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Wie Oberposta ans Abwassernetz kommt

Der Ortsteil an der Elbe wird als vorerst letzter an den Pirnaer Kanal angeschlossen. Zwei Jahre wird dafür die Straße aufgerissen.

© Norbert Millauer

Von Christian Eissner

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Pirna. Vor fast genau zehn Jahren stellten die Stadtwerke Pirna den Einwohnern von Oberposta den Plan vor, einen Abwasserkanal für den Ortsteil zu bauen. Am Donnerstag gibt es wieder solch eine Informationsveranstaltung, wieder im Elbparadies. Und dieses Mal wird es konkret, denn es sollen keine zehn Jahre bis zum Baustart vergehen, sondern nur ein paar Wochen. Im Herbst 2007 hatte der Stadtrat einem überarbeiteten Abwasserbeseitigungskonzept zugestimmt. Eine der größten Änderungen damals: Die Anwohner in Oberposta sollten ihr Abwasser nicht mehr wie zuvor geplant mittels vollbiologischer Kleinkläranlagen reinigen. Man wollte die Grundstücke stattdessen lieber ans zentrale Kanalnetz anschließen. Jetzt ist es soweit, im März soll der Bau beginnen. Oberposta ist eine der letzten großen Abwasserkanal-Neubauten im Stadtgebiet.

Wie begründen die Stadtwerke den Kanalbau?
Laut der Stadtwerke war die Entscheidung für den Kanalbau in Oberposta eine der schwierigsten im gesamten Abwasserbeseitigungskonzept. Ursprünglich hatte der Versorger den Aufwand gescheut. Zwei Vergleichsrechnungen hätten allerdings ergeben, dass ein Kanalbau durchaus vertretbar sei, erläutert Christian Genzel, Baubeauftragter der Stadtwerke. Als Hauptgrund nennen die Stadtwerke aber Bedenken der Wasserbehörde. Sie hatte einer dezentralen Entsorgung letztlich eine Absage erteilt, da sie einen Abwasserkanal als weniger riskant für die Elbe einstuft, in die die Postaer Kleinkläranlagen entwässern würden. Genau 101 Haushalte in Oberposta werden nun ans Kanalnetz angeschlossen.

Wie soll der Bau vonstatten gehen?
Der Kanal wird in der Straße Oberposta verlegt, und zwar auf der Elbseite der Fahrbahn. Geplant sind zwei Bauabschnitte. Der erste Abschnitt zwischen dem Elbparadies in Niederposta und dem Wendehammer am Kriegerdenkmal in Höhe des Grundstücks Oberposta 32 soll am 12. März beginnen und am 22. November 2018 fertiggestellt sein. Der zweite Bauabschnitt zwischen dem Wendehammer und Oberposta Nummer 66 ist von März bis Dezember 2019 geplant.

Insgesamt wird der Kanal knapp 3,3 Kilometer lang. Das Gefälle des Kanals wird so angelegt, dass sich der tiefste Punkt (rund sechs Meter unter der Erde) im Bereich des Wendehammers befindet, also etwa in der Mitte der Kanalstrecke. Von dort aus wird das Abwasser dann mittels einer Druckleitung zum Pumpwerk in Niederposta gepumpt. Auch diese Druckleitung muss im ersten Bauabschnitt mit verlegt werden. Insgesamt rechnen die Stadtwerke mit Baukosten in Höhe von rund drei Millionen Euro.

Welche Einschränkungen bringen die Bauarbeiten mit sich?
Für die Bauarbeiten muss die schmale Straße entlang der Elbe komplett gesperrt werden. Die Stadtwerke versprechen aber, den Bauablauf so anwohnerfreundlich wie möglich zu gestalten. „Wir wollen das Baufeld sehr kurz halten“, erläutert Christian Genzel. So soll die eigentliche Baugrube immer nur rund 15 Meter lang sein und verschlossen werden, bevor das nächste Stück in Angriff genommen wird. Nachts und an den Wochenenden wird die Grube abgedeckt, sodass Anwohner sie mit ihren Autos überfahren können.

Wenn gearbeitet wird, ist allerdings mit dem Auto kein Durchkommen. Anwohner, die ihr Grundstück hinter dem Baubereich haben, müssen dann eine Umleitung über Dorf Wehlen und Stadt Wehlen in kauf nehmen. Für Fußgänger soll die Baustelle immer passierbar sein, für Radfahrer wird der betroffene Abschnitt des Elberadwegs allerdings trotzdem gesperrt, eine Umleitung wird über die linke Elbseite ausgeschildert.

Dürfen Kleinkläranlagen nach dem Kanalbau weiterbetrieben werden?
Ja, aber nur eine gewisse Zeit. Wer in den vergangenen Jahren neu gebaut hat in Oberposta, musste sein Haus mit einer vollbiologischen Kleinkläranlage ausstatten. Nun muss er sein Haus ans Kanalnetz anschließen und die Kleinkläranlage außer Betrieb nehmen – eine finanzielle Doppelbelastung, für die betroffene Haushalte nicht entschädigt werden. Allerdings räumt der Gesetzgeber den Eigentümern eine Übergangsfrist ein. Das heißt, sie dürfen ihre Kläranlage ab Inbetriebnahme 15 Jahre nutzen und sind erst dann zum Anschluss an die zentrale Abwasser-Entsorgung gezwungen.

Werden noch andere Medien verlegt, und wird auch die Straße saniert?
Aus jetziger Sicht: zweimal nein. Was in Oberposta fehlt, ist ein Kabel für schnelles Internet. Nach Auskunft der Stadtwerke liegt dazu bereits ein Leerrohr in der Straße, eine Kabelverlegung könnte im Zuge des Abwasserbaus mit in Angriff genommen werden. Allerdings plant die Telekom das derzeit nicht. Die Stadtverwaltung Pirna habe die Telekom gebeten, das Kabel im Zuge des Kanalbaus gleich mit in die Erde zu bringen, sagt Stadtsprecher Thomas Gockel. Bisher ohne Erfolg.

Auch eine komplett neue Straßendecke wird es nach dem Abwasserbau nicht geben. Die Stadt hat kein Geld dafür im Haushalt eingeplant. So wird lediglich der Baugraben wieder verfüllt und bekommt eine neue Bitumendecke.

Was kostet die Anwohner der Anschluss ans Kanalnetz?
Der Kanalanschluss ist für die Grundstückseigentümer zwar deutlich günstiger als der Bau einer eigenen vollbiologischen Kleinkläranlage, tief in die Tasche greifen müssen sie trotzdem. Nach Auskunft der Stadtwerke wird ein Erschließungs-Grundbetrag von rund 1 500 Euro (inklusive Steuer) fällig sowie ein Baukostenzuschuss, der sich nach der Straßenfrontlänge des Grundstücks berechnet und mindestens 456,25 Euro beträgt. Hinzu kommen die Kosten für das Graben des Einstiegsschachts auf dem Grundstück, die der Eigentümer ebenfalls selbst tragen muss.

Informationsveranstaltung für Anwohner zum Kanalbau am 8. Februar, 18 Uhr, im Elbparadies Posta.