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Wie gesund ist der Sebnitzer Wald?

Revierförsterin Anette Schmidt-Scharfe hat die Bäume im Blick. Der Klimawandel macht ihnen zu schaffen.

© Dirk Zschiedrich

Von Anja Weber

Der Sebnitzer Wald und der Unger seien ein Riesengeschenk an die Menschen. Die, die das sagt, muss es wissen, Annette Schmidt-Scharfe ist Revierförsterin im Forstbezirk Neustadt und damit zuständig für den Staatswald in diesem Gebiet. Und das erstreckt sich auf über 1 500 Hektar vom Sebnitzer Wald über den Unger bei Neustadt und den Breiten Stein in Dürrröhrsdorf-Dittersbach bis nach Lohmen. Dazu gehören sowohl Skigebiete als auch Teile des Polenztales.

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Aus territorialer Sicht kein einfaches Waldgebiet. Von der Ausstattung her schon, sagt die Försterin. Soll heißen, in ihrem Revier ist der Wald relativ naturnah und gesund. Fast. Wie der Zustand ist, wird aller zehn Jahre festgestellt. Dann sind die Fachleute vom Sachsenforst im Wald und kontrollieren den Bestand. Danach richten sich die Maßnahmen beim Waldumbau, die in der sogenannten Forsteinrichtung festgeschrieben sind. Die Revierförsterin bekommt das Gesamtwerk.

Wie sie das umsetzt, ist ihre Entscheidung. Reicht eine Durchforstung? Wo sind Waldschäden? Was muss gefällt und wo muss nachgepflanzt werden? Wie viel Geld darf das alles kosten? Immerhin sind es staatliche Gelder, mit denen die Försterin wirtschaftet. Deshalb muss sie genau abwägen, wo nachgepflanzt werden soll. In der Regel soll das zwischen sieben und zehn Hektar pro Jahr sein. „Unser Hauptziel ist es, den Wald zu erhalten. Denn er ist unsere Lebensversicherung. Wenn es dem Wald gut geht, dann geht es auch uns gut“, sagt Annette Schmidt-Scharfe. Und ein gesunder Wald kann sich auch selbst verjüngen.

Rückkehr der Weißtanne

Buchen und Ahorn bringen die hiesigen Wälder gratis. Die Försterin muss dann nachsehen, dass sich die jungen Bäume auch gut entwickeln können. Das heißt mitunter, alte Bäume zu fällen, wie derzeit im Sebnitzer Wald. Dass sie sich damit nicht nur Freunde macht, weiß sie. Vor allem die älteren Waldbesucher würden sie immer wieder darauf ansprechen, weil sie an den alten, schattenspendenden Bäumen hängen. Die Holzernte müsse man behutsam angehen, sagt sie.

Deshalb schaut die Revierförsterin nicht zuerst danach, wo die Maschinen für den Holzeinschlag am besten hinkommen, sondern danach, was für den Wald gut ist. Auch dazu hat Annette Schmidt-Scharfe einen treffenden Vergleich parat. Es sei wie in einer Großfamilie. Auf einer Waldfläche existieren am besten verschiedene Generationen. Alte über Jungen, Schützende über Schutzsuchenden. Und solche durchmischten Bestände hat ihr Revier, nicht nur vom Alter her, sondern auch von den Baumarten. Nur die Tanne fehlt.

Auf etwa fünf Hektar hat sie im letzten Jahr Weißtannen nachpflanzen lassen. Früher habe diese Baumart zu fast einem Drittel den Wald in der Region bestimmt, erläutert Annette Schmidt-Scharfe. In den letzten Jahrzehnten drohte die Weißtanne dann auszusterben. Fichten waren Mode. Angepflanzt wird die Tanne nun wieder, weil sie robuster ist als die Fichte, sie hält Stürmen und Schädlingen besser stand. Doch die Weißtannen haben auch einen Nachteil. Die jungen Bäume schmecken den Rehen sehr gut.

Jäger sollen Bäume schützen

Um sie zu schützen, müssten eigentlich kleine eingezäunte Flächen angelegt werden. Doch das ist teuer und kaum zu steuern, weil solche Flächen ständig kontrolliert werden müssen. Das Überleben der jungen Tannen sollen nun die Jäger sichern. „Sie müssen ausreichend jagen. Der Tierbestand von Rehen, Rot- und Schwarzwild und der Waldzustand müssen im Gleichgewicht bleiben“, sagt die Revierförsterin. Sie weiß, dass eine Jagd im Wald schwieriger ist als auf dem freien Feld.

Zum Waldumbau gebe es unterdessen keine Alternative, erklärt Annette Schmidt-Scharfe. Fichten-Monokulturen hätten in der Region keine Zukunft. Die Sommer werden wärmer und trockener, es wird mehr Stürme geben. Das mag die Fichte mit ihren flachen Wurzeln nicht. Sie braucht viel Niederschlag.

Riesige Fichtenwälder hat Annette Schmidt-Scharfe in ihrem Revier schon gar nicht mehr. Auf kleineren Flächen bereitet sie nun die Bestände auf die Zukunft vor und gibt widerstandsfähigeren Bäumen Platz. Der Waldumbau, sagt sie, ist eine langwierige Sache, viele Förstergenerationen müssen ihn begleiten. Im Sebnitzer Wald haben Förster wie Irmgard Graf, Siegfried Häntzschel und Karl-Heinz Schöne vor langer Zeit damit begonnen. Annette Schmidt-Scharfe hofft, dass sie es in etwa 20 Jahren in ihrem Revier geschafft hat, dass sich der Wald wie vor 300 Jahren wieder selbst helfen kann.