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Wie Kamenz seinen Welt-Künstler feiert

Georg Baselitz begeht seinen 80. Geburtstag. Eine Art Festjahr begann schon am Sonntag – in Deutschbaselitz.

© Matthias Schumann

Von Frank Oehl

Kamenz. Wenn am Dienstag, dem 23. Januar, Georg Baselitz 80 Jahre alt wird, kann man vor allem auch in seiner Heimat nicht daran vorbeigehen. Schon am Sonntag begann eine Art Jubiläumsfestjahr in der Stadt – genau genommen im Ortsteil Deutschbaselitz, wo einst Dorfschullehrer Kern und dessen Familie wirkte. Die Lehrerwohnung im Schulhaus steht heute leer. Sie würde sich eignen für einen musealen Erinnerungsort, hieß es aus verschiedenem Munde. Bruder Günter Kern stellte Werke aus seiner Baselitz-Plakatsammlung vor und Reinhard Kärbsch ließ schon einmal einen Blick auf jene Fotoschau zu, mit der im Lichthof des Kamenzer Rathauses jetzt auch offiziell das Festjahr „80 Jahre Baselitz“ gestartet wird.

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Das Interesse vor Ort kommt nicht von ungefähr. Auch wenn der Welt-Künstler selbst immer wieder eher distanziert, manchmal gar regelrecht spröde auf die Anerkennung in und um Kamenz reagiert hat, so machte er doch nie ein Hehl aus seiner starken Heimatverbundenheit. Vor allem die Kindheitserinnerungen haben ihn geprägt und prägen ihn immer noch auch in seinen riesigen Œuvre. Seit ein paar Jahren knüpft der DeutschBaselitz-Rundweg an Sandteich und Galgenberg daran an, auch wenn er derzeit nur noch eher ein Schattendasein fristet. Vielleicht erlebt ja dieses preisgekrönte Projekt in diesem Jahr eine Art Renaissance?

Kunst unterhaltsam vermitteln

Fakt ist: Georg Kern, der 1961 den Künstlernamen Baselitz nach seinem Geburtsort wählte, gehört nicht nur zu den Kunstmarkt gefragtesten, sondern auch zu den einflussreichsten Malern der Gegenwart, und das ist nicht allein an Galeriezahlen und Gemäldepreise gebunden. Dr. Sören Fischer, Kurator des Sakralmuseums St. Annen und Organisator des Festprogramms in Kamenz: „Baselitz ist mit seinem über Jahrzehnte erstreckenden Werk ein Weltbürger im besten Sinne des Wortes. Sein qualitätvolles Werk ist universell und eng mit der deutschen wie europäischen Geschichte verbunden.“ Zugleich sei Baselitz neben Gotthold Ephraim Lessing eine herausragende mit Kamenz verbundene Persönlichkeit von internationalem Rang. „Kamenz und Deutschbaselitz können stolz auf ihren berühmten Sohn sein!“

Die Städtischen Sammlungen Kamenz haben deshalb für 2018 ein Festprogramm entwickelt. OB Roland Dantz zur Zielstellung: „Es soll den Bürgerinnen und Bürgern sowie unseren Gästen das Werk und Wirken von Georg Baselitz auf abwechslungsreiche und unterhaltsame Weise vermitteln.“ Den Anfang macht nun also die Fotoausstellung im Rathaus. Vom 23. Januar bis 6. März zeigt der Fotograf Reinhard Kärbsch seine Schau „Im Kern Baselitz“, die er mit Kindern, Jugendlichen und Künstlerinnen realisiert hat. Zu sehen sind farbenfrohe Fotografien vom Baselitz-Rundweg, der von den jungen Menschen spielerisch erobert wird. Die Eröffnung findet am Dienstag um 17 Uhr statt, also direkt am Geburtstag des Künstlers.

Erinnerungs in Bildern

Für den 1. Februar um 19 Uhr wiederum wurde Dr. Konstanze Rudert gewonnen. Die Kuratorin am Kupferstich-Kabinett der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden wird in der Galerie des Sakralmuseums St. Annen einen Vortrag zum Thema „Das Nonkonforme als Quelle der Fantasie im Werk von Georg Baselitz“ halten. Er bietet zugleich einen Einblick in eine Sonderausstellung, welche die Kunstsammlungen zurzeit in Dresden für den Künstler vorbereiten.

Aber auch die diesjährige Hauptausstellung des Sakralmuseums verweist auf den Jubilar. Am 17. April wird um 19 Uhr die Sonderausstellung „Verlust: Susan Donath zu Gast im Sakralmuseum – mit korrespondierenden Werken von Albrecht Dürer bis Georg Baselitz“ eröffnet. Die in Thüringen geborene Konzeptkünstlerin Susan Donath wird erstmals hier zu Gast sein. Die 38-Jährige beschäftigt sich intensiv mit Erinnerungskunst und Bildern, die sich dem Sterben und Vergessen widmen. Mit ihren Themengebieten fügten sich Donaths Arbeiten ideal in den Kontext des Museums, dessen Kunstwerke aus der Zeit zwischen 1400 und 1850 vielfach selbst das Sterben und das Erinnern in den Mittelpunkt rücken, heißt es. Donath werde Interventionen im Raum erzeugen und zeitgenössische Bilder finden bzw. formen. Eine wichtige Rolle spielen dabei Totenkronen, die von der Künstlerin mit Verweis auf die Blumenkronen in der Kamenzer St.-Just Kirche neu geschaffen werden. Ergänzt wird die Position durch korrespondierende Werke etwa von Albrecht Dürer und Georg Baselitz. Welche Bedeutung etwa hat eine Renaissance-Druckgrafik mit der Darstellung der Flucht nach Ägypten in der heutigen Zeit? Die Sonderausstellung läuft bis 8. Juli.

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Im Herbst folgt dann ein weiterer Höhepunkt: Dr. Sylke Kaufmann, die Leiterin der städtischen Sammlungen, wird das neue Buch „80 Schätze der Städtischen Sammlungen Kamenz“ präsentieren – ein Gemeinschaftsprojekt, das erstmals den reichen Kunstbestand der Stadt anhand von 80 Meisterwerken sichtbar werden lässt. Die Anzahl der ausgewählten Werke ist dabei eine Hommage an Georg Baselitz. Das Buch wird verdeutlichen, dass der Künstler aus einer Gegend stammt und in einer Landschaft geprägt wurde, die der Kunst immer schon aufgeschlossen gegenüberstand. Der genaue Termin der Ausstellung ist noch nicht bekannt.

www.sakralmuseumkamenz.de/veranstaltungen