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Wie feuerfest sind Dresdens Hochhäuser?

Die höchsten haben 17 Etagen. Die Feuerwehr hat ganz besondere Einsatzregeln entwickelt.

© Roland Halkasch

Von Christoph Springer

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Feueralarm im Hochhaus. Es brennt im fünften Stock des Plattenbaus Grunaer Straße 5. Alle Dresdner kennen den 13-Geschosser, an dem früher der Schriftzug „Der Sozialismus siegt“ prangte. Flammen schlagen aus einer Wohnung auf der Rückseite des Hauses. Das Feuer züngelt über den Balkon zur Wohnung darüber, dichter Qualm steigt empor.

In London hätte der Brand, der sich am 25. Mai ereignete, vielleicht zu einer Katastrophe geführt. Denn dort konnte das Feuer auf brennbare Teile der Fassade übergreifen und sich in Windeseile auf das ganze Haus ausbreiten. In England dürfen Fassaden auch mit brennbaren Materialien verkleidet sein. In Deutschland ist das verboten und eine Brandkatastrophe wie am Mittwoch im Londoner Stadtteil Nord-Kensington (sz-online berichtete) damit nahezu ausgeschlossen. Das sagt Andreas Rümpel, Chef der Dresdner Berufsfeuerwehr. „Die Ausbreitung eines Feuers von einer Etage auf eine andere muss baulich verhindert werden“, erklärt er die hiesigen Vorschriften. Das gilt für die Wärmedämmung einer Fassade ebenso wie für Balkonbrüstungen und Loggiaverkleidungen. Brennbare Kunststoffe sind dort tabu. „Beides ist im deutschen Bauordnungsrecht vorgeschrieben.“

Sind die Dresdner Hochhäuser deshalb absolut sicher? „Was in London passiert ist, kann hier nicht passieren“, ist sich Rümpel sicher. Dennoch ist die Dresdner Feuerwehr für Brände wie den am 25. Mai in dem Plattenbau am Pirnaischen Platz gerüstet. Sie wendet eine spezielle Taktik an, um Feuer in solchen Gebäuden schnell zu löschen. Was die Brandschützer zu tun haben, steht in einem fünfseitigen Plan. Es sind „Standardeinsatzregeln für den Feuerwehreinsatz“ bei Bränden in Hochhäusern.

Gleich am Anfang steht, was überhaupt ein Hochhaus ist. „Dazu zählt jedes Wohngebäude mit mindestens zehn Stockwerken“, erklärt Rümpel, „alles ab 22 Metern Höhe“. Dresden hat unter anderem Zehngeschosser, aber auch Plattenbauten mit 15 und 17 Etagen. Solche Hochhäuser stehen zum Beispiel an der Michelangelostraße. „Das sind dann 51 Meter“, beschreibt der Feuerwehrchef die Wohnriesen in Zschertnitz. Bei diesen Gebäuden wurde schon beim Bau an die besonderen Brandschutzherausforderungen gedacht. Sie haben Treppenhäuser, in die bei einem Wohnungsbrand kein Rauch eindringen kann. Denn von den Wohnungen führen offene Gänge zu den Treppenhäusern. Evakuierungen sind deshalb jederzeit machbar. „Solange notwendige Flure vor Wohnungen und Treppenräume rauchfrei sind, kann man das Gebäude gefahrlos verlassen“, sagt Rümpel.

Anders ist das zum Beispiel bei den Hochhäusern an der Budapester Straße. Sie haben weder einen solchen Sicherheitstreppenraum noch zwei voneinander getrennte Treppenhäuser. Das bedeutet, die Feuerwehr muss die Bewohner bei einem Brand zur Not auch durch ein Treppenhaus ins Freie bringen, in das Rauch gelangen kann. Dann blasen oder saugen die Brandschützer zuerst den Qualm aus dem Gebäude. „Man würde diese Häuser heute nicht wieder so bauen“, sagt Rümpel. Denn Rettungswege müssen heute bei jedem Neubau eingeplant werden. Dazu gehören auch sogenannte Feuerwehraufzüge, die auch dann nicht gleich ausfallen, wenn es in einem Haus brennt. Nur die Feuerwehr darf sie dann benutzen, dafür haben die Brandschützer einen eigenen Schlüssel, mit dem sie sich das exklusive Bedienrecht sichern können.

Dresden hat laut der Rechnung der Feuerwehr 336 Wohnhochhäuser. Das ist die Summe aller Hausnummern, die mindestens zu einem Zehngeschosser gehören. Sie sind Teil der etwa 4 000 Dresdner Sonderbauten, von denen die Feuerwehr eigene Pläne hat. Dazu gehören auch Einkaufszentren, Krankenhäuser, Schulen, Hotels und Gaststätten. In den Plänen sind unter anderem die Etagengrundrisse verzeichnet. Aus rund 100 davon haben die Brandschützer wiederum spezielle Einsatzpläne abgeleitet, in denen klar geregelt ist, welche Aufgaben jeder Löschzug hat. „So einen Plan gibt es zum Beispiel für Karstadt, damit nicht alle zum gleichen Eingang fahren“, beschreibt Andreas Rümpel diese Handlungsanweisungen.

In den Einsatzplänen steht auch, wann und wo Feuerwehrleitern nötig sind. Für die Bergung von Menschen sind sie eigentlich nicht gedacht. Die Brandschützer brauchen sie vor allem, um bei Löscheinsätzen von außen auch an höher gelegene Feuer heranzukommen. Ist der Leiterkorb mit drei Mann voll besetzt, kann er bis in 23 Meter Höhe ausgefahren werden. Das reicht für einen Zehngeschosser. Mit nur einer Person geht es notfalls sogar bis in 32 Meter Höhe. Die Leitern werden aber nur im Notfall eingesetzt, um Menschen aus brennenden Häusern und Wohnungen zu retten.

Ansonsten gilt: Aus einem brennenden Haus bringt man sich am besten selbst in Sicherheit, solange Flure und Treppenhäuser nicht verqualmt sind. Andernfalls wartet man in seiner Wohnung ab und achtet auf Anweisungen der Feuerwehr, rät der Chef der Dresdner Brandschützer.