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„Wie lange es noch geht, weiß niemand“

Die Milchproduzenten steuern derzeit auf die totale Katastrophe zu. Auch in Großerkmannsdorf läuten die Alarmglocken.

© Thorsten Eckert

Von Jens Fritzsche

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Es klingt bedrohlich, was Steffen Gröber dieser Tage überregionalen Tageszeitungen sagen musste. Wenn es auf dem Milchmarkt weiter so laufe wie derzeit, könne auch sein Unternehmen nicht mehr lange durchhalten. Steffen Gröber ist Geschäftsführer des Landwirtschaftlichen Unternehmens in Großerkmannsdorf und dort „Herr“ über mehr als tausend Milchkühe.

Dabei ist der Milchmarkt seit Jahren ein schwieriges Geschäft. Aber so dramatisch wie aktuell war es lange nicht. Denn derzeit ist es nicht „nur“ der niedrige Milchpreis, der den Landwirten schwer zu schaffen macht. „Sondern wir haben auch immer weniger Möglichkeiten, quer zu finanzieren“, sagt er. Heißt, bisher konnten Verluste noch zum Beispiel durch Getreideverkauf ausgeglichen werden. „Aber im Moment ist der Getreidepreis derart am Boden, dass auch da nichts mehr geht.“ „Es kommt einfach viel zu viel Billig-Getreide aus Osteuropa ins Land – wir können da nicht wirtschaftlich gegenhalten“, legt Steffen Gröber den Finger in eine der zahlreichen Wunden. Eine weitere sind die Sanktionen gegen Russland, sodass weniger Milch dorthin exportiert wird – und genau diese Milch nun als zusätzliche Überproduktion auf dem Markt liegt. Schwer wie Blei.

Das Grundproblem ist dabei, dass die Milchproduzenten keinen Einfluss auf den Milchpreis haben. Heißt, Handel und Molkereien geben die Preise vor. Und orientieren sich dabei am Billigwahn der Kunden. Die einzige Möglichkeit für die Landwirte wäre in diesem Fall, mehr Milch zu produzieren, um somit mehr einzunehmen. Aber da schon jetzt mehr als ausreichend Milch auf dem Markt ist, würde das die Preise nur weiter nach unten treiben. „Ein Teufelskreis“, sagt Steffen Gröber.

Aktuell stehen in den Geschäftsbüchern der Großerkmannsdorfer bis zu 2 250 Euro Einnahmeverluste – und zwar täglich! Aufs Jahr hochgerechnet sind das rund 820 000 Euro, die fehlen. Wie lange das noch gut geht, weiß er nicht. Aufgeben wollen die Großerkmannsdorfer natürlich nicht. Auch im Interesse der immerhin 60 Arbeitsplätze hier im Unternehmen. „Aber es muss allen klar sein, dass dringend etwas passieren muss, wenn die Tendenz des Unternehmenssterbens endlich gestoppt werden soll!“ In Sachsen haben bereits acht große Milchproduzenten dichtgemacht.