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Wie geht es mit dem Stadtbad weiter?

Der Stadtrat spricht sich indirekt gegen einen Bau in Schlottwitz aus. Jetzt soll ein anderer Standort untersucht werden.

© Wasserwerkstatt Bamberg

Von Maik Brückner

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Schlottwitz. Die Debatte um den Bau eines neuen Schwimmbades hat eine überraschende Wendung genommen. In der Sitzung am Dienstagabend entschied der Glashütter Stadtrat mit Mehrheit, dass die Verwaltung das Gelände an der Ausflugsgaststätte Bretthäus’l näher untersuchen soll. Dort soll, so der Wille der Räte, ein Naturbad entstehen. Damit folgten die Abgeordneten dem Vorschlag von Glashüttes Ortsvorsteher Maik Lehmann und von Stadtrat Helmut Wagner (beide Wählervereinigung Zeitlos). Sie hatten die Studie beantragt.

Indirekt sprachen sich die Räte damit gegen den Plan aus, das Bad in Oberschlottwitz, oberhalb der früheren Gaststätte Klein-Tirol, zu errichten. Diesen Standort hatte das beauftragte Ingenieurbüro, die Wasserwerkstatt Bamberg, nach der Begutachtung möglicher Baugrundstücke favorisiert. Erste Ideen einer Bebauung legte der Chef des Büros, Claus Schmitt, Ende November letzten Jahres vor.

Doch die Befürworter eines Stadtbades überzeugte der Standort nicht. Diese pochten nach wie vor darauf, dass das neue Bad in der Nähe zu der Kernstadt Glashütte errichtet werden soll. Stadtrat Franz Brand (CDU) gab zu bedenken, dass in Schlottwitz Lärm und Staub zu erwarten seien und verwies auf die laufende Diskussion zur Feinstaubbelastung. Das in seinem Heimatort avisierte Badgrundstück befindet sich zwischen der Müglitztalbahn und der Müglitztalstraße, die morgens und nachmittags stark befahren werde. Ganz anders sei die Lage im Prießnitztal. Dort sei es idyllisch. Ein Bad würde dort mitten im Wald und unmittelbar neben dem Bretthäus‘l, einer beliebten Ausflugsgaststätte, entstehen. Beides könnte sich ergänzen.

Doch es gibt auch einige Räte, die sich gegen das Bretthäus’l-Areal und die geforderte Untersuchung aussprachen. Frank Göbel (CDU) verwies auf die Lage. Um zu diesem Bad zu gelangen, müssten die Glashütter über den Prießnitztaldamm fahren. „Es ist zu weit weg“, erklärte er. Es gebe keine Zugverbindung, der Bus fahre selten. Der Standort Schlottwitz sei besser zu erreichen. Dort gebe es einen Bahnhaltepunkt in der Nähe. Kinder und Jugendliche könnten allein zum Bad fahren. Ähnlich argumentierte Bürgermeister Markus Dreßler (CDU). Die Befürworter des Bretthäus‘l-Standortes überzeugte das nicht. Ortsvorsteher Maik Lehmann (Wählervereinigung Zeitlos) verwies auf das Bad in Dorfhain, zu dem fast alle Besucher mit dem Auto kämen. Ähnlich sei es auch im alten Glashütter Bad gewesen, ergänzte Lothar Mauer (Zeitlos), der nach eigenem Bekunden bis zur Zerstörung durch das Hochwasser im Juni 2013 oft in diesem Bad gewesen ist: „Dorthin kamen auch Besucher aus Dresden, Heidenau und Pirna.“

Neben der Erreichbarkeit drehte sich die Diskussion noch ums Baurecht. Das werde man nicht oder nur sehr schwer bekommen, sagte Stadtrat Andreas Loose (CDU). Er erinnerte daran, dass die Fläche am Bretthäus’l bereits vor drei Jahren untersucht wurde, als Glashütte noch ein Bad mit Chlorwasseraufbereitung bauen wollte. Die Prüfer kamen zum Schluss, dass dort sowohl ein Trinkwasseranschluss als auch ein Abwasserkanal fehlen. Zudem stufte der Regionale Planungsverband die Fläche als „Vorranggebiet Natur und Landschaft“ ein. „Eine Bebauung wäre ein Zielverstoß und nicht genehmigungsfähig“, hieß es. Loose glaubt, dass sich an dieser Einschätzung nichts geändert habe. „Die Regelungen sind schärfer geworden.“

Lehmann indes glaubt, dass die Stadt dennoch Baurecht erhalten kann. Genau deshalb forderte er die Untersuchung. Dann wüsste man auch, welche Hürden zu nehmen und mit welchen Kosten zu rechnen seien. Letztlich fiel die Entscheidung denkbar knapp aus. Sieben Räte waren dafür, sechs dagegen, drei enthielten sich.

Die Stadt wird nun die Wasserwerkstatt Bamberg beauftragen, sich die Flächen rund um das Bretthäus‘l genauer anzuschauen und eine Studie zu erarbeiten. Unklar ist, ob die Zeit reichen wird, das Bad später auch mit den fest eingeplanten Fördermitteln aus dem Hochwasserhilfefonds zu bauen. Denn inzwischen liegt die Juni-Flut fünf Jahre zurück. Der Fördermittelgeber wollte sich auf Anfrage der Stadt nicht darauf festlegen, ob die bis zum 30. Juni 2019 gewährten Fördermittel verlängert werden können. Man behalte sich eine Prüfung vor, erklärte ein Mitarbeiter der Sächsischen Aufbaubank.