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Wie marode sind Pirnas Trinkwasser-Rohre?

In der Innenstadt platzte am Wochenende eine Hauptleitung. Sie war knapp hundert Jahre alt.

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© Daniel Förster

Von Thomas Möckel und Daniel Förster

Pirna. Als am Sonnabendnachmittag Wasser aus der Siegfried-Rädel-Straße in Pirna sprudelte, wähnten sich manche schon mitten in einer neuen Flutkatastrophe. Im Juni 2013 war die Trasse vom Hochwasser überflutet worden, drei Jahre später bildeten sich nun erneut zwei Seen. Schuld daran war aber diesmal nicht ein außer Rand und Band geratener Flusslauf, sondern eine alte Dame im Untergrund.

© Daniel Förster

Unter der Rädel-Straße verläuft eine Trinkwasserleitung aus dem Jahr 1917, die offensichtlich des ständigen Wasserdrucks überdrüssig war. Weil wohl das Material ermüdete, so eine erste Analyse der Stadtwerke Pirna (SWP), barst das unter Dauerdruck stehende Rohr am vergangenen Wochenende. Der sogenannte Schalenbruch auf einer Länge von 50 Zentimetern hatte weitreichende Folgen: Glasklares Nass überflutete Straße und Gehweg, nahe des Gottleuba-Wohnparks entstanden rasch zwei kleine Seen. Mindestens eine Viertelstunde trat das Trinkwasser unkontrolliert aus, Anwohner saßen danach stundenlang auf dem Trockenen.

Rund achteinhalb Stunden dauerte nach Angaben der Stadtwerke die Reparatur. Der Notfalldienst der Stadtwerke stoppte zunächst das Wasser, Fachleute einer Tiefbaufirma baggerten in den Abendstunden die Straße auf, um an die Schadstelle zu kommen. In Höhe des Hauses Nummer 32 wechselten die Notdienstler ein etwa zwei Meter langes Teilstück des Rohres aus. Erst am Sonntagmorgen lief das Wasser wieder in geordneten Bahnen. Während der Arbeiten konnten sich Anwohner an einem nahe gelegenen Hydranten mit Trinkwasser versorgen. Wie teuer der ganze Spaß wird, steht noch nicht fest, die Stadtwerke lassen die Summe gerade ermitteln.

Vor allem die Folgeschäden dürften die Kosten noch in die Höhe treiben. Als das Wasser aus der geborstenen Leitung schoss, hoben die Wassermengen auch den Asphalt der Rädel-Straße in die Höhe. Wie sich das auf die Deckschicht auswirkte, ist noch unklar. Das Tiefbauamt der Stadt Pirna prüft derzeit den Umfang der Schäden und will sich anschließend ein Kostenangebot einer renommierten Straßenbaufirma einholen. Fest steht bislang: Die Siegfried-Rädel-Straße bleibt aufgrund der Schäden zwischen Karl-Liebknecht-Straße und Gottleuba-Brücke weiterhin voll gesperrt. Wann die Trasse für den Verkehr freigegeben wird, ist noch ungewiss. Vor allem muss die Reparatur mit jenen Arbeiten koordiniert werden, mittels derer Flutschäden von 2013 an den Gehwegen beseitigt werden sollen.

Noch 200 alte Leitungen unter der Erde

Die Havarie an der Rädel-Straße ist längst kein Einzelfall. Nach Auskunft der Stadtwerke brachen beispielsweise 2010 eine alte Trinkwasserleitung an der Gerichtsstraße sowie 2015 Rohre auf der Braustraße und an der B 172 – und verursachten ganz ähnliche Überschwemmungen. Damit derlei Rohbrüche nicht zum Dauerproblem werden, lassen die Stadtwerke das gesamte Leitungssystem im Untergrund abschnittsweise sanieren. So investierte das Unternehmen nach eigenen Angaben in den zurückliegenden fünf Jahren reichlich 1,7 Millionen Euro, um das Trinkwassernetz zu warten, zu unterhalten und instand zu setzen. Weitere 5,3 Millionen investierten die Stadtwerke, um Netz-, Speicher- und Pumpanlagen zu erneuern. Aber es ist längst noch nicht alles geschafft.

Laut der Stadtwerke liegen derzeit noch rund 200 Leitungen desselben Alters wie das gebrochene Rohr an der Rädelstraße – knapp 10 0 Jahre alt – über das ganze Stadtgebiet verteilt im Untergrund. Schrittweise sollen sie ausgetauscht werden, weil sich die Investitionen nicht innerhalb eines kurzen Zeitraumes stemmen lassen. So ist beispielsweise geplant, die uralten Leitungen an der Braustraße, an der Siegfried-Rädel-Straße sowie am Dohnaischen Platz in den Jahren 2019 bis 2023 zu erneuern. Anlass zur Sorge gebe es deswegen laut der Stadtwerke aber nicht.

Nach Auskunft des Unternehmens bestehe derzeit keine Gefahr ähnlicher Rohrbrüche an anderen Stellen. Die Stadtwerke lassen jährlich die Rohre des Trinkwassernetzes überprüfen, um Schäden und Lecks frühzeitig zu erkennen.