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„Wie ein kriminelles Reisebüro“

Die Bundespolizei sieht trotz rückläufiger Zahlen bei der illegalen Einreise nach Deutschland keinen Grund zur Entwarnung.

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© Archivfoto: Marko Förster

Dresden. Die Bundespolizei sieht trotz rückläufiger Zahlen bei der illegalen Einreise nach Deutschland keinen Grund zur Entwarnung. Schleuserbanden würden unvermindert versuchen, illegal Menschen nach Deutschland zu bringen, sagte Jörg Baumbach, Präsident der Bundespolizeidirektion Pirna, MDR Sachsen. Dabei tauchten immer mehr gefälschte Dokumente auf. „Die Schleuserkriminalität lässt leider nicht nach“, so Baumbach. „Es ist ein Geschäft mit Hochkonjunktur.“

Baumbach vermutet eine große Dunkelziffer. Denn obwohl die klassischen Fluchtrouten gesperrt sind, gäbe es viele Schlupflöcher. „Die Schleuser organisieren den Weg aus dem Fluchtland nach Deutschland wie in einem kriminellen Reisebüro und nehmen den Leuten dafür Unmengen an Geld ab“, so Baumbach. „Mit Menschenhandel und Schleusungskriminalität wird mindestens genau so viel Geld verdient wie mit Rauschgiftkriminalität, möglicherweise noch mehr.“

Das bestätigt auch Markus Pfau von der Bundespolizeiinspektion Kriminalitätsbekämpfung. „Das ist ein hochkrimineller Geschäftszweig, der ein ganzes Portfolio an Dienstleistungen anbietet und für jeden Geldbeutel ist etwas dabei“, so Pfau bei MDR Sachen. In den letzten Monaten wären zunehmend gefälschte Dokumente aufgetaucht, mit denen entweder die Einreise nach Deutschland oder die Erlangung von Aufenthaltstiteln direkt im Land erreicht werden sollte. „Das ist gleichzeitig auch ein Sicherheitsrisiko, weil sie nicht wissen, wer vor ihnen sitzt“, so Pfau. „Das könne entweder ein schutzsuchender illegaler Flüchtling sein, aber auch jemand, der mit anderen Motiven, vielleicht auch extremistisch-terroristischen, nach Deutschland gekommen ist.“

Die einzige Chance im Kampf gegen die internationale organisierte Kriminalität sieht Baumbach in der Bildung internationaler Ermittlergruppen, sogenannter Joint Investigation Teams. Diese könnten grenzüberschreitend tätig werden. Durch eine solche Zusammenarbeit von deutschen und tschechischen Ermittlern sei es beispielsweise im Jahr 2013 gelungen, die größte Dokumentenfälscher-Werkstatt Europas zu zerschlagen.

Die Bundespolizeidirektion Pirna hat im Jahr 2015 in Mitteldeutschland 13 219 unerlaubte Einreisen registriert, davon 1 730 geschleuste Personen. Insgesamt wurden 370 Schleuser festgenommen. Im ersten Halbjahr 2016 waren es 3 102 unerlaubte Einreisen, davon 300 geschleuste Personen. 90 Schleuser wurden bis Ende Juni 2016 gestellt.

Die Sendung „Die Spur der Täter“ berichtet heute um 21.15 Uhr im MDR Fernsehen ausführlich zu den Hintergründen der Schleuserkriminalität.