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Wie mache ich meine Wohnung fit fürs Alter?

Viele wollen gern möglichst lange zu Hause wohnen bleiben. Ein Umbau hilft – wenn man es richtig anstellt.

© Sven Ellger

Von Franz Werfel

Freital. Diesen Wunsch haben viele Menschen: Auch im Alter noch möglichst lange in den eigenen vier Wänden wohnen zu können. Gerade auf dem Land, wo die meisten Menschen in ihren eigenen Häusern leben, ist dies aber nicht immer einfach so möglich. Denn, so steht es in einer Studie, die für das sächsische Innenministerium angefertigt wurde: Viele Wohnungen oder Häuser sind für ältere Menschen gar nicht geeignet. Das geht bei Treppenstufen los, über die man ins Haus gelangt und hört bei Badewannen oder Duschen mit hohen Einstiegen noch lange nicht auf.

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Von Actionfilm bis Comic

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Barrierefrei muss nicht gleich hässlich sein: Funktionale Bäder bietet zum Beispiel auch Villeroy und Boch an. © PR
Lifte überwinden Treppen. Sie kosten zwischen 5000 und 15000 Euro, abhängig von Treppenlänge und -form. © PR

Thomas Naumann ist jemand, der sich mit diesen Fragen richtig gut auskennt. Der 40-Jährige arbeitet für das Selbsthilfenetzwerk Sachsen in Dresden. Dort berät er kostenfrei Menschen in Ostsachsen, die ihren Wohnraum so umbauen wollen, dass sie im Alter noch viel davon haben. Und was viele nicht wissen: Seit einem halben Jahr fördert der Freistaat mit mehreren Tausend Euro pro Fall den Umbau.

Als Faustregel gilt: Die Sächsische Aufbaubank (SAB) übernimmt bei einem Umbau der Wohnung bis zu 80 Prozent der Kosten, in manchen Fällen sogar 100 Prozent. „Die meisten können sich Hoffnung auf bis zu 8 000 Euro machen, wenn sie ihren Wohnraum barrierefrei umbauen“, sagt Thomas Naumann. Wer seine Wohnung für einen Rollstuhlnutzer fit macht, bekommt sogar bis zu 20 000 Euro Unterstützung. Für Menschen mit einem Pflegegrad kommen noch einmal bis zu 4 000 Euro von der Pflegekasse hinzu.

Thomas Naumann nimmt die SZ-Leser mit auf einen Rundgang durch ein Haus und gibt Tipps, was man bei der Umgestaltung einzelner Räume beachten sollte.

Wie komme ich ins Haus? – barrierefreie Zugänge helfen

„Für viele Menschen ist schon der Zugang zu einem Gebäude schwierig“, weiß Thomas Naumann aus eigener Erfahrung. „Ohne Stufen ist immer besser – aber Stufen können auch überwunden werden.“ Wer Treppenstufen im Freien hat, sollte diese in einem guten Zustand halten.

„Auch Gehbehinderte leiden darunter, wenn die Stufen kaputt oder zu hoch sind.“ Das erhöhe die Sturzgefahr. Handläufe seien in jedem Fall empfehlenswert. Ist nur eine geringe Höhe zu überwinden, könne auch eine Rampe helfen. „Schon für einen halben Meter Höhenunterschied muss die aber acht Meter lang sein“, gibt Naumann zu bedenken.

Weil der Gesetzgeber Probleme im Alter im Blick hat, gilt für alle Neubauten, dass sie ab dem vierten Stock einen Fahrstuhl haben müssen. Und noch etwas wird künftig verstärkt nachgefragt werden, sagt Thomas Naumann: Rollatorengaragen. Diese kleinen Kästen dürften sich dann neben Briefkästen einordnen. Damit der Seniorenflitzer immer gut geparkt ist,

Das Wohnzimmer – keine Schwellen, breite Türen, moderne Technik

Für die Wohnräume gelte generell: die Türschwellen müssen weg. „Schwellen gibt es vor allem in älteren Wohnhäusern“, sagt Naumann. Wer sich dabei Hilfe von einem Handwerker holt, kann auch mit Geld von der SAB rechnen. Wer seine Wohnung barrierefrei gestaltet, sollte auch darauf achten, dass die Türen möglichst breit sind. „Ich empfehle 90 Zentimeter, ein Meter sollte es sein, wenn die Person auf einen Rollstuhl angewiesen ist“, sagt Naumann.

Auch innerhalb von Wohnungen werden vermehrt Treppenlifte verbaut. Diese gibt es als schmalere Stühle mit einer Sitzfläche oder als Plattformlifte für Rollstühle oder Rollatoren. Gängige Treppenlifte kosten derzeit zwischen 5 000 und 15 000 Euro, abhängig davon, wie lang die Treppe insgesamt ist und ob sie gerade nach oben führt, oder geschwungen ist.

Zunehmend wird auch das Thema Smart Living, also digitale Technik in Wohnräumen, eine Rolle für Senioren spielen, so Naumann. Schon lange gebe es technische Lösungen für Rollläden an Fenstern und elektrische Fensteröffner. Intelligente, sprachgesteuerte Systeme, zum Beispiel für die Beleuchtung oder Unterhaltungselektronik wie Musikanlagen dürften in naher Zukunft mehr nachgefragt werden. „Bisher sind die Steuerungen für diese Systeme oft noch zu kompliziert – besonders für ältere Menschen“, sagt Naumann.

Das Badezimmer – lieber Dusche als Badewanne

„Im Bad sind Duschen mit einem niedrigen Einstieg am wichtigsten“, so Naumann. Er empfiehlt auch erhöhte Toilettensitze. „Billige Plastikaufsätze sind aber viel unhygienischer als eine neue, höhere Toilettenschüssel.“ Das ist aber auch eine Frage des Geldbeutels. Über Haltegriffe an Waschbecken, Toilette und in der Dusche sollte man ebenfalls nachdenken. „Mittlerweile können alle größeren Sanitätshäuser dazu gut beraten“, ist Naumanns Erfahrung. Mit dem Spezialisten kann man individuell abchecken, was für einen selbst wichtig ist.

Das Schlafzimmer – hohe Betten und viel Platz für den Notfall

Bewegungsfreiheit ist in allen Wohnräumen wichtig. „Auch im Schlafzimmer sollte man auf Platz für Rollatoren oder Rollstühle achten.“ Neben dem Bett, das im Idealfall einen hohen Einstieg hat, sollte an allen Seiten 1,5 Quadratmeter Platz sein, bei Rollstühlen mindestens 2,25 Quadratemeter, damit man noch wenden kann. Bei allen Umbauten und Anschaffungen, rät Thomas Naumann, sollte man stets Kosten und Nutzen im Blick haben. „In der Regel kann keine Wohnung 100-prozentig barrierefrei werden.“

Kontakt zu Thomas Naumann: 0351  47935018 oder [email protected]