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Junge Software-Firma erobert die Welt

Immer mehr Start-ups der Hightech-Branche drängen wie die Apinauten aus Leipzig auf den Markt. Dabei setzt sich der Freistaat als Standort gegen starke Konkurrenz durch.

© dpa/Sebastian Willnow

Von Sven Heitkamp, Leipzig

Als sich Marcel Etzel mit seinem Team von Jena aus für den Standort für seine Firmengründung entscheiden muss, wird es am Ende Leipzig, Sachsen: Die Stadt und der Freistaat, sagt der 34-jährige Wirtschaftsinformatiker heute, bot im Vergleich mit Thüringen, Hessen und Berlin die besten Bedingungen. 2012 gingen die fünf Gründer mit ihrem „ApiOmat“ an den Start, 2013 kamen sie nach Sachsen. Heute haben die Softwareentwickler rund 50 Mitarbeiter, kleine Büros in Palo Alto und Cincinnati in den USA und mehr als 50 große Kunden. Dazu zählen der Volkswagen-Konzern, das Finanzhaus Union Investment und der bundesweite Weiterbildungsanbieter Berlitz sowie Unternehmen in den USA und Japan.

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Die Apinauten stehen damit für einen landesweiten Trend: Das Wachstum der Digitalisierungs-Branche. „Die Digitalisierung ist mehr und mehr ein wichtiger Innovationstreiber und eröffnet vielfältige Chancen für Gründer“, sagte Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) am Montag auf der zweiten Digitalkonferenz des Freistaates in Leipzig. Dort berieten rund 200 Experten über die Auswirkungen der Digitalisierung auf Industrie, Handwerk, Tourismus, Gesundheit, Landwirtschaft und Bildung. Von den knapp 15 000 Menschen, die voriges Jahr den Schritt in die unternehmerische Selbstständigkeit gewagt hätten, sei ein großer Teil aus den Bereichen Hightech sowie Informations- und Kommunikationstechnologie gekommen, berichtet Dulig.

„Wir wollen Mut machen, sich selbstständig zu machen. Sachsen bietet Start-ups sehr gute Möglichkeiten.“ Dazu gehörten auch die beiden neuen Hubs des Bundes „Smart Systems“ in Dresden und „Smart Infrastructure“ in Leipzig. Die Digitalisierung sei eines der Schlüsselthemen und zugleich die größte Herausforderung der Wirtschaftsentwicklung in den nächsten Jahren, so Dulig. Daher habe der Freistaat als eines der ersten Bundesländer die Strategie „Sachsen Digital“ verabschiedet und treibe den dringend nötigen Breitbandausbau landesweit voran.

Die Apinauten wissen das Engagement zu schätzen. Die Förderbedingungen in Thüringen und Hessen wären für sie deutlich strenger gewesen als in Sachsen, erzählt Gründer Marcel Etzel. Sie hätten zum Beispiel mit privatem Vermögen haften müssen. Auch bei der Wahl zwischen Berlin und Leipzig sei die Entscheidung klar für Leipzig gefallen, gerade, weil die Gründerszene im Freistaat noch relativ klein und überschaubar sei. Man bekomme relativ gut Kontakt zu Stellen, die etwas finanzieren und die etwas entscheiden könnten. Die Universität und die Hochschulen der Stadt würden zudem Nachwuchs an jungen Entwicklern gewährleisten. „Der Wettbewerb um Know-how und die Infrastrukturkosten sind nicht so verrückt wie in Berlin“, sagt Etzel. „Wir haben es bis heute nicht bereut, in Leipzig zu sein.“

Privates Risikokapital

Der Technologiegründerfonds Sachsen hat den jungen Apinauten-Gründern seit 2013 geholfen, ihr Software-Produkt zu entwickeln und auf den Markt zu bringen. 2015 folgte eine weitere millionenschwere Finanzierungsrunde mit privatem Risikokapital. Ihr Produkt, der preisgekrönte „ApiOmat“, ermöglicht es Unternehmen mit unterschiedlichster IT aus früheren Generationen, ihre Software sehr schnell mit mobilen Geräten wie Smartphones und Tablets zu vernetzen und passende Apps dafür zu entwickeln. „Wir stellen den Kunden eine Art digitale Werkbank bereit, auch wenn die hausinterne Software noch aus den 90er-Jahren stammt“, sagt Etzel. Gerade sei zum Beispiel der Volkswagen-Konzern dabei, sämtliche Autohäuser mithilfe des „ApiOmat“ zu digitalisieren, sodass Mitarbeiter und Kunden direkt auf VW-Informationen zugreifen können.

„In jeder Entwicklungsphase gab es ein Förderprogramm in Sachsen, das zu uns gepasst hat“, sagt Etzel. Und dennoch hat er einen weiteren Wunsch: „Wir müssen dem Mittelstand finanziell unter die Arme greifen, wenn es um die Digitalisierung geht.“ Bisher sei diese Welle vor allem ein Thema für große Unternehmen – kleine und mittlere Unternehmen bräuchten dabei mehr Unterstützung. Laut Dulig gibt es schon jetzt Chancen über die einzelbetriebliche Förderung und die Mittelstandsrichtlinie, in die Digitalisierung zu investieren.

Mehr private Förderung wünscht sich indes Eric Weber, der Chef des „Spinlabs“ der privaten Handelshochschule HHL in Leipzig. Die Start-up-Rampe hat bisher 30 jungen Unternehmen auf die Beine geholfen, davon sind noch 27 aktiv. Sie haben heute rund 200 Mitarbeiter und durchschnittlich 700 000 Euro Startkapital akquiriert. Doch in Sachsen gebe es mangels großer Vermögen deutlich weniger Hilfe von privaten Business-Angels, die Geld in Start-ups investierten.

In Berlin waren es im ersten Halbjahr 2017 etwa 1,4 Milliarden Euro, in Sachen gerade mal 30 Millionen, erzählt Weber. „Eine stärkere private Struktur wäre von Vorteil.“ Dulig weiß das. Der Freistaat unterliege allerdings starken Beschränkungen, was er an Risikokapital ausreichen könne. Sein Ministerium habe daher eine Broschüre zur Start-up-Szene und zu privaten Unterstützungs- und Fördermöglichkeiten in Sachsen herausgegeben. Sie ist ab dieser Woche erhältlich.