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Wie fährt sich das textile Rad, Herr Berbig?

Im Interview erklärt Erfinder Ingo Berbig, wie Kunststofffasern das Fahrrad leichter machen und warum er sein Fahrrad nicht vor Dieben sichert.

Ingo Berbig ist selbst Radsportler und leitet das Team von PiRobe aus Chemnitz. © Thomas Kretschel

Herr Berbig. Bauen Sie eigentlich nur coole Fahrräder, oder cruisen Sie damit auch mal selbst so richtig durch die Kante?

Na schon. Ich habe dafür nicht nur ein Fahrrad. Früher waren es zwar ein paar mehr Kilometer, so an die 20.000 im Jahr. Jetzt sind es weniger geworden.

Wie sehen Ihre Speichen aus? Textil oder Stahl oder Carbon?

Wo’s geht, sind die natürlich aus Textil …

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… und wo geht es noch nicht?

Das ist der Rennradbereich. Dafür entwickeln wir derzeit die Räder. Aber auch da habe ich bereits ein Testmodell in der Erprobung. Und es funktioniert gut.

Mit diesen superleichten und auch teuren Speichen, sind Sie damit schon mal so richtig gestürzt?

Natürlich. Wir sind letztes Jahr beim 24-Stunden-Rennen mitgefahren. Da gab es schon heftige Stürze, auch weil es vom Wetter her so richtig mies war. Aber den Speichen ist nichts passiert.

Denen am Rad nicht, und wie sah’s mit Ellen und Speichen in den Armen aus?

Alles gut. Ich hatte Glück.

Sind die Textil-Speichen so gut wie unkaputtbar?

Zumindest sind sie sehr, sehr stabil, vor allem nicht zu steif. Sie brechen halt nicht. Bei den mittlerweile 100 ausgelieferten Laufradsätzen gab es nur drei Fälle, bei denen wir eine Speiche tauschen mussten. Die Vorfälle dort hätte aber auch keine andere Speiche heil überstanden.

Speiche verchromt, das war einmal. Beige, grün, blau, einfach bunt wird’s. Was ist Ihr Lieblings-Flechtmuster am Rad? Schwarz wie Carbon?

Nein, einfach nur beige. Das fällt auf, und die Naturfarbe sieht man sonst nirgends.

Sie haben das Rad noch mal erfunden. Wie kommt man auf so eine abgefahrene Idee?

Als Radfahrer und Maschinenbau-Ingenieur, das passt halt gut zusammen. Da weiß ich doch genau, worauf es ankommt. Und ich habe das Wissen, dies umzusetzen. Das ist doch cool, einfach mal etwas erfinden, etwas verbessern, was einem auch ganz persönlich nützt.

Wie sichern Sie Ihr Fahrrad eigentlich, wenn die Räder allein schon mindestens 1.000 Euro kosten?

Gar nicht.

Wie? Gar nicht?

Ich habe dafür kein Schloss. So ein Fahrrad schließt man nicht auf der Straße an. Das ist immer dabei. Das kommt mit in die Wohnung.

Das Interview führte Stefan Schön.

Skurriler geht´s kaum. 50 Sekunden im Fahrstuhl aufwärts, es bleiben genau elf Stockwerke Zeit, eine wichtige Erfindung oder Idee vorzustellen. Wir haben es gefilmt. Dann öffnet sich die Fahrstuhltür, und nichts geht mehr. Schnitt, aus. Der Elevator-Pitch mit den Erfindern ist hier im Video zu sehen. Seinen Ursprung hat das Ganze darin: Erst mal muss man eine richtig gute Idee haben, und dann zufällig eine wichtige Person im Fahrstuhl treffen. Es bleibt genau diese Zeit, um von der Idee oder dem Produkt zu überzeugen. Kommt der Fahrstuhl an, verabredet man sich auf einen Termin oder sieht sich zu diesem Thema halt nie wieder.

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