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Wie ein Umgebindehaus im Internet gebaut wird

Bianca Hertel hat mit ihrer Diplomarbeit ganz neue Wege beschritten. © Foto: Matthias Weber

Eine Zittauer Studentin hat mit ihrer Diplomarbeit die Tür in eine neue Welt aufgestoßen. Fachleute sind begeistert. 

Es kommt wohl selten vor, dass sich zur Verteidigung einer Diplomarbeit die halbe Oberlausitzer Umgebindehaus-Fachwelt trifft. Da muss der jungen Studentin aus dem Fachbereich Wohnungs- und Immobilienwirtschaft der Hochschule Zittau/Görlitz offensichtlich etwas sehr Außergewöhnliches gelungen sein. Und das ist es in der Tat, wie ihr die Umgebindehaus-Experten nach ihrem Vortrag begeistert bescheinigen.

Bianca Hertel hat es zu ersten Mal geschafft, ein Umgebindehaus in seiner gesamten Konstruktion virtuell räumlich darzustellen. Bauteil für Bauteil hat sie für ihre dreidimensionale Präsentation im Internet einzeln gezeichnet. Am Bildschirm lässt sich das Haus aus seinen Einzelteilen zusammensetzen und wieder auseinandernehmen: die Blockstube, das Umgebinde, die Dachkonstruktion. 

Für ihre virtuelle Präsentation hat sich Bianca Hertel ein reales Vorbild gesucht: das Lieske-Häbler-Haus in Großschönau, eines der repräsentativsten und historisch wertvollsten Umgebindehäuser der Oberlausitz. Ihr Modell kommt dem 1738 gebauten und im Jahr 2000 originalgetreu restaurierten Haus fast so nahe wie eine Fotografie.

Und nicht nur das: Die junge Diplomandin hat das Haus auch virtuell begehbar gemacht. Auf dem Smartphone oder noch besser mit einer 3-D-Brille kann man das Haus virtuell betreten und in alle Räume schauen. Sogar alte Bauernmöbel hat die Diplomandin dafür am Computer hergestellt. "Sie haben mit dieser Arbeit die Tür in eine neue Welt aufgestoßen, die es für Umgebindehäuser bisher nicht gab", sagt ihr der emeritierte Hochschulprofessor Christian Schurig nach der Verteidigung. "Wir werden noch staunen, was man damit alles machen kann." Die Möglichkeit, Umgebindehäuser auf diese Weise zu zeigen, könnte künftig nicht nur für Baufachleute interessant sein, sonder auch für die Immobilienwirtschaft. "Man könnte Interessenten auf diese Weise zeigen, was aus heute noch baufälligen Häusern werden könnte", so Schurig.

Für die frisch gebackene Diplom-Wirtschaftsingenieurin Bianca Hertel werden die einzigartigen Oberlausitzer Umgebindehäuser vorerst allerdings kein Thema mehr sein. Die 23-Jährige hat sich ihren Traumjob anderswo gesucht. sie arbeitet schon seit vier Wochen als Projektmanagerin in einem großen Unternehmen in Berlin. Ihre Arbeit bleibt an der Hochschule in Zittau. Auf der Internetseite des Informationszentrums Umgebindehaus, das hier an der Fakultät Wirtschaftswissenschaften und Wirtschaftsingenieurwesen angesiedelt ist, sind die eindrucksvollen Ergebnisse aus der Diplomarbeit zu besichtigen.

Hier geht es zu der virtuellen Präsentation:

- Umgebindehaus

- Blockstube

- Bauweisen

Weitere Infos unter umgebindehaus.hszg.de

Das Großschönauer Lieske-Häbler-Haus im Vergleich: links vom Lichtstrahl das virtuelle Modell, rechts die Fotografie.
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