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Wie geht das, Herr Doktor?

Am Ebersbacher Klinikum dürfen am Sonnabend Besucher operieren, sich selbst eine Creme mischen und Probe liegen.

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© Thomas Eichler

Von Anja Beutler

Die beiden Chefärzte Ulrich Krohs und Frank Ettrich stehen oft in diesem Operationssaal im Klinikum in Ebersbach. Zuvor haben sie OP-Kleidung, Haube und Mundschutz angezogen und sich natürlich gründlich die Hände desinfiziert. Ganz so streng werden am Sonnabend die Regeln freilich nicht sein, wenn sich Besucher zum Tag der offenen Tür am Klinikum-Standort Ebersbach selbst in diesen OP-Saal „einschleusen“ lassen dürfen. „Wir öffnen einen von drei Sälen, denn wir müssen ja im Ernstfall auch noch operieren können“, sagt Klinik-Geschäftsführer Steffen Thiele.

Natürlich hoffen er und die zusätzlichen Kollegen, die zur Unterstützung am Sonnabend mit vor Ort sein werden, dass möglichst wenig Ernstfälle dazwischen kommen. Immerhin sollen sich die Besucher in Ruhe umsehen können. Denn zu sehen und auszuprobieren gibt es zwischen 9 und 16 Uhr genug: Anstelle von Chirurg Dr. Krohs und seinem Team können Besucher selbst eine Schlüsselloch-OP an einem Dummy testen. Knochenmodelle stehen bereit, um Fragen anschaulicher beantworten zu können. Und im Linksherzkatheter-Labor werden Ärzte und Schwestern erklären, was genau die Mitarbeiter da tun und wie das Verfahren ganz praktisch aussieht. „Wir wollen den Besuchern einen Einblick in die Bereiche der Klinikarbeit ermöglichen, die man sonst eben nicht sehen kann – einen Blick hinter die Kulissen“, sagt Geschäftsführer Thiele. Denn in den vergangenen Jahren ist viel im und am Klinikum Oberlausitzer Bergland passiert, betont Thiele und erinnert beispielsweise an die im Vorjahr abgeschlossene Rekonstruktion der OP-Säle in Ebersbach.

Zum Programm gehört auch eine Station, die man als Patient wohl nicht unbedingt besuchen möchte: die Intensivstation (ITS). Sie strotzt vor Technik und Messgeräten, die einen Patienten genau überwachen – und piepen, wenn ein Wert aus dem Ruder läuft. Den eigenen Blutdruck, Blutzucker oder Sauerstoffgehalt des Blutes bestimmen lassen, klingt eher harmlos und ist am Sonnabend möglich.

Probe liegen können die Besucher auch auf einem Spezialbett, das es auf den normalen Stationen so nicht gibt. „Patienten auf der Intensivstation liegen oft länger und können sich meist aus eigener Kraft nicht bewegen, deshalb gibt es hier spezielle Betten“, erklärt Steffen Thiele. Wie Narkose- und Operations-Routinen ablaufen, und wo der Patient schließlich nach einem Eingriff wieder aufwacht, auch das zeigen Auszubildende und Mitarbeiter der Anästhesie dann für jedermann. Ins Auto schauen lassen sich zudem die Rettungssanitäter, die mit zwei Fahrzeugen am Krankenhaus vor Ort präsent sind.

Natürlich wollen die Ärzte und Schwestern gleich die Chance ergreifen, ein bisschen Aufklärung zu betreiben: Das Brustzentrum wird zum Tag der offenen Tür an Modellen aus Silikon einmal die Besucher selbst tasten lassen, was möglicherweise ein Knoten sein könnte, der behandelt werden muss. Dieser Aspekt ist Thiele und seinen Kollegen sehr wichtig – ähnlich wie auch im Herzkatheter-Labor: „Wir wollen sensibilisieren, wann man zum Arzt gehen muss und dass Vorsorge wichtig ist.“ Dazu soll auch das begehbare Modell eines Darmes beitragen, das Besucher im Erdgeschoss durchwandern und mit fachlicher Beratung anschauen können.

Sollte doch ein Eingriff nötig werden, spielt beim Krankenhausaufenthalt auch die Apotheke eine wichtige Rolle. Auch hier lassen sich die Mitarbeiter auf die Finger schauen – oder besser auf die Maschinen. Denn das Klinikum hat einen Kommissionsautomaten, der Medikamente sowohl aufräumt als auch für den Einsatz zusammenstellt. Allerdings ist der Dienst in der Apotheke weit mehr als Logistik: „Wir erklären auch, wie Medikamente für eine Chemotherapie passgenau für den Patienten nach Körpergröße und Gewicht hergestellt werden“, sagt der Geschäftsführer. Wer sich selbst einmal eine Handcreme anrühren will oder auf das ein oder andere chemische Experiment neugierig ist, kann hier ebenfalls einiges entdecken.

Geschäftsführer Steffen Thiele hofft, dass viele Gäste das Angebot annehmen und vorbeischauen. Vielleicht fühle sich auch der ein oder andere angesprochen, künftig in einem medizinischen Beruf zu arbeiten, hofft er. Regelmäßiger will sich das Klinikum künftig für Besucher öffnen – im Wechsel an beiden Standorten und mit einem Tag der offenen Pflege.

Tag der offenen Tür am Klinikstandort Ebersbach am 10. September, von 9 bis 16 Uhr