merken

Wie Pirna um eine neue Schulsporthalle ringt

Das Evangelische Schulzentrum braucht eine Turnhalle, aber Geld ist knapp. Werden nun Abstriche beim Straßenbau gemacht?

Das evangelische Schulzentrum starte den Schulbetrieb in den Roten Kasernen, vom Schulverein für über zehn Millionen Euro ohne Fördermittel ausgebaut, mit Beginn dieses Schuljahres. Nun fehlt nur noch eines zum Glück: eine neue Sporthalle.
Das evangelische Schulzentrum starte den Schulbetrieb in den Roten Kasernen, vom Schulverein für über zehn Millionen Euro ohne Fördermittel ausgebaut, mit Beginn dieses Schuljahres. Nun fehlt nur noch eines zum Glück: eine neue Sporthalle. © Daniel Schäfer

Von Thomas Möckel

Anzeige
Mutige Gründerinnen gesucht

Am Anfang stehen die drei Buchstaben T U N", sagt eine der beiden Gewinnerinnen des Sächsischen Gründerinnenpreises 2019. Jetzt noch für 2020 bewerben.

Pirna. Der Pirnaer Stadtrat will am Dienstag den neuen Doppelhaushalt für 2019/2020 beschließen. Finanziell ist der Etat ausgereizt, die für Investitionen zur Verfügung stehenden Gelder sind längst auf konkrete Projekt verteilt. Doch kurz vor Toresschluss kommt nun ein neues Vorhaben ins Spiel: Das Evangelische Schulzentrum an der Rottwerndorfer Straße braucht dringend eine Sporthalle. Wird es gelingen, die etwa fünf Millionen Euro teure Sportstätte noch in den Stadthaushalt zu integrieren? Die SZ fasst den aktuellen Stand zusammen.

Warum braucht das Schulzentrum eine Sporthalle?
Für den Bau einer Turnhalle am Schulzentrum sprechen mehrere Gründe. Einwohner- und Kinderzahlen und somit die Schülerzahlen wachsen stetig. „Die Oberschule ist jetzt bis zur 7. Klasse dreizügig, in den nächsten Jahren kommen stets drei neue 5. Klassen hinzu“, sagt Schulleiterin Hedda Feron. Auch das Berufliche Gymnasium fährt bereits zweizügig. Derzeit lernen an der Schule 665 Schüler, 2021/22 werden es voraussichtlich 776 Schüler sein – überwiegend Kinder aus Pirna. All diese Schüler haben auch Sportunterricht, aber genau darin liegt das Problem.

Es gibt für das Schulzentrum so gut wie keine Hallenkapazitäten mehr. „Wir haben bereits alle Hallen, die es in der Umgebung gibt, abgegrast“, sagt Hedda Feron. Ein Teil der Schüler geht in die Turnhalle der Grundschule Zehista, doch der Weg vom Gottleuba- ins Seidewitztal ist umständlich und zeitaufwendig. Einige Schüler haben Unterricht in der Sporthalle des Schiller-Gymnasiums. Doch auch dieses Gymnasium nimmt künftig weitaus mehr Schüler auf als bislang. Somit ist zu befürchten, dass dann für die Schüler aus dem Schulzentrum in dieser Halle kein Platz mehr ist.

Die jüngeren Schüler treiben bislang Sport im Aktiv-Sportzentrum, allerdings nicht mehr ewig. „Das Sportzentrum hat uns signalisiert, dass sie uns auf Dauer nicht mehr haben wollen“, sagt Hedda Feron. Das bestätigt auch Sportzentrum-Prokuristin Kathrin Honnes. Das Sportzentrum habe ursprünglich beabsichtigt, den Vertrag mit dem Schulzentrum zu kündigen. Inzwischen habe man sich aber auf einen Kompromiss geeinigt. So kann der Sportunterricht hier zumindest so lange weiterlaufen, bis es eine neue Halle gibt. Ein weiterer Grund für einen Hallenneubau: Auch die Stadt Pirna braucht dringend eine weitere Sportstätte – für den Vereinssport.

Warum wurde bislang keine Sporthalle am Schulzentrum gebaut?
Laut Hedda Feron hat der Evangelische Schulverein die Roten Kasernen aus eigener Kraft für über zehn Millionen Euro zum Schulzentrum ausbauen lassen, dafür gab es keinerlei Fördermittel. Für eine Sporthalle fehlte dann einfach der finanzielle Spielraum. Zudem hat die Stadt signalisiert, beim Thema Sporthalle mit dem Schulverein zu kooperieren.

Warum wird das Thema erst kurz vor dem Haushaltbeschluss diskutiert?
Das Thema Sporthalle ist nicht ganz neu. „Wir sind darüber mit der Stadt schon seit zwei Jahren im Gespräch“, sagt Hedda Feron. Zudem werde der Evangelische Schulverein ehrenamtlich geführt, sodass größere Projekte auch eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen. Auf Rat der Stadt habe der Schulverein jetzt kurz vor der Haushaltdebatte noch einmal mehrere Stadträte mit der Bitte kontaktiert, sich für die Halle einzusetzen, weil letztendlich die Abgeordneten den Etat beschließen – und auch, ob wegen der neuen Halle möglicherweise andere Projekt verschoben werden sollen.

Wie weit ist das Projekt Sporthalle inzwischen gediehen?
Der evangelische Schulverein hat bereits auf eigene Kosten eine Sporthalle planen lassen. Die Planung ist Voraussetzung dafür, Fördermittel zu beantragen. Der Entwurf sieht eine Dreifeld-Halle in der Schulvariante vor – also ohne Zuschauertribüne. Die Pläne liegen der Stadt bereits vor.

Wie viel kostet die Halle und wer finanziert sie?
Laut Schulverein kostet die Halle rund fünf Millionen Euro, Eigenmittel sind nach Aussage von Hedda Feron so gut wie nicht vorhanden. Und das Geld, was noch vorhanden ist, wird wohl in die Ausstattung fließen müssen, denn Fördermittel gibt es nur für den reinen Bau. Selbst wenn Zuschüsse vom Land Sachsen fließen, müsste die Stadt Pirna möglicherweise ein Drittel oder gar die Hälfte der Bausumme aus Eigenmitteln aufbringen – angesichts der derzeitigen Finanzlage nicht ganz einfach.

Gibt es schon Vorschläge seitens des Stadtrates?
Viele Stadträte befürworten den Bau einer neuen Sporthalle. „Das Wichtigste ist, dass es uns gelingt, das Projekt in den Haushalt einzuordnen, damit der Sportunterricht für das Schulzentrum gesichert ist“, sagt Thomas Gischke, Chef der Fraktion „Wir für Pirna – Freie Wähler“. Seine Fraktion sowie die Stadträte der Grünen und der SPD haben beantragt, frei werdende Fördermittel aus dem Posten „Breitbandausbau“ für den Bau der Turnhalle zu verwenden. Das Problem allerdings: Es werden allein daraus nicht so viele Gelder frei wie benötigt. Auch Tim Lochner, Fraktionschef von „Pirna kann mehr – Blaue Wende“ erachtet die neue Sporthalle als dringend notwendig. Seine Fraktion hat beantragt, dass die Stadt für einen Kredit des evangelischen Schulvereins bürgen könnte.

Doch das dürfte kaum möglich sein, denn die Stadt nur für Darlehen städtischer Gesellschaften bürgen, nicht aber für jene von privaten Dritten. Auch den Bau des Kreisverkehrs an der Adler-Apotheke zu verschieben, bringt nicht viel. Dabei würden 280 000 Euro an städtischen Eigenmitteln frei – zu wenig für die Sporthalle. Ebenfalls in Leere läuft die Idee, den Neubau der Lok-Sporthalle an der Einsteinstraße zugunsten der neuen Sporthalle in der Südvorstadt zu verschieben. Der ESV Lok baut die Halle selbst und bekommt dafür eine 100-prozentige Förderung, somit würden dabei gar keine städtischen Eigenmittel frei. Lochner schlug nun vor, dass der Leichtathletik-Sportverein (LSV) die neue Halle am Schulzentrum bauen könnte, wenn es dafür 100 Prozent Fördermittel gebe. Der Schulverein könnte sich dann dort einmieten. Ob diese Variante allerdings kurzfristig realisierbar ist, scheint fraglich.

Welche Vorschläge gibt es seitens der Stadt?
Das Rathaus, sagt Stadtsprecher Thomas Gockel, habe bereits die Signale empfangen, dass sich für die neue Sporthalle wohl eine Mehrheit im Stadtrat finden würde. Derzeit ermittelt die Stadt gemeinsam mit dem Schulverein die Kosten sowie die Zeitschiene. Das Gebiet „Rote Kasernen“ ist unlängst Fördergebiet „Stadtumbau“ geworden, so besteht die Aussicht auf zusätzliche Fördermittel. Einen Finanzierungsvorschlag will die Stadt am Dienstag unterbreiten, darüber muss dann der Rat abstimmen. Allerdings wird es so sein, dass wegen der Sporthalle andere Projekte verschoben werden müssen. Laut Gockel lässt sich das Vorhaben nicht zusätzlich in den Haushalt einordnen. Die Turnhalle wird ein entscheidender Baustein der Haushaltdebatte.