Umso wichtig war, dass ihr Vater durch die Unterstützung mit der Trauer fertig wurde und realisieren konnte, dass er nicht allein ist. Dass auch Fremde helfen.