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Wie grün ist der Strom von Stadtwerken und Enso?

Viel Sonne und einige neue Anlagen steigern den Öko-Anteil 2015 im Südkreis. Ansonsten ist in der Branche eher Flaute.

© Harald Anders

Von Anja Beutler

Löbau-Zittau. Der Blick entlang der B99 zieht die beiden Gegenpole eng zusammen: Während das 7,5 Hektar große Solarfeld in Hirschfelde ein Zeichen für die moderne Energiewende ist, zählt das Kohlekraftwerk im polnischen Turow zu den Auslaufmodellen. Zumindest mit Blick auf die deutsche Energiewende. Doch, welche Rolle spielt der Ökostrom nun im Südkreis, wo es mehrere großflächige Solarfelder, viele kleine private Photovoltaik-, große Biomasse-Anlagen und einige Windräder gibt? Vor wenigen Tagen hieß es erst, dass 2015 in Deutschland so viel Ökostrom produziert und verbraucht wurde wie nie zuvor.

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Bei den Kunden des Energie-Unternehmens Enso Netz kam im vergangenen Jahr zu etwa einem Drittel grüner Strom aus der Dose. Das bestätigt Enso-Sprecherin Claudia Kuba nach ersten Berechnungen. Das ist eine Steigerung im Vergleich zu den Vorjahren, betont Frau Kuba, denn 2014 lag der Anteil des Stromes aus regenerativer Erzeugung bei etwa 27 Prozent und das Jahr davor bei 25. Besonders klar wird die wachsende Bedeutung mit einem Blick auf die Jahrtausendwende, als der Anteil des sogenannten Ökostromes bei der Enso bei nur drei Prozent lag. Inzwischen liefern die insgesamt rund 8700 alternativen Stromanlagen 1,6 Millionen Kilowattstunden ins Enso Netz. Ein leichter Aufschwung von 16 Prozent für 2015. Nun ist die Enso Netz GmbH zwar ein großer, aber nicht der einzige Stromanbieter in Ostsachsen. Stadtwerke mischen hier auf dem Markt ebenfalls mit – auch in Löbau und Zittau. Rechnet man all dies zusammen, käme man pro Verbraucher nur noch auf einen Ökostromanteil von 22 Prozent, zitiert Frau Kuba entsprechende Fachexpertisen.

Eine Steigerung bei der Stromproduktion aus regenerativen Quellen für 2015, ist dennoch sowohl bei Stadtwerken als auch bei der Enso zu beobachten. Hauptgrund ist nicht ein enormer Boom bei neuen Anlagen. Denn diese Zeiten sind mit drastischen Änderungen bei der Einspeisevergütung ab 2011 längst vorbei. Das sieht man besonders bei den Solaranlagen: Im gesamten Enso-Netz-Gebiet zwischen Altenberg und Rietschen, Gröditz und Oybin kamen im vergangenen Jahr 306 neue Photovoltaik-Anlagen neu hinzu, 14 davon wurden im Raum Zittau, 16 im Raum Löbau neu angeschlossen. Kein Vergleich zum Boomjahr 2010, wo die Enso fast die fünffache Menge an Solaranlagen neu anschloss. Auch bei den Windrädern ist Flaute: Neuanschlüsse gab es bei der Enso insgesamt nur sechs, im Südkreis Görlitz waren keine dabei. „Hier spielt aber auch das Repowering, also die Leistungssteigerung der Anlagen eine zunehmende Rolle“, sagt Frau Kuba.

Dennoch wird dieser leichte Anstieg einen Teil der Ökostrom-Steigerung mitgetragen haben. „Wobei man immer betrachten muss, dass ein Anschluss ja nicht automatisch bedeutet, dass tatsächlich auch Strom eingespeist wird“, schränkt die Enso-Sprecherin ein. Was sie im Blick hat, ist ein stärkerer Trend zur Eigennutzung der selbst produzierten Energie gerade bei kleinen Anlagen. War es bis Ende 2010 finanziell noch wesentlich lukrativer, den Strom ins Netz einzuspeisen als selbst zu verbrauchen, hat sich dies umgekehrt.

Und was macht das Stromplus nun aus? „Es lag bei uns, bei den Stadtwerken Zittau schlicht an mehr Sonnenstunden“, erklärt Bernd Pietschmann. Auch wenn noch nicht alle Zahlen vorliegen, gehen die Stadtwerke Zittau derzeit von einem Zuwachs von rund 568000 auf 24968000 Kilowattstunden im Vorjahr aus. Am meisten legte die Solarsparte dabei zu. Neue Anlagen haben die Zittauer Stadtwerke zu den 111 bestehenden nicht angeschlossen. Das Gros sind kleine Privatanlagen – also die klassischen Dach-Solarplatten.

Aber auch die Stadtwerke selbst haben vier eigene kleine Bio-Kraftwerke in der Rosegger-, der Chopin, der Friedens- und der Dr.-Friedrich-Straße, die vor allem der Wärmegewinnung dienen und dabei Strom erzeugen, der dann ins Netz eingespeist wird. Dass mit dieser effizient produzierten Wärme für die angeschlossenen Mieter weniger Kosten auf der jährlichen Abrechnung anfallen, das sei aber nicht so, betont Pietschmann. Die Stadtwerke behandelten alle Kunden bei Strom und Wärme mit einem einheitlichen Preissystem. Die Rohstoffe für die Biogas-Verstromung liefern den Zittauern polnische Landwirte, die vertraglich gebunden wurden.