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Döbeln

Wie ist das mit der Hundeleine?

Ein Döbelner soll die Söhne seiner Lebensgefährtin geschlagen haben. Sind die Kinder glaubwürdig?

Auslöser für die Tat soll ein Tritt des Kindes gegen den Hund gewesen sein. © Symbolbild

Von Helene Krause

Außer Spesen nicht gewesen – so könnte man das Ergebnis einer Gerichtsverhandlung gegen einen 31 Jahre alten Döbelner zusammenfassen. Irgendwann zwischen Juni 2013 und Juli 2014 soll er den neunjährigen Sohn seiner Lebensgefährtin mit einer Hundeleine geschlagen haben. Auslöser für die Tat sei ein Tritt des Kindes gegen den Hund gewesen. Der hatte es gezwickt. Im September 2016 soll der Angeklagte den Jungen mit der Hundeleine auf Rücken und Finger geschlagen haben. Dem älteren Bruder, so die Anklage, habe er einen Messbecher an den Kopf geworfen. Der war auf dem Weinfest in Döbeln gewesen und zu spät nach Hause gekommen. Der Geschädigte hatte einen halbkreisförmigen Abdruck des Bechers im Gesicht und Schmerzen. Wegen der Übergriffe stand der 31-Jährige schon im August 2017 vor Gericht. Zu den Taten schwieg er.

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Bei der polizeilichen Vernehmung stützte die Mutter die Angaben ihrer Söhne, vor Gericht aber nicht. Erst als Staatsanwalt Lars Engel mit einer Anzeige wegen falscher Verdächtigung und Haft drohte, räumte sie die Übergriffe auf die Kinder ein. Der Ältere schilderte den Vorfall mit dem Messbecher. „Mit der Hundeleine sind wir nicht geschlagen worden“, sagte er. Die Sozialpädagogin des Lessinggymnasiums Döbeln schilderte als Zeugin, dass ihr der damals 14-Jährige von Problemen zu Hause erzählt habe. Sie wandte sich an das Jugendamt und sprach mit den Eltern. Erst daraufhin erstattete die Mutter Anzeige.

Am zweiten Prozesstag hörte das Gericht die Oma der Jungen. Sie hatte sich gemeldet, als sie den Zeitungsartikel über den Prozess im Internet gelesen hatte. Die Vorfälle mit der Hundeleine und dem Messbecher hatte sie nicht gesehen. Aber, wie der Angeklagte an anderen Tagen die Jungen mit der Hundeleine schlug. „Das ist bestimmt schon zwei Jahre her“, sagte sie. „Er war mit den Kindern allein. Ich sollte nach dem Rechten sehen.“ Mit dem Enkel fuhr sie nach der Messbecherattacke zum Arzt.

Verteidiger Martin Göddenhenrich aus Döbeln forderte einen Gutachter, um die Glaubhaftigkeit der Geschädigten zu klären. Weil die Jungen vor Gericht anderes aussagten als bei der Polizei, zweifelte er deren Darstellung an. Womöglich seien sie von der Mutter beeinflusst worden. Das Verfahren wurde erneut ausgesetzt..

Jetzt wurde der Prozess wieder aufgenommen. Doch die Verhandlung dauerte kaum zehn Minuten. „Die bisherige Beweisaufnahme hat ergeben, dass dem Angeklagten das ein oder andere Mal die Hand ausgerutscht ist“, so der Staatsanwalt. „Das Glaubwürdigkeitsgutachten brachte keine Beweise, ob die Jungen gelogen haben oder die Wahrheit sagten.“ Richterin Marion Zöllner stellt das Verfahren ein.