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Wie gut ist unser Trinkwasser?

Im Landkreis Meißen zieht das Gesundheitsamt im Jahr 2 300 Proben. Legionellen lauern im Warmwasser.

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© Uwe Soeder

Von Madeleine Siegl-Mickisch und Stefan Lehmann

Landkreis. Wasser aus dem Hahn oder aus der Flasche? Viele Verbraucher greifen im Supermarkt zum Wasserkasten. So lag nach Angaben der Stiftung Warentest der Pro-Kopf-Verbrauch bei Mineralwasser im vorigen Jahr bundesweit mit mehr als 147 Litern so hoch wie noch nie. Vor allem stilles Wasser wird immer mehr gekauft. Dabei gibt es das doch auch zu Hause aus dem Hahn. Stiftung Warentest kommt in einer aktuellen Untersuchung jedenfalls zu dem Schluss, dass man sich das Schleppen von Wasserkästen eigentlich sparen kann. Denn Leitungswasser sei das am strengsten kontrollierte Lebensmittel und könne daher bedenkenlos getrunken werden.

Dieser Aussage schließt sich auch das Gesundheitsamt des Landkreises an. „Das aus der öffentlichen Trinkwasserversorgung abgegebene Wasser ist – wie es der Name sagt – als Trinkwasser ohne Einschränkung verwendbar“, heißt es vom Amt. Die Mitarbeiter des Gesundheitsamtes müssen es wissen. Allein im vergangenen Jahr haben sie mehr als 2 300 Wasserproben entnommen – etwa direkt bei den Wasserversorgern oder von Probenahmestellen direkt am Netz. Ein besonders großer Teil der Proben wird in öffentlichen Einrichtungen entnommen. Krankenhäuser, Kitas und Altenheime würden beispielsweise jährlich überprüft, Schulen mindestens aller drei Jahre.

In der Landesuntersuchungsanstalt für Gesundheits- und Veterinärwesen wird das Wasser auf bis zu 100 verschiedene Parameter untersucht, die in der Trinkwasserverordnung festgelegt sind. Unter anderem wird überprüft, ob und in welcher Konzentration Krankheitserreger wie Kolibakterien und Legionellen vorkommen. Getestet wird ebenso auf Schwermetalle und andere chemische Inhaltsstoffe, unter anderem Rückstände von Pflanzenschutzmitteln.

Zusätzlich überprüfen aber auch die Wasserversorger selbst regelmäßig, ob das Trinkwasser den gesetzlichen Ansprüchen genügt, erklärt Volkmar Göthe von der Wasserwirtschaft Riesa-Großenhain (WRG). „Bei der Probennahme wird das Trinkwasser in sterile Flaschen abgefüllt. Nach dem Verschluss der Flaschen werden diese in Kühlboxen verstaut und schnellstmöglich ins Labor gebracht.“ Die Analyse übernimmt dann ein Dienstleister. Wie viele Wasserproben untersucht werden, das hänge von der abgegebenen Wassermenge ab – im Gebiet der WRG sind das im Mittel 15 000 Kubikmeter am Tag. Im Riesaer Wasserwerk finden diese internen Prüfungen zwölfmal im Jahr statt, zusätzlich zur jährlichen Kontrolle durch das Amt.

Die genaue Zusammensetzung des eigenen Wassers hat die WRG auf ihrer Internetseite aufgelistet. Daraus geht auch hervor, dass das Wasser aus dem Riesaer Werk einen relativ hohen Calcium- und Magnesiumanteil aufweist. Ist das Wasser aus dem Hahn etwa sogar gesünder als das aus der PET-Flasche, wie mancher behauptet? Göthe ist da vorsichtig: „Alle am Markt befindlichen Wässer, ob leitungsgebunden oder in Flaschen abgefüllt, haben ihre Berechtigung, wobei das Trinkwasser davon am umfangreichsten kontrolliert wird und mit großem Abstand am preiswertesten ist.“ Wer aber Wert auf Sprudel oder bestimmte Inhaltsstoffe legt, der müsse schon gezielt nach Mineralwässern suchen. Probleme mit dem Trinkwasser hat es laut Landratsamtssprecherin Kerstin Thöns lange nicht gegeben. Bei Hochwasser sei zum Beispiel Vorsicht angebracht gewesen. Trotzdem kommt es hin und wieder vor, dass Wasser aus dem Hahn unangenehm riecht – zum Beispiel, wenn es zu lange in der Leitung steht. Dann können die enthaltenen Mikroorganismen dafür sorgen, dass das Wasser fault. Zudem können auch Schwachstellen bei der Hausinstallation zu Qualitätseinbußen beim Trinkwasser führen. Da am Wasserzähler die Pflicht des Versorgers endet, sind dafür die Hauseigentümer selbst verantwortlich. Allerdings weiß mancher nicht, dass der Filter im Haus aller zwei Monate gespült werden sollte. Auch wer aus Sparsamkeitsgründen die Temperatur an der Warmwasseraufbereitung auf unter 60 Grad absenkt, sorgt unbewusst dafür, dass sich Legionellen vermehren. Die stellen eine der häufigsten gesundheitlichen Gefahren im Zusammenhang mit Leitungswasser dar – allerdings nicht beim Trinken, sondern, wenn Wasser beim Duschen vernebelt und eingeatmet wird.