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Wie man Wölfe das Fürchten lehrt

Der ungewöhnlich zutrauliche Nachwuchs aus dem Milkeler Rudel soll vergrämt werden. Eine schwierige Sache.

© dpa/Carsten Rehde

Von Jana Ulbrich

Die Mission ist heikel, der Ausgang ungewiss. Aber es ist zumindest ein Versuch: Seit Tagen schon schlagen sich Mitarbeiter des Wildbiologischen Instituts „Lupus“ durch die tiefsten Wälder des Oberlausitzer Biosphärenreservats. Hier irgendwo im Sperrgebiet, wo der Zutritt für Menschen normalerweise verboten ist, hat das Milkeler Wolfsrudel sein angestammtes Kerngebiet. Hier kommt der Nachwuchs zur Welt. Und irgendwo hier müssen sie sein, die forschen Welpen des 2017er-Jahrgangs. Fünf Monate sind sie inzwischen alt und noch immer in der Prägungsphase. „Zum Glück“, sagt Sophia Liehn vom Kontaktbüro „Wölfe in Sachsen“. „Denn jetzt haben wir noch eine Chance, sie das Fürchten zu lehren.“

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Wolf muss natürliche Scheu zeigen

Die jungen Wölfe das Fürchten lehren – genau das ist der Auftrag für die Fachleute im Sperrgebiet. Denn der fünf Monate alte Nachwuchs des Milkeler Rudels hat sich bereits weit hinaus und ganz ohne Scheu in die Nähe von Menschen gewagt. Das ist beileibe kein typisches Verhalten für einen Wolf. Darin sind sich die Biologen und Fachleute vom Sächsischen Umweltministerium einig. Ein Wolf ist kein Freund des Menschen, „Er muss eine natürliche Scheu zeigen“, erklärt der Sprecher des Umweltministeriums, Frank Meyer.

Es ginge nicht darum, die Wölfe aus ihrem Territorium zu vertreiben, sondern darum, ihnen innerhalb des Territoriums ihr zutrauliches Verhalten abzugewöhnen. „Auf Deutsch gesagt: Wenn Wölfe Menschen wahrnehmen, sollen sie sich nicht neugierig annähern, sondern sie sollen den Schwanz einziehen und sich davonmachen“, erklärt Frank Meyer. Und genau das wollen die Lupus-Mitarbeiter dem Nachwuchs des Milkeler Rudels beibringen.

Es ist ein Versuch. Und der setzt Sachkunde voraus, sagt der Ministeriumssprecher. Wenn die Fachleute jetzt also den Welpen begegnen, dann werden sie sie laut anschreien, werden sich mit erhobenen Armen groß machen, werden auf sie zulaufen, ihnen hinterherrennen, sie zur Not auch mit Stöcken oder Steinen bewerfen. Kurzum: Sie werden alles tun, um den Wölfen Angst einzujagen. „Er muss die Begegnung mit einem Menschen als unangenehm empfinden“, sagt Sophia Liehn. Ob und was am Ende tatsächlich wirkt, müsse man sehen. Über alles Weitere werden sich die Fachleute und die zuständigen Behörden abstimmen.

Wölfe nicht füttern oder anlocken

Nur unter ganz bestimmten Umständen und nur dann, wenn Wölfe aufgrund ihres Verhaltens zu einer Gefahr für den Menschen werden könnten, lässt das gesetzt die Möglichkeit zu, die Tiere zu jagen. Bisher war das in Sachsen nur ein einziges Mal der Fall. Im Januar hatte das Sächsische Umweltministerium dem Abschuss eines Wolfes im Kreis Görlitz zugestimmt. Der Wolfsrüde Pumpak, der als junger Wolf in Polen offenbar von Menschen gefüttert worden war, hatte gelernt, dass es in der Nähe von Häusern etwas zu fressen gibt. Ohne Scheu machte er sich an Komposthaufen und anderem zu schaffen. Zwar hatte er jedes Mal die Flucht ergriffen, wenn er einem Menschen begegnet war, sagt Sophia Liehn. Man habe aber nicht einschätzen können, wie er sich verhält, wenn er sich angegriffen fühlt.

In diesem Zusammenhang weist sie noch einmal eindringlich darauf hin, dass Wölfe niemals gefüttert oder angelockt werden dürfen, sondern bei einer Begegnung immer verscheucht werden sollten. Und sie hat auch noch eine Bitte: „Wenn jemand einen Wolf sieht, wäre es für uns sehr wichtig, dass wir das erfahren, auch wie der Wolf sich bei der Begegnung verhalten hat“, sagt sie. Zu einem Abschuss von Pumpak ist es schließlich nicht gekommen. Der Wolf hatte sich nicht mehr blicken lassen.

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Auch im Landkreis Bautzen läuft gegenwärtig ein Genehmigungsverfahren auf Abschuss von Wölfen aus dem Rosenthaler Rudel. Das Rudel hat bisher über 180 Nutztiere gerissen – und ist auf diese Weise eine Gefahr für den Menschen geworden. Der Fall wird gerade im Umweltministerium geprüft. Eine Entscheidung steht noch aus.