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Wie Koselitz Riesa zum Stahlwerk verhalf

Der Betrieb prägt Riesa seit 175 Jahren. Ohne den einstigen Gutsbesitzer vom Dorf wäre er wohl gar nicht entstanden.

© Repro/SZ

Von Dörthe Gromes

Koselitz. Das Wort Stahl ist dieser Tage in aller Munde, seit US-Präsident Donald Trump hohe Einfuhrzölle auf den Werkstoff verhängt hat. Die Stahlindustrie, das ist seit Jahrzehnten ein Kernzweig der Weltwirtschaft. Ihre Anfänge gehen ins späte 18. und 19. Jahrhundert zurück – in dem auch die hiesigen Stahlstandorte entstanden sind.

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Zuerst Gröditz, wo der damalige Königlich-Sächsische Kabinettsminister Graf Detlev Carl von Einsiedel 1779 den Grundstein für das dortige Stahlwerk gelegt hatte. Ehe sich auch das nahe gelegene Riesa zum Stahlstandort mauserte, dauerte es dann noch mehr als ein halbes Jahrhundert. 1842 ist es dann so weit: Am 29. Dezember reichen die aus einer Dresdner Kaufmannsfamilie stammenden Brüder Alexander und Heinrich Schönberg beim damaligen sächsischen Innenministerium einen Antrag ein. Sie „bitten um Erlaubniß zur Anlegung eines Eisenhüttenwerkes bei Riesa“.

Heinrich Schönberg ist Hütteningenieur. Nach seinem Studium an der Freiberger Bergakademie besucht er unter anderem Frankreich und England, um moderne Verhüttungsmethoden kennenzulernen. Sein zwölf Jahre älterer Bruder Alexander besitzt das Rittergut in Koselitz, das er 1830 für 28 000 Taler gekauft hatte.

Für ihr geplantes Stahlwerk bei Riesa haben die beiden Schönbergs Anfang der 1840er-Jahre Land gesichert: „Ein Grundstück von ungefähr 1,5 Scheffel Umfang haben wir vorläufig vom Herrn Rittmeister Rüssing auf Gröba erkauft“, heißt es in ihrer Konzessionsbitte. – Dass die Brüder seinerzeit Riesa für ihr Unternehmen auswählen, hat mehrere Gründe. „Ein Eisenhüttenwerk bei Riesa an der Elbe gelegen befindet sich ziemlich in dem Mittelpuncte des Königreiches, in einer Gegend, wo, das Eisengußwerk bei Gröditz abgerechnet, noch keine Eisenhütten existieren“. Hinzu komme die verkehrsgünstige Lage. Über die Elbe seien Rohstoffe leicht zu beschaffen: „Die Zuführung des Roheisens ... ist durch die Wasserbahn erleichtert“. Gleiches gelte fürs Brennmaterial, das aber „nicht in Holz, sondern lediglich in Steinkohle bestehen (wird) und zwar vorzugsweise in solchen harten Sorten, welche, weil sie wenig Liebhaber finden, zu sehr niedrigen Preißen zu haben sind“.

Mit der Anfrage beim „Hohen Königl. Ministerio des Innern“, den die Brüder „so vertrauensvoll als ehrerbiethigst bitten“, ihnen die „Anlegung eines Eisenhüttenwerkes bei Riesa“ zu erlauben, hat das Unternehmerduo Erfolg. Am 27. März 1843 erlaubt der Sachsen den Stahlwerksbau. Noch im selben Jahr beginnt die Produktion, zunächst versuchsweise.

Die Stahlwerksgründer bleiben allerdings nicht lange dabei. Der Koselitzer Gutsbesitzer Alexander Schönberg scheidet bereits 1847 aus, er hatte sich offenbar von seiner Beteiligung mehr erhofft und sich nur aus spekulativen Gründen überhaupt an dem Betrieb beteiligt. Gutsbesitzer in Koselitz bleibt er bis 1866, dann verkauft er es für 70 000 Taler.

Bruder Heinrich Schönberg führt das Werk mit einem neuen Teilhaber weiter, der auch frisches Kapital mitbringt, damit das Werk erweitert werden kann. Das „Eisenhüttenwerk Gröba bei Riesa“ wird nach dem Tod Heinrich Schönbergs 1850 von dessen Familie an die Erbengemeinschaft „Gewerkschaft der Gräflich Einsiedelschen Eisenhütten“ verkauft, zu der auch die Werke Lauchhammer und Gröditz gehören. Mit Riesa gilt das Werkstrio bis ins 20. Jahrhundert als Einheit der sächsischen Stahlverarbeitung. Und noch heute, unter ganz anderen Eigentumsverhältnissen, sind Gröditz und Riesa Stahlstandorte. Ohne die Hilfe aus Koselitz hätte es diese Tradition zumindest in Riesa vielleicht nie gegeben. (SZ)

Die Verbindung des Riesaer Stahlwerks zum Koselitzer Gut ist Teil der ersten Koselitzer Chronik, die Ortchronist Reiner Eltzsch kürzlich vorgelegt hat. Die erste Auflage des Werkes von rund 180 Stück ist vergriffen. Eine zweite Auflage ist angedacht.

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