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Wie Flüchtlinge in Arbeit kommen

Viele Asylbewerber wollen mit anpacken. Doch Wunsch und Wirklichkeit liegen auch im Bautzener Land oft weit auseinander.

© Uwe Soeder

Von Sebastian Kositz

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Bautzen. Ziemlich kalt ist es in Deutschland, sagt Sameer Gergt, lacht kurz und reibt sich mit seinen Händen über die Oberarme. In Syrien, seiner Heimat, brauchte der 54-Jährige keine warme Winterjacke. An seinem früheren Arbeitsplatz, auf dem größten Ölfeld des Landes, lief der Ingenieur kurzärmlig herum. Vor etwa dreieinhalb Jahren waren er, seine Frau und seine beiden Söhne nach Deutschland gekommen. Als Geflüchtete vor Krieg und Gewalt wurden sie bald anerkannt. Nur eine Arbeit hat der Experte für Chemie nicht gefunden – obwohl er exzellente Qualifikationen vorweisen kann.

Sameer Gergt will anpacken, sucht händeringend einen Job. Mit einem rappelvollen Ordner sitzt er in einem Büro der Ostsächsischen Dienstleistungs- und Service Gesellschaft (ODS) in Bautzen. Das Unternehmen setzt im Kreis Bautzen ein Modellprogramm des sächsischen Wirtschaftsministeriums um, will Flüchtlingen wie Sameer Gergt helfen, eine Arbeit zu finden. Im Oktober 2016 war das Projekt gestartet worden. Inzwischen sind immerhin schon 29 Menschen im Landkreis Bautzen so zu einer Arbeitsstelle oder in eine Ausbildung gekommen. Und es sollen noch viel mehr werden. Die ODS betreut in der Region aktuell bereits knapp 200 Geflüchtete, um sie fit für den Arbeitsmarkt zu machen. Und immer mehr Flüchtlinge zeigen Interesse.

In seinem Ordner hat Sameer Gergt einen Lebenslauf, Zeugnisse, die Nachweise über seine Qualifikationen – alles übersetzt in Deutsch. Auf dem Ölfeld in Syrien war er der Vorgesetzte von Dutzenden Mitarbeitern, spricht fließend Englisch und inzwischen auch sehr gut Deutsch. Ein Fachmann, der es eigentlich nicht schwer haben sollte, einen neuen Job zu finden. Nur: Deutschland ist eben keines der Länder, das auf großen Gas- und Erdölverkommen sitzt. Der Syrer ist zwar hoch qualifiziert – seine speziellen Fähigkeiten auf dem hiesigen Arbeitsmarkt aber kaum nachgefragt.

Firmen zeigen zunehmend Interesse
Für die ODS ist Sameer Gergt daher eine besondere Herausforderung. Die wenigsten, das sagt ODS-Geschäftsführer Stefan Schreier ganz offen, sind allerdings so gut qualifiziert wie Sameer Gergt. „Das ist ein Bruchteil, da müssen wir uns nichts vormachen“, erklärt der ODS-Chef. Die Bereitschaft, Arbeiten zu wollen, zeigen indes viele Geflüchtete. Zwischen den Ansprüchen und den tatsächlichen Möglichkeiten liegen allerdings nicht selten Welten.

Simone Stange ist bei ODS die Projektleiterin und erlebt solche Situationen öfter: „Viele sagen, sie wollen studieren. Aber das Wort studieren hat bei ihnen eine andere Bedeutung.“ Gemeint ist eine Ausbildung. Doch schon bis dahin ist es für viele ein weiter Weg. Ein Weg, der im Büro von Simone Stange und ihren Kollegen beginnt.

Die ODS-Mitarbeiter prüfen zunächst die Bleibeperspektiven, Zeugnisse und möglichen Qualifikationen der Geflüchteten, sprechen im Anschluss über deren Vorstellungen und Wünsche – und müssen oft unrealistische Erwartungen zurückweisen. „Einige wollen beispielsweise Mechatroniker werden. Das ist jedoch eine sehr anspruchsvolle Ausbildung, da braucht es umfangreiche Vorkenntnisse“, erklärt die Projektleiterin. Doch entsprechende Zeugnisse oder Qualifikationen können die meisten nicht vorweisen. Und die größte Hürde ist ohnehin die Sprache: Denn den meisten fehlt es an Deutschkenntnissen.

Die Integration in den Oberlausitzer Arbeitsmarkt startet somit für die Flüchtlinge oft in Deutschkursen – bis die Sprache gut genug sitzt. Auch deshalb, so sagen die Verantwortlichen bei ODS, ist die Zahl der in Lohn Brot gebrachten Geflüchteten bisher überschaubar geblieben. Bei 31 Flüchtlingen, so sagt Simone Stange, enden jetzt im März die Deutschkurse: „Die könnten dann ab September in eine Ausbildung gehen.“

Suche nach Wohnung oder Fahrrad

Statt Mechatroniker lauten die Perspektiven oft Bäcker, Maler oder Metall- und die Kunststoffbranche. Aktuell arbeitet ODS mit 23 Betrieben im Landkreis zusammen – und das Interesse wird immer größer. Gerade in den Branchen, die unter der Fachkräfteknappheit leiden. Und viele Betriebe, erklärt Simone Stange, ziehen auch aktiv mit. „Die Herausforderungen sind eher die ganz banalen Dingen. Die Flüchtlinge haben kein Auto, viele Betriebe sind aber nur schwer mit dem Bus erreichbar“, so Simone Stange. Die ODS kümmert sich auch in diesen Fällen, hilft gemeinsam mit den Betrieben bei der Suche nach einer Wohnung in Jobnähe oder treibt auch schon mal kurzerhand ein Fahrrad auf.

Bislang sind die meisten bei den Ausbildungen dran geblieben. Ein Teil von ihnen, sagt Stefan Schreier, wird die Lehre packen – einige werden sicher scheitern. Das gebe es bei den Deutschen ja auch, betont Stefan Schreiber. Für sie bleiben dann Hilfsarbeiterjobs: „Aber die machen sie dann auch.“

Im Fall von Sameer Gergt sind die Mitarbeiter von ODS voller Hoffnung, noch etwas Passendes zu finden. „Er braucht nur eine Chance, den Betrieb kennenzulernen. Leider wollen Firmen oft jemanden haben, der sofort funktioniert“, sagt Simone Stange. Im Moment lebt der Syrer von Sozialleistungen. Das Geld, so erklärt er, sei ihm gar nicht so wichtig: „Ich bin Ingenieur und möchte endlich wieder arbeiten.“