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Wie Hellerau ums Welterbe ringt

Bis zum Jahresende entscheidet sich, ob es die Gartenstadt in die entscheidende Auswahlrunde der Unesco schafft.

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© André Wirsig

Von Tobias Winzer

Ein freundliches Anschreiben, ein schönes Foto, ein prägnanter Lebenslauf und wohlmeinende Referenzen – das Dossier, das Britta Rudolff derzeit für die Unesco vorbereitet, hat durchaus Ähnlichkeit mit dem gewöhnlichen Bewerbungsschreiben eines Jobsuchenden. Nur, dass es viel dicker ist. Auf rund 300 Seiten listet die Chefin des Cottbuser Instituts für Heritage Management die Vorzüge der Gartenstadt auf. Es soll die Unesco davon überzeugen, dass Hellerau in den Kreis der Weltkulturerbestätten aufgenommen wird. „Im April werden wir eine erste Version des Bewerbungsdossiers fertig haben“, sagt Rudolff. Diese werde dann mit der Stadt, dem Land und dem Förderverein besprochen.

Der Förderverein, dem die Deutschen Werkstätten Hellerau, der Hellerauer Bürgerverein und das Europäische Zentrum der Künste angehören, hatte die Bewerbung bei Rudolff in Auftrag gegeben. Etwa 250.000 Euro kostet das Dossier. 50.000 Euro davon übernehmen die Deutschen Werkstätten. Für den Rest sucht der Förderverein noch private Spender. Stadt und Land halten sich bislang raus.

Rudolff sieht in der Vielseitigkeit die Stärken Helleraus. „Wir denken, dass von Hellerau eine Vision ausging“, sagt sie. Die Siedlung wurde 1909 vom Möbelfabrikanten Karl Schmidt als Einheit von Wohnen mit Arbeit, Kultur und Bildung gegründet. Die Autoren des Bewerbungsschreibens sehen eine Stärke darin, dass diese Idee noch heute weiterlebt: Das 1911 eröffnete Festspielhaus ist nach wie vor international bekannt für seine Tanzaufführungen. Die alten Gebäude der Deutschen Werkstätten werden immer noch von Unternehmen genutzt. Außerdem sind die Wohnhäuser mit ihren Gärten und den kleinen Wirtschaftswegen, den sogenannten Mistwegen, gut erhalten.

Mittlerweile steht auch fest, auf welches Gebiet sich die Welterbe-Bewerbung beziehen soll. Es reicht vom Moritzburger Weg im Süden bis zum Festspielhaus im Norden. In dem Areal liegen beispielsweise die Gartensiedlung am Grünen Zipfel, der Marktplatz und die Holzhäuser am Talkenberg oder am Schänkenberg.

Entscheidend bei der Bewerbung wird auch sein, wie gut die Häuser innerhalb des Gebietes in Schuss sind. In den vergangenen Monaten haben Rudolff und ihre Kollegen insgesamt 83 Gebäude von außen begutachtet. 61 davon seien derzeit in sehr gutem oder in gutem Zustand. Nur bei vier Häusern bestehe die Gefahr eines Verfalls. Als Schwachstelle der Bewerbung erkennen die Experten selbst, dass einige Nebengebäude am Festspielhaus und der Spänebunker am Gebäudeensemble Deutsche Werkstätten nicht mehr stehen. Ähnliches wird für das kleine Hausmeisterhäuschen an der alten Hellerauer Schule am Heinrich-Tessenow-Weg befürchtet. „Dieses ist in sehr schlechtem Zustand“, sagt Eva Battis, die mit an der Bewerbung arbeitet.

Als letzter noch fehlender Teil der Bewerbung entsteht derzeit das Management-Konzept – auch das eine Forderung der Unesco. Darin werden Vorschläge gemacht, wie die „Vision Hellerau“ künftig für Besucher erlebbar wäre. Spätestens dann sind die Hellerauer auch auf die Hilfe der Stadtverwaltung angewiesen. Unter anderem muss ein Park- und Tourismuskonzept und eine Marketingstrategie vorgelegt werden.

Richtig ernst für die Welterbe-Bemühungen wird es zum Jahresende. Dann entscheidet die Kultusministerkonferenz, welche der 31 nationalen Bewerber – darunter auch Leipzig und Görlitz – sich bei der Unesco um den Titel bewerben dürfen. Die Expertenkommission, die die Empfehlung dafür abgibt, hatte sich im Oktober die Gartenstadt angeschaut. Sollte es die Gartenstadt in die Auswahl schaffen, dürfen die Bewerbungsunterlagen frühestens 2016 eingereicht werden. Die Prüfung durch die Unesco dauert dann zwei Jahre.