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Wie gefährlich ist die Afrikanische Schweinepest?

Noch hat die tödliche Seuche die Oberlausitz nicht erreicht, doch die Jäger werden bereits aktiv.

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© dpa

Von Miriam Schönbach

Die Gefahr lauert jenseits der Grenze. Vor wenigen Wochen wurde in der Nähe des tschechischen Zlin bei zwei toten Wildschweinen der ASP-Virus festgestellt. ASP steht für Afrikanische Schweinepest. Auch im Landkreis Bautzen sind inzwischen alle Jäger durch die Untere Jagdbehörde und das Veterinäramt über die erforderlichen Maßnahmen informiert, sollte ein Schwarzkittel mit dem Krankheitserreger gefunden werden. Noch sei alles im grünen Bereich, sagt der Vorsitzende des Kreisjagdverbands Lothar Jentschel. „Wir wissen aber nicht wie lange.“

Denn die Afrikanische Schweinepest wird im seltensten Fall von Schwein auf Schwein übertragen. „Meist wird der Virus durch den Menschen eingeschleppt. Schon ein weggeworfenes Schinkenbrot im Wald kann den Erreger enthalten“, sagt Lothar Jentschel. Aus diesem Grund hat auch das Bundeslandwirtschaftsministerium zur erhöhten Achtsamkeit aufgerufen. Mit Plakaten in insgesamt elf Bundesländern, darunter auch Sachsen, werden Reisende aufgefordert, Speisereste nicht achtlos in die Natur zu werfen, sondern nur in verschlossene Müllbehältern zu entsorgen. Denn der Virus ist sehr widerstandsfähig. Untersuchungen ergaben, dass der Erreger in kontaminiertem Kühlfleisch bis zu 104 Tage, in verschiedenen Schinken bis zu 400 Tage und in Salami bis 30 Tage überleben kann. „In unserer Region sehe ich darüber hinaus auch die Gefahr, dass der Virus über den Fernverkehr aus Osteuropa zu uns gelangt“, sagt der Verbandsvorsitzende.

In Kenia zum ersten Mal dokumentiert

Neben den toten Tieren aus der Tschechischen Republik sind derzeit beim Friedrich-Löffler-Institut – das ist das Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit – ASP-Fälle in Polen, Litauen, Lettland und Estland sowie in Russland, Weißrussland und der Ukraine bekannt. Mit dem Schiff kam der Virus wohl 2007 von Afrika nach Georgien. In den Ursprungsländern übertragen Lederzecken die Seuche. Zum ersten Mal wird die Erkrankung 1921 in Kenia beschrieben. Wissenschaftler gehen davon aus, dass europäische Kolonialherren mit ihren Hausschweinen den Virus auf den schwarzen Kontinent brachten.

Laut aktuellen Angaben des Friedrich-Löffler-Instituts sind mit Stand vom 22. August 2 103 Fälle von ASP bekannt, darunter sind 1 929 Wildschweine. Aus diesem Grund bewerten die Experten des Bundesforschungsinstituts das Risiko einer Einschleppung der Afrikanischen Schweinepest nach Deutschland inzwischen als hoch und rufen zur erhöhten Wachsamkeit auf. Unbehandelte Jagdtrophäen aus betroffenen Ländern würden genauso ein Einschleppungsrisiko darstellen wie mitgebrachter Reiseproviant aus den betroffenen Gebieten Osteuropas.

Wildschwein-Population verkleinern

Für den Menschen besteht indes keine Infektionsgefahr. „Das hochansteckende Virus endet für Wildschweine aber tödlich und kann auf Hausschweinbestände übergreifen. Die Tiere sind im Durchschnitt in 72 Stunden tot“, sagt Lothar Jentschel. Bisher gibt es keine Impfung oder Gegenmittel für diese Seuche. Bei einer Seuchenfeststellung bei einem Wildschwein im Landkreis sind für die Schweinehalter katastrophale Folgen zu befürchten. Der Schutzmaßnahmeplan beschreibt unter anderem die Errichtung einer Sperrzone von 15 Kilometern rund um den Tot-Fund, ein vollständiges Jagdverbot von 21 Tagen für alle Tierarten und das Verbot der Freilandhaltung von Hausschweinen. Darüber hinaus wird eine Pufferzone eingerichtet, für die weiteren Einschränkungen gelten.

Für Jäger lautet deshalb derzeit die Devise: Augen auf bei Fallwild. „Bei einem toten Tier, das keine Schussverletzung hat oder offensichtlich durch einen Unfall mit einem Auto starb, müssen sofort die Alarmglocken läuten“, sagt Lothar Jentschel. Gleichzeitig sind seine Jagdkollegen aufgefordert, die riesige Wildschweinpopulation durch Abschuss zu verkleinern. Die tschechischen Behörden gehen unterdessen rigoros gegen die Seuche vor. Das 50 Quadratmeter große Infektionsgebiet umschließt inzwischen ein Elektrozaun, um infizierte Schwarzkittel im Bereich zu halten. Die Landwirte müssen die Ernte stehenlassen. Denn es gilt, die Ausbreitung des ASP-Virus zu verhindern.