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Bischofswerda

Wie Neukirch zu Kirchenglocken kam

In wenigen Jahren warb ein Verein rund 170 000 Euro Spendengelder ein. Jetzt erinnert ein Buch nicht nur daran.

2 000 Menschen drängten sich zur Glockenweihe am 12. Oktober 2014 um die Neukircher Kirche, vor der die vier Bronzeglocken festlich geschmückt waren. Es ist eines von vielen Fotos in dem neuen Buch.
2 000 Menschen drängten sich zur Glockenweihe am 12. Oktober 2014 um die Neukircher Kirche, vor der die vier Bronzeglocken festlich geschmückt waren. Es ist eines von vielen Fotos in dem neuen Buch. © Wolfgang Schmidt

Neukirch. Vor fast fünf Jahren, am 12. Oktober 2014, wurden in Neukirch die vier neuen Bronzeglocken geweiht. Über 2 000 Menschen waren dabei – und so wurde diese Glockenweihe zu einem eindrucksvollen und emotionalen Festtag. Gut sechs Wochen später waren die Glocken das erste Mal zu hören. Durch sie wurde im Jahr 2014 der erste Advent in der Oberlandgemeinde eingeläutet. Viele Neukircher lauschten aufmerksam.

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Sechs Jahre hatten die Neukircher und Ringenhainer, die ein Kirchspiel bilden, auf dieses Ereignis hingearbeitet, hatten unermüdlich gesammelt und Hindernisse überwunden. 170 000 Euro, gespendet von Bürgern, Geschäftsleuten und Unternehmen, kamen zusammen. Das Unternehmen Käppler & Pausch, damals noch gemeinsam von Ulrich Käppler und Gabriel Pausch geleitet, entschied sich, die kleinste Glocke komplett zu finanzieren. Bei dieser breiten Unterstützung, aber auch Emotionalität ist es verständlich, dass mehrfach der Wunsch ausgesprochen wurde, den Verlauf dieses Weges aufzuschreiben. Nun ist ein Büchlein entstanden, das in Wort und Bild die Geschichte der Neukircher Geläute beschreibt, die auf das Engste mit dem Schicksal des Dorfes und seiner Bewohner verbunden ist. Besonders die Erfahrungen und Erlebnisse der sechs Jahre gemeinsamen Wirkens für das jetzige Geläut sind aufgezeichnet, und viele werden sich mit Freude darin wiederfinden oder auf Bildern entdecken. Den Text hat Christoph Krause verfasst, die Bilder haben viele Autoren zur Verfügung gestellt. Den Satz hat Christiana Weber gestaltet. Gedruckt wurde das Buch bei der Firma Grafe in Bischofswerda. Die Erstauflage beläuft sich auf 100 Stück. Bei Nachfrage kann jederzeit nachgedruckt werden. Aus Anlass des fünften Jahrestages der Glockenweihe wird das Buch bei einem Gemeindeabend an diesem Freitag der Öffentlichkeit vorgestellt.

500 Jahre haltbar

Die neuen Bronzeglocken lösten Glocken aus Stahl ab, die seit 1948 im Neukircher Kirchturm hingen. Dieses Geläut musste dringend ersetzt werden, da es von innen rostete. Zudem drohte das Gewicht den Turm zu beschädigen, wie ein Schwingungsgutachten gezeigt hatte. Das jetzige Bronzegeläut ist um etwa ein Drittel leichter. Die Stahlglocken waren nach dem Zweiten Weltkrieg nur eine Notlösung gewesen. Zum einen, weil es zu dieser Zeit kaum Bronze gab. Zum anderen, weil die Neukircher Angst hatten, dass ihre Kirchglocken wieder für Rüstungszwecke eingeschmolzen werden könnten – so wie 1917 und 1942, als die damaligen Machthaber die Glocken vom Kirchturm geholt hatten. Die neuen Bronzeglocken können 500 Jahre halten, wenn sie nicht wieder durch menschliche Unvernunft zerstört werden, sagt Christoph Krause. Er ist Sohn des einstigen Kirchners Gerhard Krause – und damit von frühester Kindheit an mit der Kirche und deren Ausstattung verbunden.

Christoph Krause leitete auch den Glockenförderverein, der die vielen Spendengelder einwarb. Nachdem das neue Geläut realisiert war, löste sich der Verein auf. Doch auch jetzt denkt Christoph Krause an den Erhalt der Glocken und des Glockenstuhls im Kirchturm. Vom Verkaufserlös jedes Büchleins (zehn Euro) gehen zwei Euro an die Kirchgemeinde. Sie wird das Geld für die Pflege und Wartung des Geläutes nutzen. Verkauft wird das Heft im Neukircher Pfarramt, in der Papeterie Darkow und beim Kulturförderverein. (SZ)

Buchpräsentation am 4. Oktober, 19 Uhr im Kirchgemeindehaus Neukirch, Friedhofsweg 1. Musikalisch umrahmt wird der Abend durch das „Trio delectata musica.