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Wie eine Kochlehre hilft, die Welt zu erobern

Lukas Nachtigall lernt im Hotel Elbschlösschen in Kurort Rathen mehr, als nur am Herd zu stehen. Jetzt gewann er den Dehoga-Kochwettbewerb.

© Norbert Millauer

Von Gunnar Klehm

Kurort Rathen/ Heidenau. Lukas Nachtigall sitzt erwartungsfroh am Konferenztisch im Hotel Elbschlösschen in Kurort Rathen. Statt eines Business-Outfits, wie es jetzt möglicherweise seine früheren Schulkameraden tragen, hat er ein weißes Kochhemd an und beantwortet geduldig die Fragen des SZ-Redakteurs. Diese Aufmerksamkeit hat sich der frühere Einser-Abiturient vom binationalen Schiller-Gymnasium in Pirna redlich erarbeitet. Er ist zwar erst im zweiten Jahr Kochlehrling im Elbschlösschen, hat aber schon den Titel des besten Lehrlings im Regionalverband Dresden der Dehoga eingeheimst.

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Für den Wettbewerb um den Ernst-Lößnitzer-Pokal hatten sich 100 Lehrlinge der Berufe Köchin/Koch, Restaurantfachfrau/-mann und Hotelfachfrau/-mann beworben. Nach einer Theorieprüfung im Dezember qualifizierten sich schließlich 18 Auszubildende für das Finale.

Für alle Köche war ein einheitlicher Warenkorb gegeben. In einer halben Stunde mussten sie aufschreiben, welches Vier-Gänge-Menü jeder daraus kochen wollte. Am nächsten Tag musste alles innerhalb von fünf Stunden auf den Tellern sein. Das schaffte Lukas Nachtigall mit Bravour und setzte sich gegen die Konkurrenz aus den Dresdner Fünf-Sterne-Häusern durch.

Das Kochen ist seine Leidenschaft. Schon als Kind half er in der Küche der Eltern. „Nach dem Abi war ich nicht sicher, ob ich studieren sollte. Ich wollte lieber etwas Praktisches machen“, sagt der 20-jährige Heidenauer. Nach dem Bewerbungsgespräch im Elbschlösschen war er überzeugt, dass die Bedingungen so waren, wie er es sich vorgestellt hatte. „Das Haus ist nicht zu groß, aber groß genug, um vieles möglich zu machen“, sagt der Lehrling.

Außerdem wusste er, dass in der Küche in Rathen erfahrene Köche aus Tschechien arbeiten. Mit ihnen kann er sich problemlos unterhalten, dank seines Wissens aus dem deutsch-tschechischen Gymnasium in Pirna. Weitere Pluspunkte fürs Elbschlösschen waren, dass es hier eigens eine Ausbilderin in der Küche gibt. Zudem können sich alle Lehrlinge für Praktika im Ausland bewerben. Lukas Nachtigall war für acht Wochen in Österreich. „Da habe ich auch Ideen mitgebracht, die ich in mein Sieger-Menü eingebracht habe“, sagt er.

Für das Hotel sind diese Praktika erst einmal nur ein Zuschussgeschäft. „Motivierte Mitarbeiter bekommt man aber nun mal nicht für lau“, sagt die stellvertretende Hoteldirektorin Michaela Becker. Sie ist stolz darauf, im Wettbewerb mit den Dresdner Hotels mitgehalten zu haben.

Doch nicht nur Wettbewerbe und Praktika bereichern die Lehrausbildung. Lukas Nachtigall macht während seiner Lehre auch noch eine Weiterbildung zum Sächsischen Weinberater auf Schloss Wackerbarth. Das ist eher unüblich für einen Koch. Doch der Heidenauer nennt das „über den Tellerrand ins Weinglas schauen“. Dass er nach seiner Ausbildung im Elbschlösschen bleibt, hält er derzeit für unwahrscheinlich. Wohin die Reise gehen soll, weiß er noch nicht genau. Aber in die Welt hinaus, das will er. Das steht fest.

Was nützt es aber dem Rathener Elbschlösschen, einen sehr guten Koch auszubilden, der sich nach dem Abschluss verabschiedet? „Das wäre zwar schade“, sagt Michaela Becker, aber bis auf einen weiteren blieben alle anderen Lehrlinge dem Hotel nach ihrer Ausbildung treu. „Sie haben alle einen Arbeitsvertrag von uns in der Tasche.“ Wettbewerbserfolge wie jetzt bei der Dehoga – und da zählt sie ausdrücklich auch den 4. Platz von Lena Stolzmann als angehende Hotelfachfrau dazu – seien natürlich gut fürs Image. Das wirke sich auch positiv auf die zukünftige Gewinnung von Lehrlingen aus, die bekanntlich immer schwieriger wird.

Nur Ostern stand Lukas Nachtigall mal nicht in Küche, da wurde er von seiner Mutter und der Oma bekocht. Den traditionellen Karfreitags-Kartoffelsalat bekomme er sowieso nicht besser hin als seine Großmutter. „Von ihr ist er einfach am besten.“